Diskussion

Erhält das Luisenviertel den Zusatz „Altstadt“?

Das Luisenviertel ist beliebt – auch wegen der stimmungsvollen Atmosphäre.
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Das Luisenviertel ist beliebt – auch wegen der stimmungsvollen Atmosphäre.

Wuppertal. FDP stößt eine neue Debatte über Wuppertaler Schmuckstück an.

Von Katharina Rüth

Wie kann das Luisenviertel besser vermarktet werden? Ist es möglich, negative Entwicklungen zu verhindern? Braucht es mehr gemeinsame Abstimmung? Die unterschiedlichen Interessen von Anwohnern, Geschäftsleuten, Gastronomen und Besuchern unter einen Hut zu bringen, ist nicht einfach. Die FDP will jetzt ein „Altstadtkonzept“ für das Luisenviertel auf den Weg bringen. Die Reaktionen darauf sind gemischt.

Das Luisenviertel sei „ein Juwel“, sagt Alexander Schmidt, Vorsitzender der FDP-Fraktion. Aber Wuppertal mache zu wenig daraus. Er suche in fremden Städten stets nach der Altstadt, das funktioniere in Wuppertal nicht: „Dadurch verlieren wir große Chancen.“ Maßnahmen wie die neue Fußgängerzone am Laurentiusplatz und die Einführung eines Nachtbürgermeisters seien nur Einzelmaßnahmen, „die einen strategischen Überbau benötigen“.

Die FDP schlägt vor, das Luisenviertel mit dem Zusatz „Altstadt“ zu vermarkten, fordert ein Verkehrskonzept, das flexibler mit dem Thema Straßensperrungen umgeht, etwa mit temporären Sperrungen durch versenkbare Pollern, und ein Sicherheitskonzept, bei dem Ordnungskräfte den beschlossenen Nachtbürgermeister begleiten.

Lennart Borgmann, Mitarbeiter am Lehrstuhl Marketing an der Uni, hält „Altstadt“ für einen Begriff, der positive Assoziationen hervorruft, daher durchaus geeignet als Markenbegriff. Davor müsse aber ein Prozess stehen, in dem sich die Beteiligten klar werden, wofür sie stehen und wie sie das kommunizieren wollen. Für das Luisenviertel sei wichtig zu verdeutlichen, wie es sich etwa von der Düsseldorfer Altstadt unterscheidet.

Martin Bang, Chef der Wuppertaler Marketing Gesellschaft, bestätigt, dass das Luisenviertel ein „Aushängeschild“ der Stadt ist. Das würden sie Besuchern durchaus mit dem Begriff Altstadt erklären. Es sei auch richtig, immer wieder darüber nachzudenken, wie man die einmaligen Qualitäten des Luisenviertels hervorhebt. Er wünscht sich ein Konzept für eine Beschilderung in der Stadt.

IG Luisenstraße will Gespräche wieder in Gang bringen

Ralf Geisendörfer von den Freien Wählern, der viele Jahre eine Buchhandlung am Laurentiusplatz betrieb, hält nichts von dem Begriff Altstadt: „Das haben wir vor 15 Jahren schon mal verhindert.“ Man könne durchaus sagen, dass das Viertel eine Altstadt sei, aber es müsse weiter Luisenviertel heißen. Dass etwas für das Luisenviertel getan werden muss, findet auch Michael Kozinowski, Inhaber der Buchhandlung von Mackensen am Laurentiusplatz und Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Friedrich-Ebert-Straße. Aus seiner Sicht entwickelt sich das Viertel zu sehr zu einem Ausgeh- und Vergnügungsviertel: „Ab 17 Uhr verändert sich das Publikum.“ Deshalb machten einige Einzelhändler bereits früher zu. Er betont, dass die Anwohner beteiligt werden müssen, wünscht sich eine Bürgerbeteiligung, wie sie zur Sperrung der Friedrich-Ebert-Straße stattfand, für das ganze Viertel.

Für die IG Luisenstraße spricht der frisch gewählte Vorsitzende Alexander Klein: „Altstadt als Zusatz kann man machen“, sagt er. Und: „Ein Gesamtkonzept zu erarbeiten, ist eine gute Idee.“ Man müsse überlegen, „wie sich das Vierteil für die Zukunft positioniert“. Dabei ist ihm ein Miteinander von Einzelhändlern, Gastronomen und Anwohnern wichtig. Auch er sieht Veränderungen: Mehr Studierende zögen ins Viertel. Die IG plane im Januar eine Veranstaltung, um das Gespräch über Wünsche und Ideen für das Viertel wieder in Gang zu bringen.

Für ein Konzept ist auch Achim Brand, Inhaber der Kultkneipe Café du Congo. „Damit rennt man bei mir offene Türen ein.“ Bisherige Vermarktungsmaßnahmen reichten nicht: „Aber man muss die richtigen Leute erreichen. Mehr Junggesellenabschiede wollen wir nicht.“

Bezirksbürgermeister Thomas Kring (SPD) verweist ebenfalls darauf, dass die Diskussion „schon 15 Jahre alt“ ist. Er sagt: „Es macht überhaupt keinen Sinn, Assoziationen an Düsseldorf zu wecken.“ Das Viertel lebe durch den Mix von Gastronomie, Geschäften und Wohnen: „Wenn eins fehlt, ist der Charme verloren“, ist er überzeugt. Da steuernd einzugreifen, sei nicht leicht, aber man könne bei Nutzungsänderungen genau hinschauen und auf den Immissionsschutz für die Bewohner achten.

Auch er findet: „Wir müssen eine Diskussion darüber führen, wie sich das Viertel entwickeln soll.“

Historie

Das Luisenviertel entstand als westliche Erweiterung Elberfelds ab 1820. Es ist geprägt durch einerseits klassizistische Bauten, andererseits Häuser im bergischen Stil. In den 1970er Jahren gab es Pläne, das Viertel für eine Umgehungsstraße abzureißen. Widerstand der Bürger verhinderte das.

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