Energieagentur NRW steht vor Abwicklung

Im Teijin-Hochhaus sitzt die Energieagentur. Archivfoto: Kurt Keil
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Im Teijin-Hochhaus sitzt die Energieagentur. Archivfoto: Kurt Keil

Mitarbeiter in Wuppertal sind verunsichert – Pläne von Minister Pinkwart stoßen auf Kritik

Von Michael Bosse

Wuppertal Auch gut ein halbes Jahr nach der Ankündigung des Landes NRW, ab 2022 eine landeseigene Energie- und Klimaagentur zu gründen, sind Verunsicherung und Verbitterung in der bisherigen Energieagentur NRW groß. Der private Dienstleister, der seinen größten Standort mit dem rund 60-köpfigen Team im Teijin-Hochhaus an der Kasinostraße in Wuppertal hat, steht vor der Abwicklung.

Wirtschafts- und Energieminister Andreas Pinkwart (FDP) hatte im Herbst angekündigt, das Land werde eine eigene Energie- und Klimaagentur gründen, um die Maßnahmen zur Entwicklung einer klimaneutralen Wirtschaft zu bündeln und zu forcieren. Es gehe darum, eine „schlagkräftige und flexible Landesgesellschaft“ zu schaffen. Der bisherigen Energieagentur NRW droht damit nun die Schließung.

So weit, so schlecht – zumindest aus Sicht der insgesamt rund 160 Mitarbeiter der Energieagentur NRW, die neben Wuppertal auch Standorte unter anderem in Düsseldorf und Gelsenkirchen hat. Sie fühlen sich von den Plänen des Ministers aufs Abstellgleis geschoben. Offiziell äußern möchte sich niemand.

Hinter vorgehaltener Hand wird aber kritisiert, dass sich das Land in der Sache einen „schlanken Fuß“ gemacht habe und die gute Arbeit der Energieagentur hintertreibe - möglicherweise auch deshalb, weil es inhaltliche Differenzen zwischen Ministerium und Energieagentur gegeben hat. Zwar hat sich die Einrichtung nach Informationen unserer Redaktion bereits auf drei vom Land ausgeschriebene Projekte beworben, die ab 2022 starten sollen. Doch ob die Energieagentur auch den Zuschlag erhält, ist unsicher – schließlich gibt es bei Ausschreibungen auch immer Mitbieter. Zudem ist derzeit unklar, wie viele Menschen noch im Rahmen dieser Projekte beschäftigt werden können.

Minister Pinkwart hatte in seiner Vorstellung der neuen Energie- und Klimaagentur darauf verwiesen, dass gerade zum Start noch Aufträge an externe Partner vergeben werden. Dazu seien bis zum Jahr 2024 Ausschreibungen in Höhe von insgesamt 27 Millionen Euro vorgesehen.

Schneidewind sorgt sich um bewährte Strukturen

Im Wuppertaler Rathaus sieht man die Entwicklung mit Missbilligung. „Wuppertal hat in Sachen Klimaschutz eine hohe fachliche Kompetenz vor Ort – dafür stehen besonders die Bergische Universität, das Wuppertal Institut und die Energieagentur NRW. Die Vernetzung der unterschiedlichen Akteure und Kompetenzfelder ist wichtig und natürlich nicht nur an räumliche Nähe gebunden“, sagt Oberbürgermeister Uwe Schneidewind, der als früherer Präsident des Wuppertal Instituts eine starke Nähe zum Thema hat. Es „wäre sehr bedauerlich, wenn hier bestehende und bewährte Strukturen neu geordnet würden.“

Auch bei Fachverbänden sorgt die Entscheidung des Ministers für Kritik. So schrieben sechs Verbände der Energiewirtschaft einen offenen Brief an Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und warnten davor, dass das „in 30-jähriger Arbeit der Energieagentur NRW aufgebaute Know-how“ verloren gehe. Der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE NRW) prognostizierte, dass NRW durch die Entscheidung „bei den Themen Energiewende und Klimaschutz den Anschluss verliert“.

Die landeseigene Energie- und Klimaagentur, die neben den Aufgaben der Energieagentur auch jene der 2018 gegründeten Initiative „IN4climate.NRW“ bündeln wird, soll bis 2024 komplett ausgebaut sein und rund 120 Menschen am Standort Düsseldorf beschäftigen.

Die bisherige Energieagentur NRW ist ein privater Dienstleister und versteht sich als „operative Plattform mit breiter Kompetenz im Energiebereich“. Der Vertrag zwischen der Trägergesellschaft der Energieagentur und dem Land läuft Ende 2021 aus. Die Gesellschafter sind jeweils zur Hälfte die Agiplan GmbH und die EE Energy Engineers GmbH.

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