Erste Wirte nehmen kein Bargeld mehr

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Niels Damhus wirbt fürs Konzept: „Als junges Unternehmen wollen wir digital vorangehen. Mit bargeldloser Zahlung kommt auch ihr schneller, effizienter und sauberer an euer Essen“, steh tauf dem Aufsteller. Foto: Ines Arnold

Wer im „Baba Green“ am Düsseldorfer Wehrhahn essen möchte, muss mit Karte zahlen.

Von Ines Arnold

Düsseldorf. Nur Bares ist Wahres. Dieser Weisheit können Ozan Baran und Niels Damhus gar nichts abgewinnen. Im Gegenteil, für die beiden Gastronomen ist es genau andersherum. Sie gehören in Düsseldorf zu den ersten, die Münzen oder Banknoten nicht mehr annehmen. Am 1. Oktober stellten Baran und Damhus in ihrem Restaurant „Baba Green“ am Wehrhahn auf Kartenzahlung um — akzeptiert wird alles bis auf American Express.

Mit dem Modell folgen die jungen Gastronomen dem Vorbild aus Skandinavien, aber auch in Berlin und Hamburg etabliert sich nach und nach vor allem in Coffeeshops und Selbstbedienungsrestaurants die No-Cash-Variante.

Die Erfahrungen sind zwar noch frisch, aber schon jetzt fühlen sich Baran und Damhus in ihrer Entscheidung bestätigt. Denn für sie überwiegen eindeutig die Vorteile. „Es ist das Modell der Zukunft“, sagt Baran. Ein hoher administrativer Aufwand fällt weg. „Wir müssen kein Kleingeld bei der Bank besorgen, die Einnahmen abends nicht zählen und zur Bank bringen“, zählt er auf. Damit werde auch ein Sicherheitsrisiko umgangen: „Früher stimmte die Kasse oft nicht, wir mussten Fehlbeträgen hinterherforschen und Mitarbeiter befragen“, sagt er.

Selbst auf dem Markt haben die Händler Kartenlesegeräte

Mittlerweile stehen Baran und Geschäftspartner Damhus nicht mehr selbst hinter der Theke, sie müssen sich auf ihr Personal verlassen. „Leider mussten wir auch schon schlechte Erfahrungen machen, ein Mitarbeiter hat in die Kasse gegriffen“, sagt Baran. Die Kassenabrechnung bereitet Baran seit der Umstellung auf Kartenzahlung nun kein Kopfzerbrechen mehr.

Gegen die vielen Vorteile seien die Gebühren der digitalen Serviceprovider ein Klacks, sagt Baran. Die Zeiten, in denen es sich nicht oder nur ab einem bestimmten Betrag lohnte, Kartenzahlung anzubieten, sind in seinen Augen längst vorbei. Denn die Gebühren sind gedeckelt. Für Baran kommt auf der Haben-Seite hinzu: Die Gebühren für Bargeldeinzahlungen spart er nach Abschaffung der Bargeld-Kasse ein.

Viele Kunden möchten jedoch auch noch mit Bargeld bezahlen Carina Peretzke vom Handelsverband kennt die Vorteile aus Sicht der Gastronomen und Händler. Der Kundenwunsch sei aber ein anderer: „Der Kunde will entscheiden, ob er mit Karte oder Bargeld bezahlt“, sagt sie. Nach wie vor hänge der Deutsche am Bargeld: Das Bezahlen ist anonym, niemand kann es nachverfolgen. Außerdem meinen Bargeldbefürworter, mit Scheinen und Münzen einen besseren Überblick über Ausgaben zu haben.

Dem Wunsch nach Flexibilität passt sich laut Peretzke auch die Handel- und Gastroszene nach und nach an. Restaurants, in denen ausschließlich mit Bargeld bezahlt werden kann, werden zur Rarität, im Einzelhandel gibt es kaum noch Mindestbeträge, an die Kartenzahlung gekoppelt ist. Selbst Bäcker statten ihre Filialen teils schon mit Kartenlesegeräten aus. Und sogar auf dem Markt am Carlsplatz bieten nach Angaben von Chef Heiner Röckrath mittlerweile fast alle Händler Kartenzahlung an.

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