Persönliche Briefe

Emil Engels schrieb: „Mein liebes Lottchen“

Martin Michels und Tochter Carina sind stolze Besitzer von Briefen der Familie Engels. Fotos: Andreas Fischer
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Martin Michels und Tochter Carina sind stolze Besitzer von Briefen der Familie Engels.

Schatzsuche bei Ebay: Wuppertaler Heimatsammler hat persönliche Briefe der Familie Engels ersteigert.

Von Miriam Karout

Wuppertal. Der Wuppertaler Heimatsammler Martin Michels hat auf dem Online-Marktplatz EBay einen raren Fund gemacht: persönliche Briefe der Familie Engels aus den 1850er Jahren.

In einem Brief aus dem Jahr 1856 schreibt Emil Engels an seine Frau Charlotte „Mein liebes Lottchen“.

Darunter sind Liebesbriefe zwischen Friedrich Engels’ Bruder Emil und seiner Frau Charlotte Bredt. Michels, der auch aufgrund seines Steingartens am Loh an der Nordbahntrasse in der Stadt überaus bekannt ist, sammelt seit Jahren historische Fundstücke aus der Heimat. Die Familienbriefe der Engels sind aber auch für ihn von besonderer Bedeutung.

„Die Briefe sind alle aus den 50er Jahren und richten sich an Charlotte Bredt“, beschreibt Michels seinen Fund. „Die Eltern nannten sie auch Frau Emil Engels. Sie sind wirklich schön, man müsste sie auf ein T-Shirt drucken.“ Bei den Briefen handelt es sich um persönliche Schriftstücke der Familie Engels. So beginnt ein Brief von Emil Engels im Oktober 1856 an seine Ehefrau mit „Mein liebes Lottchen“. Versehen ist er mit einem Stempel aus Engelskirchen.

Die Stempel seien auch der Grund gewesen, warum Michels auf die Briefe aufmerksam wurde. Der erfahrene Heimatsammler trägt Fundstücke aus Wuppertals Vergangenheit zusammen und hat ein umfangreiches Archiv für historische Fotos und Ansichtskarten, das einmal seine Tochter Carina übernehmen soll. So sammelt er auch alte Stempel. Ab und an schaut er auf dem Online-Markt EBay, welche Wuppertaler Stadtteil-Stempel sich finden lassen. Und so fand er Briefe, die mit einem Barmer Stempel versehen waren.

Thorsten Dette vom Stadtarchiv Wuppertal ist erstaunt, dass solche Briefe immer noch auftauchen. „Natürlich kann man nie ganz ausschließen, dass etwas Historisches zum Vorschein kommt“, sagt Dette, „Aber permanent passiert das eher weniger.“

Das Archiv sei im Besitz einiger Briefe zwischen Emil und Charlotte, aber auch anderer Briefe der Familie Engels. Durch die Korrespondenz der Familienmitglieder untereinander habe man unglaublich viele historische Informationen entdecken können. „Da geht es viel um Alltagsdinge, geschäftliche und wirtschaftliche Entwicklungen des Unternehmens. Aber auch um Gesundheitsfragen, wenn da jemand mal einen Schnupfen in der Familie hatte. Der Familienarzt stand der Familie sehr nah. Man erfährt aber auch Politisches – über die Französische Revolution zum Beispiel.“

Großvater Engels fragte die Bürger über die Braut aus

Dette, der sich intensiv mit anderen Briefen der Familie Engels beschäftigt hat, erklärt, dass viele Mitarbeiter des Stadtarchivs gelernt hätten, wie man historische Schriften liest. Zudem biete das Archiv Lesekurse an, die coronabedingt momentan entfallen. Häufig sei der persönliche Inhalt solcher Liebesbriefe am spannendsten. Es gebe etwa Briefe von Eifersucht. Oder vom Großvater Engels, der die Stadtgemeinschaft nach seiner Zukünftigen ausfragte.

Dass man mit solchen Funden viel über seine Stadt lernen kann, weiß auch Michels. Den Inhalt der Briefe könne er nicht ganz entziffern, aber dafür werde er mit dem Stadtarchiv in Verbindung treten. Generell verkaufe er seine Schätze nicht. Wenn, dann im Zusammenhang mit einem sozialen Zweck, einer Spendenaktion etwa. Die besonders wertvollen Stücke behalte er selbstverständlich unter Verschluss.

Seit seinem 18. Lebensjahr sammelt er Heimatbelege. Doch das mache er nur nebenbei, das sei sein Steckenpferd. Hauptberuflich ist er Vertrauensperson des Werkstattrates bei der Lebenshilfe Solingen. Das Sammeln und Archivieren sei ein Ausgleich zum Berufsalltag. Im Sommer verbringt er viel Zeit in seinem Garten.

Der Garten sei übrigens auch im Wimmelbuch zu Wuppertal vorgekommen. Da klaut Friedrich Engels ganz zufällig eine Rose aus dem Garten und riecht daran. „Das darf er aber auch“ sagt Michels lachend. Jetzt, wo die Tage kürzer werden, widme er sich aber wieder seiner Sammelleidenschaft. Vielleicht entdeckt er ja dabei einen historischen Kassenbeleg oder ein Foto, das hilft, die Geschichte der Stadt besser zu verstehen.

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