Erst die Technik macht den Menschen

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High-Tech-Dirigent „The Alter 3“ von Japans berühmtem Androiden-Forscher Hiroshi Ishiguro ist Teil der Ausstellung im NRW-Forum. Foto: Katja Illner

Künstler zeigen im NRW-Forum in Düsseldorf bis zum 5. Mai singende Roboter, stehlende Hände oder auch eine brabbelnde Katze.

Von Sabine Maria Schmidt

Düsseldorf. 1964 gab es einen Unfall auf der Madison Avenue in Manhattan. Mit ruckeligen Bewegungen überquerte der „Robot K-456“ einen Fußgängerstreifen und wurde dabei von einem Auto angefahren. Zeugen gab es viele. Die Aktion war angekündigt. „Robot Opera“ nannte Nam June Paik die Spaziergänge seines wandelnden Aluminiumgestells.

Paik, Fluxus-Künstler und Pionier der Videokunst, hatte das androgyne Geschöpf zusammen mit dem Japaner Shuya Abe entwickelt. Mit der Technik haperte es zwar noch, aber beide hatten Humor. Bis heute gilt der Robot von Abe/Paik als Meilenstein kybernetischer Kunst.

Daher kann er nur noch selten ausgestellt werden – eine frühe Videodokumentation muss genügen. Im Zentrum steht eh ein zeitgenössisches Roboter-Exemplar. Das stammt von dem aktuell berühmtesten Androiden-Forscher Hiroshi Ishiguro aus Japan; ein Popstar der Szene. „The Alter 3“, so der Name für sein Ebenbild, ist in der Lage, zu singen und eine ganze Symphonie zu dirigieren. Jüngst hatte „The Alter 3“ einen Auftritt im Museum Kunstpalast bei „Hi, Robot! Das Mensch Maschine Festival.“

Wer das Konzert verpasst hat, kann sich den ungewöhnlichen High-Tech-Dirigenten nun noch in der kleinen Kabinett-Ausstellung mit dem rätselhaften Titel „Körperwende“ anschauen. Ohne Orchester und ohne Kontext läuft die Programmierung des Burschen, dessen Gesicht und Arme einem Wachsfigurenkabinett entstammen könnten, allerdings ziemlich leer. Offensichtlich schnell erschöpft, wird er zwischendurch auch abgeschaltet. „Erst die Technik mache den Menschen zum Menschen“, sagt Ishiguro, „ansonsten wären wir ja Affen.“ Eine steile These, die viel über den japanischen Techno- Spiritualismus aussagt. Hatte das nicht bereits Stanley Kubrick so schön inszeniert in der berühmten Vormenschenszene aus „2001: Odyssee im Weltraum“.

Ein magischer Arm macht sich selbstständig

Vom martialischen Knochenwerkzeug zum Raumschiff reichte ein kurzer Filmschnitt. Die Idee, das menschliche Leben durch Implantate und elektronische Ausdehnungen des Körpers zu verbessern oder zu verlängern, ist schon uralt. Man denke an Golem, die eiserne Faust von Götz von Berlichingen oder Frankenstein.

Der in Düsseldorf ansässige belgische Kurator Cis Bierincks weist zum Einstieg in seine Show auf einen lustig-makabren historischen Stummfilm hin.

In „The Thieving Hand“ von J. Stuart Blackton von 1908 erhält ein einarmiger Straßendieb in einem Ladengeschäft eine ungewöhnliche Prothese. Der magische Arm ist nicht zu steuern, klaut wie ein Rabe und macht sich selbstständig.

Bei Pinar Yoldas Animationsfilm „Artificial Intelligence for Governance, the Kitty AI“ vergeht einem die Lust. Eine künstliche Intelligenz hat in Form eines Katzen-Memes die Weltherrschaft übernommen. Trotz kluger Zitate von Medienphilosoph Vilém Flusser: Das endlose Gebrabbel der Cat-Computerstimme nervt nur noch abtötend, daher unbedingt ohne Kopfhörer anschauen. Oder Körperwende und nach draußen!

„Körperwende – Von Name June Paik bis Hiroshi Ishiguro“, bis 5. Mai, NRW-Forum

nrw-forum.de

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