Verkehr

Die ersten beiden Umweltspuren kommen in den Osterferien

+
An der Merowinger Straße wird in den Osterferien eine Umweltspur angelegt.

DÜSSELDORF Düsseldorf startet an Merowinger- und Prinz-Georg-Straße die Fahrspur für E-Auto, Bus, Fahrrad und Taxi.

Von Alexander Schulte

Mit dem Beginn der Osterferien in gut drei Wochen werden in Düsseldorf die beiden ersten Umweltspuren eingerichtet. An der Merowinger Straße zwischen Südring und Bilker Bahnhof stadteinwärts sowie an der Prinz-Georg-Straße zwischen Moltke- und Bagelstraße in beiden Fahrtrichtungen werden die Sonderfahrstreifen auf den Asphalt gepinselt. Der genaue Starttag hängt davon ab, dass die Witterung trocken ist.

Geprüft wird noch die dritte und wichtigste Umweltspur, die sich quer von Süden nach Norden durch die City ziehen wird, vom Ende der A 46 in Uni-Höhe über Witzel-, Corneliusstraße, Berliner Allee, durch den Kö-Bogen-Tunnel bis zur Kaiser- und Fischerstraße. Auf dieser Strecke sei die Kreuzungslage recht kompliziert, sagte Verkehrsdezernentin Cornelia Zuschke. Generell ist die Umweltspur auf Kreuzungen stets unterbrochen, um Autos ein legales Abbiegen zu ermöglichen.

Das nach wie vor drohende Diesel-Fahrverbot abwenden

Oberbürgermeister Thomas Geisel betonte, man schlage so gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. So leite Düsseldorf den Vorrang für effizientere Verkehrsmittel ein und leiste einen Beitrag für bessere Luft, um das nach wie vor drohende Diesel-Fahrverbot abzuwenden.

Angesichts der schon vorab vielfach geäußerten Bedenken und Befürchtungen vom Verkehrschaos bis zu gefährdeten Radfahrern sagte Geisel: „Nein, es handelt es sich hier nicht um ein Experiment, wir machen nichts, was nicht schon anderswo passiert wäre.“ Tatsächlich sind Umweltspuren längst in einigen deutschen und europäischen Großstädten etabliert.

Konkret ist folgendes auf den beiden ersten Routen vorgesehen: Der Sonderfahrstreifen wird zwischen 2,80 und 3,20 Meter breit sein und durch eine 25 Zentimeter breite Linie markiert. Auf der Spur zeigen Piktogramme, wer hier fahren darf: ÖPNV-Busse, Radfahrer, Taxis und E-Autos. Geprüft wird noch, ob auch gewöhnliche Autos mit mindestens vier Insassen dort verkehren können.

Die Stadt hofft, dass mit der verkehrsärmeren Zeit in den Ferien ein stressfreier Einstieg für die Umweltspuren erfolgt. Dass es zu Staus kommen wird, ist freilich ziemlich klar, schließlich befahren die Merowingerstraße täglich im Schnitt etwa 25 000 Fahrzeuge (Prinz-Georg-Straße: 22 000).

Die Stadt wird, zum Teil mit Hilfe externer Gutachten, die beiden Teststrecken umfassend evaluieren. So werden die Schadstoffemissionen regelmäßig gemessen und die verkehrlichen Auswirkungen analysiert, es werden Autos und Radfahrer gezählt, es wird geschaut, ob Autofahrer Ausweichrouten nehmen, ein Fachbüro prüft die Verkehrssicherheit für alle Beteiligten (vor allem die der Radfahrer). Gesamtkosten für beide Spuren: 120 000 Euro.

Verstöße sollen sanktioniert werden, wobei die Polizei die Stadt durchaus schon auf ihre begrenzten Ressourcen hingewiesen hat. Wer unberechtigt auf die Umweltspur fährt, muss mit einem Verwarnungsgeld zwischen 15 und 35 Euro rechnen.

Auf die Frage, ob sie Bammel vor der Einführung der neuen Spuren habe, sagte Verkehrsdezernentin Cornelia Zuschke: „Nein, mulmig wäre mir, wenn wir jetzt nichts tun würden.“ Natürlich werde die Verknappung des Raums zunächst viele Autofahrer ärgern, „aber das alles ist alternativlos, wir müssen es jetzt machen“.

Die Stadtspitze lassen Einwände relativ kalt

VERGLEICH

BERLIN Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) verweist gerne auf die Bundeshauptstadt: „Dort ist die zentrale Wilhelmstraße schon seit 2003 für Autos gesperrt, erst gab es einen Riesenaufschrei, doch mittlerweile ist es eine absolute Selbstverständlichkeit geworden.“

Das sehen die organisierten Handwerker allerdings ganz anders: „Die mit der Umweltspur einhergehende Streichung der zweiten Fahrspur für Autos ist ein ökologischer Unfug ersten Ranges“, meinen Kammerpräsident Andreas Ehlert und Kreishandwerksmeister Thomas Dopheide in einer gemeinsamen Stellungnahme, denn sie führe notwendig zu mehr und nicht weniger Stau, wodurch das Emissionsaufkommen sogar noch erhöht werde. Darüber hinaus entstehe ein Sicherheitsproblem, wenn sich Radler, Busse und Taxis eine Spur teilen müssten.

Die Stadtspitze lassen diese Einwände relativ kalt. Der Umbau zur autogerechten Stadt in den 50er und 60er Jahren sei der bei weitem riskantere Eingriff in die Verkehrsstruktur gewesen, findet Zuschke.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Versuchter Raub: 13-Jähriger in Wuppertal angegriffen - Täter flüchten

Versuchter Raub: 13-Jähriger in Wuppertal angegriffen - Täter flüchten

Stau und volle Züge - Urlauber reisen zum Ferienende nach NRW zurück

Stau und volle Züge - Urlauber reisen zum Ferienende nach NRW zurück

A 46: Zwei Baustellen am Wochenende

A 46: Zwei Baustellen am Wochenende

Vierter Anbieter von E-Scootern in Düsseldorf

Vierter Anbieter von E-Scootern in Düsseldorf

Nacht- und Nebelaktion: Profi-Diebe räumen drei Blumenfelder leer

Nacht- und Nebelaktion: Profi-Diebe räumen drei Blumenfelder leer

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren