Neueröffnung

Engelshaus wird pünktlich zum Geburtstag fertig

Im Tapetenzimmer: (v.l.) Kulturdezernent Matthias Nocke, GMW-Chef Hans-Uwe Flunkert und Projektleiterin Stefanie Hentrich. Foto: Andreas Fischer
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Im Tapetenzimmer: (v.l.) Kulturdezernent Matthias Nocke, GMW-Chef Hans-Uwe Flunkert und Projektleiterin Stefanie Hentrich.

Zur Neu-Eröffnung am 28. November soll auch der Rohbau des Verbindungsbaus stehen.

Von Monika Werner-Staude

Wuppertal. 22 Jahre lang leitet Hans-Uwe Flunkert nun schon das Gebäudemanagement der Stadt Wuppertal (GMW). Und ebenso lange begleite ihn das Thema „Engelshaus“, sagt er. Umso größer sei seine Freude, kurz vor seinem Ruhestand das Projekt noch beenden zu können. Am 28. November, wenn sich Friedrich Engels’ Geburtstag zum 200. Mal jährt, soll das restaurierte Gebäude wieder eröffnet werden. Soll der Rohbau des Verbindungsbaus zur Kannegießerschen Fabrik, der für den vorgeschriebenen zweiten Rettungsweg existenziell ist, fertiggestellt sein. Allen Skeptikern und Hindernissen zum Trotz werde der Zeitplan eingehalten. Versichert er.

Die Vorarbeiten waren zeitaufwendig, was nicht nur Finanzierungsfragen, sondern auch dem Denkmalschutz und der Bauforschung geschuldet war. So soll das mehrfach umgebaute großbürgerliche Fachwerkwohnhaus des bergischen Spätbarock in den Zustand nach seinem ersten großen Umbau um 1800 versetzt werden. Seit Ende 2019 ist die Schiefer-Fassade des Gebäudes am Engelsgarten weitgehend restauriert, einige Fensterläden fehlen noch, sie werden in der Farbe „Bergisch Grün“ gestrichen, die Haustür wird auswärts aufgearbeitet.

Im ersten Ober- und im Erdgeschoss sind die Öffnungen zum Verbindungsbau in die Mauern eingelassen. Das an die 80 Kubikmeter fassende Regenrückhaltebecken wurde in den Boden gebracht, nun folgen die Entwässerungskanäle. Auch wenn überirdisch also noch nichts zu sehen ist, gibt es Gedankenspiele über ein Richtfest am 1. November.

Hochbetrieb herrscht dagegen im Inneren des Engelshauses, wo von oben nach unten gearbeitet werde, erklärt Projektleiterin Stefanie Hentrich. Die Architektin kennt das Haus wie ihre Westentasche, schätzt seine gute Bausubstanz, auch wenn seine schiefen Wände und immensen Höhenunterschiede immer wieder herausfordern. Knapp 790 Quadratmeter Grundfläche, Wand- und Deckenflächen und Böden werden hergerichtet, die alten, Vertikalschiebe-Sprossenfenster und schweren Original-Türen repariert.

Dreiteilige Ausstellung ist nach dem Sommer zu sehen

Besondere Attraktion wird das sogenannte Tapetenzimmer, dessen gut erhaltene Landschafts- und Stuckmalereien an den Wänden mittlerweile gereinigt, dessen Stuckdecken freigelegt wurden. In den höheren Etagen werden gerade die Deckenbalken gestrichen. Umfangreiche Brandschutzmaßnahmen sind in einem eigenen Konzept festgelegt. Fast fertig ist der steinerne Gewölbekeller, der gereinigt und abgestrahlt wurde, nun mit umlaufenden Heizkörpern vor Feuchtigkeit bewahrt werden soll. Die anderen Stockwerke sollen über Gasthermen geheizt werden.

Um die Nutzung des Hauses kümmert sich Lars Bluma. Der Leiter des Historischen Zentrums hat ein dreiteiliges Ausstellungskonzept erarbeitet, das nach dem Sommer realisiert werden soll. Gezeigt werden soll erstens die Baugeschichte des Hauses, zweitens die bürgerliche Wohnkultur (in einem Musikzimmer und dem Tapetenzimmer) sowie drittens eine Ausstellung über Engels und seine Familie. Dabei werden Teile der Großen Ausstellung „Ein Gespenst geht um in Europa“ verwendet, die derzeit in der Kunsthalle Barmen gezeigt wird.

Bluma denkt an eine elegante und dezente Präsentation mit multimedialen Anteilen, etwa bei den Briefen von Engels, „um einen Eindruck der Briefkultur von damals zu vermitteln“. Im Haus sollen verteilte Sichtfenster Bau-Details hervorheben, in einem Informationszimmer die nackten Wände sowie ein Film Auskunft über seine verschiedenen Epochen geben.

Bis zum Herbst muss deshalb der Innenausbau fertig sein, damit Bluma seine Pläne rechtzeitig vor dem runden Geburtstag des berühmten Barmer Sohns umsetzen kann. Der Umzug des Historischen Zentrums in die oberen Stockwerke dagegen folgt später, wenn alles fertig ist.

Kosten

Das Engelshaus wurde 1992 in die Denkmalliste der Stadt eingetragen. Es soll für 3,8 Millionen Euro saniert und restauriert werden. Die Bauforschung schlägt mit rund 500 000 Euro zu Buche. Die Aufträge wurden an Restaurations-erfahrene Betriebe vergeben.

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