Bergische Geschichte

Bauarbeiten am Engels-Haus sind im Zeitplan

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Das eingerüstete Engelshaus: Pünktlich zum Engels-Geburtstag am 28. November sollen Gäste das Gebäude wieder betreten können. 

WUPPERTAL Aktuell läuft der Innenausbau. Stadt Wuppertal plant die Wiedereröffnung für November 2020.

Von Michael Bosse

Als Andreas Mucke die Baustelle im Engels-Haus betritt, liegt die Assoziation offenbar zu nah, um sie nicht zu bemühen. „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt“, deklamiert er die bekannten Anfangszeilen aus der Nationalhymne der DDR. Die Aufbauleistung bei der Sanierung des Engels-Hauses ist vielleicht nicht ganz so groß wie die damaligen kriegsbedingten Herausforderungen bei der Gründung einer ostdeutschen sozialistischen Gesellschaft – aber gleichwohl ist das historische Bauwerk und seine Wiederrichtung für die Stadt „von hoher emotionaler Bedeutung“, wie der Oberbürgermeister bei einer Stippvisite auf der Baustelle in Barmen erklärt.

Schließlich handelt es sich bei Friedrich Engels (1820-1895) um den bedeutendsten Sohn der Stadt, einen politischen Vordenker, der entscheidenden Einfluss auf die Arbeiterbewegung in Europa nahm und auf die Abfassung und Veröffentlichung der beiden Bände des „Kapitals“ von Karl Marx hatte. Im Rahmen seiner diesjährigen Sommertour hat der OB deshalb gemeinsam mit dem Leiter des städtischen Gebäudemanagements (GMW), Hans-Uwe Flunkert, die historische Stätte besucht, die derzeit für rund 3,3 Millionen Euro saniert wird.

Zwar wurde Friedrich Engels in dem 1775 errichteten Haus nicht geboren. Dieses Gebäude wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört, aber immerhin ist es eines von fünf Häusern, die die zu Wohlstand gelangte Familie Engels im Unterbarmer Bruch besessen hatte. Insofern ist es ein wichtiges historisches Objekt der Stadtgeschichte – oder wie GMW-Chef Flunkert sagt: das „am meisten denkmalgeschützte Haus Wuppertals“.

MUSEUM

AUFTEILUNG Nach der Wiederöffnung sollen das Erdgeschoss und der erste Stock des Gebäudes als Museum dienen – in Ergänzung zum Bestand des angrenzenden Museums für Frühindustrialisierung soll dort vor allem der Wohnsitz einer gutbürgerlichen Familie präsentiert werden. Die beiden oberen Stockwerke sollen von der Verwaltung genutzt werden. Und im Keller des Hauses liegt ein im Originalzustand erhaltenes Gewölbe, das künftig als Veranstaltungssaal genutzt werden soll.

Und bevor in einem solchen Objekt losgehämmert und geschraubt wird, sollte vielleicht erst einmal der Bestand gesichert, inventarisiert und die Bauschritte abgestimmt werden. Das geschah auch nach der Schließung des Hauses im November 2016: Umfangreiche Bauforschungsarbeiten wurden in Absprache mit dem Denkmalschutz durchgeführt. Restauratoren begutachteten die vorhandenen Materialien und sichteten historische Zeitungsartikel und Dokumente. Von der Fassade und den Räumen wurden zahlreiche Fotos gemacht – dabei wurde auch eine Flugdrohne eingesetzt. Der ganze Aufwand war nicht billig: Allein die Bauforschung schlug nach Angaben der Stadt Wuppertal mit 500 000 Euro zu Buche.

Dafür gab es dann aber auch wichtige neue Erkenntnisse: So gehen die Experten davon aus, dass das großbürgerliche Fachwerkwohnhaus des bergischen Spätbarocks vier Umbauphasen erlebt hat. „Die erste war um 1800. Damals wurden die Räume vergrößert“, berichtet GMW-Projektleiterin Stefanie Hentrich bei der Führung durch das leergeräumte Haus. Die Denkmalschützer mussten nun klären, wann und in welcher Phase die Veränderungen an und in dem Haus stattfanden. Aber auch wenn die laufende Sanierung auf den Zustand nach dem ersten Umbau des Hauses abzielt, so sollen auch spätere Umbauphasen in dem neu gestalteten Museum sichtbar werden.

Arbeiten an Dach und Fassade sind beendet

Derzeit laufen die Arbeiten im Innenausbau: Das Stabparkett im Wabenmuster ist aus den Räumen entfernt und wird restauriert. Elektriker verlegen Leitungen, an den Innenwänden finden Ausbesserungsarbeiten statt. Die Arbeiten am Dach und der Fassade sind dagegen bereits beendet oder neigen sich dem Ende zu. Ein paar Fenster müssen noch eingesetzt werden, ein paar weitere werden schon mit Leimfarbe gestrichen. Der letzte Teil des Gerüstes soll im kommenden Herbst abgebaut werden.

Nur geringe Ausbesserungen soll es dagegen an den bemalten Wandtapeten geben, die sich etwa im ersten Obergeschoss befinden und Landschaftsbilder zeigen. Derzeit sind die Tapeten verhängt, um sie vor Verschmutzungen durch die Bauarbeiten zu schützen. Da 2020 Engels-Jahr ist und die Stadt dieses Datum in angemessener Weise begehen will, fragt OB Mucke auch nach dem Ende der Bauarbeiten. Projektleiterin Hentrich erklärt, man sei mit den Arbeiten im Zeitplan, und rechne damit, dass im Herbst die Sanierung beendet werden kann.

Laut Stadt soll die Eröffnung des neuen Museums dann im November 2020 erfolgen – rechtzeitig zum 200. Geburtstag von Friedrich Engels, der am 28. November ansteht.

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