Heiligabend

Eine weihnachtliche Überraschung für Oma Hanne

Johannes Schmidt hat sich für seine Oma eine Überraschung ausgedacht. Foto: Andreas Fischer
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Johannes Schmidt hat sich für seine Oma eine Überraschung ausgedacht.

Weil er seine Großmutter wegen Corona nicht besuchen kann, hat sich der Wuppertaler Johannes Schmidt etwas ausgedacht.

Von Manuel Praest

Wuppertal. An Heiligabend bekommt Oma Hanne ihre Zeitung erst später. Schließlich soll sie diesen Text hier erst nach der Bescherung lesen. Sonst wäre ja die ganze Überraschung, die sich Enkel Johannes Schmidt ausgedacht hat, dahin. Weil der 27-Jährige nämlich an Weihnachten aufgrund der Corona-Auflagen seine Oma nicht treffen kann, kam der Wuppertaler auf eine besondere Idee: Menschen, auch fremde, sollen seiner Hanne einen lieben Brief schreiben – per E-Mail an ihn. Mehr als 200 kamen zusammen, die er für heute als Buch zusammengestellt hat.

Denn seine Oma, die in einer Einliegerwohnung bei Schmidts Eltern auf Küllenhahn wohnt, wird in diesem Jahr im ganz kleinen Kreis zu dritt feiern müssen statt im großen Familienkreis. Auch ihr Enkel bleibt außen vor. Deshalb startete Schmidt, der in Wuppertal als Mitstreiter der Utopiastadt bekannt ist und den Trassenrave organisierte, einen Aufruf bei Facebook.

Aufmunternde Texte – sogar aus E-Mails

Seine Oma sei mit ihren 90 Jahren „eine total taffe Frau, geht eigentlich gerne selber Einkaufen und mit ihren Freundinnen auf Partys (machen die wirklich!) oder Kuchen essen“, schrieb er dort. „All das geht dieses Jahr nicht. Seit Mitte März. Ihr fehlt das alles sehr.“ Deshalb wolle er ihr „die weite Welt ein bisschen nach Hause bringen. Als Geschenk“.

Johannes Schmidt mit seiner Großmutter Hanne.

Die Idee: „Schreibt Hannelore („Hanne“) einen kleinen Brief. Auch wenn ihr sie gar nicht kennt. Einfach kurz schreiben, wer ihr seid, wie ihr die letzten Monate so erlebt habt und was euch Gutes passiert ist. Vielleicht sogar mit einem Foto von euch? Vielleicht noch ein paar nachträgliche Geburtstagswünsche oder eure Wünsche für das nächste Jahr. Ein paar schöne Zeilen reichen schon.“

„Es war eine spontane Aktion“, sagt Schmidt. Als sich der noch einmal verschärfte Lockdown abzeichnete, habe er den Beitrag bei Facebook verfasst. Die Resonanz war groß. „Das ist soo süß von dir!“, schrieb eine Nutzerin. Eine andere „Jetzt hab ich Pipi in den Augen. So eine tolle Idee!“.

Und die Briefe kamen reichlich - und von überall her. „Sogar aus Neuseeland war eine Mail dabei. Die habe ich dann für Oma übersetzt.“ Mehr als 200 waren es am Ende. „Damit hätte ich nicht gerechnet. 100 wären schon mega gewesen. Jetzt wird es also ein dickes Buch“, sagt Schmidt. Auf jeder Seite will er – verpackt in einen Umschlag - eine ausgedruckte E-Mail unterbringen. Dazu schreibt er noch einen Einführungstext, „damit Oma auch weiß, warum sie auf einmal diese Briefe bekommt“.

Was Schmidt besonders freute: Eine Handvoll Intensivpflegerinnen und -pfleger hat Hanne auch geschrieben. „Obwohl die gerade sicher viel zu tun haben.“ Und: „Man hat den Leuten angemerkt, dass sie Spaß daran haben, sich zu beteiligen.“ Denn bei der großen Mehrheit wurde es deutlich länger als beim obligatorischen Drei-Zeilen-Weihnachtsgruß. „Die meisten sind mindestens eine halbe DinA4 mit Fotos.“

Die meisten Menschen betonen die positiven Aspekte des Jahres

Und was schreiben die Leute so? „Die meisten haben von ihrem Jahr erzählt, wie es gelaufen ist.“ Und trotz Corona die positiven Aspekte hervorgehoben, „eben was auch Gutes passiert ist“. Von der Geburt des Kindes bis zur Heirat. Eine Dame hätte sogar ein Foto ihres Hochzeitskleides mit reingepackt, „mit dem Hinweis, dass das bisher erst eine Person außer ihr gesehen habe“, sagt Schmidt. Vor allem aufmunternd seien die Briefe gewesen. „Das war auch das Ziel“, freut sich Schmidt. Ein paar Freunde und Freundinnen seiner Oma seien auch dabei gewesen. Die hätten aber dichtgehalten und Hanne noch nichts verraten. Die Überraschung dürfte also heute groß sein. Johannes wird sich dann in den Garten stellen, „um zumindest kurz dabei zu sein“.

Was würde denn Schmidt seiner Oma schreiben? „Ich habe gelernt, wie Solidarität funktioniert“, sagt der 27-Jährige mit Blick auf die Kulturszene. Er selbst gehört zu den Initiatoren von „EinTopf“, der sich für die Kulturschaffenden in der Krise eingesetzt hat. „Alte Grabenkämpfe“ seien überwunden worden. „Man hat gesehen, wenn es allen an den Kragen geht, ist der Wille da zusammenzuarbeiten“, sagt Schmidt. „Das macht Mut für die Zukunft.“

Apropos: Ein Familientreffen bei den Schmidts soll auf jeden Fall für Oma Hanne nachgeholt werden, sobald die Corona-Lage es endlich wieder zulässt.

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