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Einmal selbst Boeing fliegen in der Düsseldorfer Innenstadt

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Your-Cockpit-Geschäftsführerin Nadine Pinternagel schaut auf 14 Jahre Erfahrung als Verkehrspilotin zurück und hält auch Flugangst-Seminare mit einem Besuch im Simulator ab. 

DÜSSELDORF In Düsseldorf steht ein Simulator, in dem jeder wie ein Pilot nach New York oder Hongkong fliegen kann.

Von Claudia Hötzendorfer

Die rechte Hand am Steuerknüppel, die linke gibt Schub: Langsam nimmt die Maschine Fahrt auf und hebt von der Startbahn des Flughafen Düsseldorf ab. Die Sicht ist gut, der Puls wird langsamer. Die „Pilotin“ hat den ersten wichtigen Schritt geschafft. Die Boeing 737 ist in der Luft. „Runter kommt man ja irgendwie immer“, beruhigt Nadine Pinternagel augenzwinkernd.

Sie sitzt als Co-Pilotin im Cockpit, nachdem sie der Reporterin zuvor das Armaturenbrett geduldig erklärt und eingeschärft hat: „Die Fußpedale sind nicht zum Bremsen und Gasgeben da, wie beim Auto. Sie steuern die Seiten- und das Höhenruder am Heck des Flugzeugs“. Also ist Finger- oder besser Fußspitzengefühl gefragt, ebenso wie im Umgang mit dem Steuerknüppel. „Autofahrer neigen dazu, das Steuer zu schnell und vor allem zu stark drehen zu wollen“, sagt Nadine Pinternagel.

Die erfahrene Verkehrspilotin sitzt in einem Flugsimulator an der Düsseldorfer Jahnstraße. Dort hat „Your Cockpit“ Anfang 2019 den Standort von „I-Pilot“ übernommen. Jeder, der hier ein Ticket kauft, kann sich einmal fühlen wie ein echter Profi-Pilot.

DER SIMULATOR

PREISE Fix-Space-Flug-Simulatoren für jedermann gibt es unter anderem bei „Your-Cockpit“. Ein Simulator-Flug dauert rund eine Stunde und kostet ab 99 Euro. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich, da es eine gründliche Einweisung durch einen Instruktor gibt, der den Flug auch begleitet.

TICKETS Weitere Informationen gibt es unter www.yourcockpit.de.

Der neue Betreiber setzt auf Authentizität. Neben dem Cockpit einer alten Mustang P51, die mit einer Virtual Reality-Brille „geflogen“ werden kann, haben Pinternagel und ihr Mitstreiter Dirk Effelsberg das Original-Cockpit einer Boeing 737 zum Simulator umgebaut. Die Geräuschkulisse aus einem echten Flieger wird eingespielt. Auf eine halbrunde Leinwand projizieren Beamer die Bilder von Flugzielen weltweit. Dubai, New York (JFK), Los Angeles (LAX) und Hongkong gehören zu den beliebtesten Airports, die von ihren Kunden angesteuert würden, verrät Pinternagel, die selbst 14 Jahre lang als Verkehrspilotin Boeing geflogen ist.

Inzwischen haben die beiden acht Standorte, darunter in Köln, Hamburg und München. Dort bieten sie auch Simulator-Flüge im Airbus-, Hubschrauber- und Kampfjet-Cockpit an.

„Es war gar nicht so leicht, das alte Schätzchen hier rein zu Wuchten“, meint Nadine Pinternagel über ihre Boeing 737. Auffällig ist, wie schmal das Cockpit geschnitten ist. Auf beiden Seiten sind identische Instrumente angebracht, denn Pilot und Co-Pilot sind gleichberechtigt und müssen jederzeit in der Lage sein, die Maschine übernehmen und alleine fliegen zu können. Ein dritter Sitz ist im realen Leben dem Flugingenieur oder bei Trainingsflügen auch mal dem Prüfer vorbehalten.

Zu 80 Prozent buchen Frauen – oft für ihre Männer

Wer steigt denn so in einen Flugsimulator? „Das ist ganz unterschiedlich. Wir haben tatsächlich rund 80 Prozent Frauen, die einen Simulator-Flug in einer 737 buchen, allerdings vor allem, um ihn an Männer zu verschenken“, erklärt Nadine Pinternagel. Frauen würden dafür lieber mal einen Flug im Hubschrauber oder Kampfjet ausprobieren.

Für Kinder gibt es spezielle Angebote, jeden Sonntagnachmittag und in den Schulferien. „Wir geben ihnen zunächst eine kleine Einführung. Erzählen, wie ein Flugzeug überhaupt in der Luft bleiben kann etc“, so die Pilotin. Danach dürfen auch die Kleinen mal an den Steuerknüppel. „Die machen das erstaunlich gut. Sind hochkonzentriert und haben richtig Spaß dabei, vor allem die Mädchen“, bilanziert sie.

Nadine Pinternagel nutzt den Flugsimulator aber auch für Teilnehmer ihrer Flugangst-Seminare. „Wenn man einmal selbst im Cockpit sitzen und sich in Ruhe alles ansehen kann, versteht man die Abläufe und Geräusche besser.“

Eine gute Stunde dauert ein Simulator-Flug inklusive Einweisung in die Instrumentenbedienung. Übrigens kann man nicht nur Start- und Zielflughafen wählen, sondern auch die Tageszeit und Wetterlage. „Wir können Regen, Gewitter und Turbulenzen simulieren, allerdings nur audio-visuell, da wir keine Hydraulik im Cockpit haben, um die Bewegungen nachempfinden zu können“, berichtet die Geschäftsführerin. Aber um zu erleben, wie es sich anfühlt, wenn man mal selbst das Steuer eines Jets in der Hand hat, ist ein Besuch allemal interessant.

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