Projekt

Uni erforscht im Burgholz tote Bäume

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Schilder machen Spaziergänger im Burgholz auf das Forschungsprojekt der Universität aufmerksam. 

WUPPERTAL Das Projekt wird vom Land NRW finanziell unterstützt. Es soll Aufschluss über die künftige Artenvielfalt im Wald geben.

Von Friedemann Bräuer

„Bitte nicht berühren“, heißt es auf Hinweisschildern, die vor bemoosten, still vor sich hin modernden, aber auch vor relativ frisch gefällten Baumstämmen im Naherholungsgebiet Burgholz rund um das Kinderhospiz zu sehen sind. Im Folgenden wird dann erklärt, dass es sich dabei um Totholz und abgestorbene Bäume handelt, die von großer Bedeutung für die Artenvielfalt im Wald sind.

Es geht dabei um Zersetzungsprozesse, die in diesen „Baumleichen“ vonstattengehen, sowie die Artenzusammensetzung von Pilzen, Flechten und Moosen, die sich dort ansiedeln. Dies alles wird gemeinsam von der Bergischen Universität und dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW untersucht. Wobei es sich hier um „nicht standortheimische Baumarten“ handelt. Das Forschungsprojekt wird durch das Ministerium Klimaschutz, Umwelt, Natur- und Umweltschutz des Landes Nordrhein-Westfalen finanziell unterstützt und ist auf mehrere Jahre angelegt.

Professor Hans-Willi Kling von der Bergischen Universität, unter dessen Regie das Projekt zusammen mit dem Land NRW betreut wird, will Erkenntnisse gewinnen, wie der Zersetzungsprozess in den verwitterten Stämmen vor sich geht. „Vor allem möchten wir erforschen, welche Stoffe die fremdländischen Holzarten bei der Zersetzung abgeben und welche Auswirkungen diese für das gesamte Biosystem haben. Wir wollen wissen, wie diese Stoffe das Wachstum anderer Pflanzen, aber auch das Verhalten der Käfer und Insekten in der unmittelbaren Umgebung beeinflussen.“

Zersetzungsprozesse, die viele Jahre benötigen. Dies auch unter Berücksichtigung des nicht mehr bestreitbaren Klimawandels. „Hier herrschte bisher ein mildes, aber eher kühles Klima“, erläutert Professor Kling. „Wir müssen beobachten, wie sich zwei oder drei Grad Celsius mehr auswirken und das Wohlfühlklima und die Wachstumsqualität der Bäume beeinflussen. Und ob wir zukünftig bei der Wiederaufforstung eventuell andere Baumarten berücksichtigen müssen.“

Der Wissenschaftler ergänzt: „Das Burgholz ist dabei nicht das einzige Forschungsgebiet in NRW. Es wird auch im Sauerland an verschiedenen Standorten zum selben Thema geforscht.“ Am Ende werde man natürlich auf Baumarten zurückgreifen, die sich dem Klimawandel gegenüber als resistenter und anpassungsfähiger erweisen.

Gäste aus aller Welt schauen sich das Arboretum Burgholz an

Die am Rande der Waldwege liegenden Baumstämme unterschiedlichen Alters und Verwitterungsgrades sind jeweils wichtige Forschungsobjekte. „Wir haben extra diese Schilder angebracht, damit niemand auf die Idee kommt, so ein Stück Holz aus dem Arboretum mitzunehmen“, sagt Professor Hans-Willi Kling. Das Arboretum auf den Südhöhen ist mit einer Fläche von rund 250 Hektar übrigens das größte in Deutschland und wird von wissenschaftlichen Delegationen aus dem In- und Ausland, darunter sogar China, besucht. Schließlich wachsen dort Exemplare des „Urwelt-Mammutbaumes“, der serbischen Fichte, die zweizeilige Sumpfzypresse, die Hynoki-Scheinzypresse und das chinesische Rotholz. Aber natürlich auch die heimischen Arten Rotbuche, Bergahorn und der rote und schwarze Holunder.

ARBORETUM

SAMMLUNG Fremdländische Gehölze am Rande von Cronenberg werden seit mehr als 100 Jahren angepflanzt. 1900 wurde begonnen. Aus 100 in den ersten Jahrzehnten sind zwischenzeitlich rund 200 verschiedene Nadel- und Laubbaumarten im „Arboretum“ („arbo“: lateinisch für „Baum“) geworden – so nennt man die Ansammlung von einheimischen und exotischen Bäumen. Sie prägen dort das Bild des Waldes.

FÜHRUNGEN Das Waldpädagogische Zentrum bietet in seinem Programm unter anderem auch Führungen und Wanderungen durch das Arboretum an. Mehr Informationen im Netz.

wpz-burgholz.de

Für Revierförsterin Leonore Gärtner eine spannende Mischung. Sie berichtet auf Anfrage von Pflegemaßnahmen im Burgholz, die in den nächsten zwei Wochen aber abgeschlossen sein sollen. Dass gerade zahlreiche Reit- und Wanderwege gesperrt sein sollen, wie derzeit häufig kolportiert wird, kann sie nicht bestätigen. „Es kann höchstens mal zu kurzfristigen Sperrungen kommen, wenn Bäume umzustürzen drohen oder schon auf den Waldwegen liegen“, sagt Leonore Gärtner.

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