Engelszentrum steht auf der Kippe

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Eigentlich sollte das Engelszentrum im November 2020 eröffnet werden. Entwurf: A. Quintiliani Architekt aknw bda

Wuppertal rechnet mit einer Steigerung von vier Millionen Euro. Kämmerer sieht Zeitplan gefährdet.

Von Lothar Leuschen

Wuppertal. Die Kosten steigen, die Finanzierungslücke wird stetig größer, und Wuppertals Kassen sind leer. Nun will Stadtkämmerer Johannes Slawig (CDU) auf die Bremse treten. Den Finanzausschuss hat er bereits informiert. Im Juli soll der Rat neue Beschlüsse fassen. Das Engelszentrum in Barmen steht auf der Kippe. Denn derzeit ist vollkommen offen, wie die Mehrkosten finanziert werden sollen. Vier Millionen Euro reißen demnach ein kaum zu schließendes Loch.

Dabei ist das voraussichtlich nun etwa 14 Millionen Euro teure Engelszentrum nicht das einzige Projekt, das gegen die allgemeine Baukostensteigerung um sein Überleben kämpft. Es soll im November nächsten Jahres eröffnet werden und das China-Begegnungszentrum beinhalten. Aus diesem Grund wird es von der Abteilung Außenwirtschaft des NRW-Wirtschaftsministeriums mit fast fünf Millionen Euro unterstützt. Dieses Geld fließt nach Düsseldorf zurück, wenn Wuppertal nichts baut. „Das habe ich in 20 Jahren so noch nicht erlebt“, sagt Slawig.

Die Baukostenexplosion stellt Kämmerer vor allem finanzschwacher Städte vor immense Probleme. Dabei hat Slawig schon mit den laufenden Baumaßnahmen erheblich zu kämpfen. Derzeit investiert Wuppertal etwa 35 Millionen Euro in den Hochbau und 43 Millionen Euro in den Tiefbau. Bei einer allgemeinen Baukostensteigerung von derzeit sechs Prozent im Jahr macht allein das schon mehr als vier Millionen Euro aus. Bei dem, was da noch kommen soll, kann dem Kämmerer angst und bange werden. Allein für den Schulbau sind in den nächsten zehn Jahren 450 Millionen Euro vorgesehen.

Für OB Andreas Mucke sind die Würfel noch nicht gefallen

Verglichen damit ist das Engelszentrum eine kleine Baustelle. Aber auch dessen Mehrkosten schmerzen, und bei einem weiteren Projekt weiß auch noch niemand, ob die Planungen der Entwicklung standhalten. Für das Engelszentrum ist in der bisher geplanten Variante hingegen noch kein weißer Rauch in Sicht. Hier teilen sich die Mehrkosten von bis zu vier Millionen Euro so auf, dass zwei Millionen Euro auf die allgemeine Kostensteigerung entfallen. Eine Million Euro beruht auf einem Rechenfehler des Architekten, der in Regress genommen werden soll.

Und allein knapp 300 000 Euro sind für ein Becken erforderlich, das im Falle von Starkregen Wasser aufnehmen soll. Das Engelszentrum liegt unterhalb der Wupper und ist somit überflutungsgefährdet. Dieses Problem ist erst mit dem schweren Unwetter im vergangenen Jahr aufgetaucht. Für den Fraktionsvorsitzenden der SPD im Stadtrat, Klaus Jürgen Reese, steht das Engelszentrum nebst China-Begegnungszentrum nicht zur Disposition. „Ich erwarte von der Stadtverwaltung Lösungsvorschläge“, sagt er. „Das ist die Chance, auf die wir seit Jahren warten, das Engelszentrum aufzuwerten“. Für Oberbürgermeister Andreas Mucke (SPD) sind die Würfel noch nicht gefallen. Er hat eine aktuelle Auflistung sämtlicher Kostensteigerungen bei städtischen Bauvorhaben angefordert. „Die wollen wir uns erst einmal ansehen“, sagt er. Eine Frage sei, ob das Museum für Frühindustrialisierung auch anders so hergerichtet werden kann, dass es besser funktioniere. Ob der jüngsten Entwicklung nun der geplante Verbindungsbau zwischen Engelshaus und Museum zum Opfer fallen wird, muss letztlich der Stadtrat entscheiden.

Das soll aller Voraussicht nach im Juli geschehen, wenn über Geld gesprochen wird. Aber die Zeit läuft. Schon jetzt sieht Slawig den geplanten Eröffnungstermin am 28. November nächsten Jahres als extrem gefährdet an.

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