Nachhaltigkeit

Wie eine Familie fast ohne Plastik lebt

+
Andrea Rathmacher und ihre vier Kinder Jakob, Oskar, Artur und Kalle zeigen die Gläser und Dosen, mit denen sie verpackungsfrei einkaufen. 

DÜSSELDORF Andrea Rathmacher hat inzwischen eine Menge Wege gefunden, um ohne Wegwerf-Verpackungen auszukommen.

Von Annic Völkel

Viele verzichten inzwischen beim Einkaufen auf Plastiktüten, bringen für den Obstkauf ein eigenes Netz mit, nutzen den Eierkarton wieder und wieder. Eine Frau, die das alles – und noch viel mehr – schon seit Jahren macht, ist Andrea Rathmacher.

Die heute 45-Jährige erinnert sich: „Ich war in der Schule schon die ‚Ökotante’.“ Mit dem Spitznamen „Brokkoli“, weil sie sich damals entschieden hatte, vegetarisch zu leben. Damals habe sie wohl so manchen Lehrer genervt, weil sie dauernd gefragt habe, wann denn endlich an der Schule Recyclingpapier benutzt werde. Rathmacher, die heute in Düsseldorf lebt, blieb konsequent in ihrer Einstellung. Die Lehrerin (Französisch, Deutsch, Sport) ist aktuell Hausfrau und erzieht ihre vier Söhne, die Zwillinge Jakob und Oskar (12), Artur (9) und Kalle (5) alleine.

Vieles, für das sie früher belächelt wurde, sei heute hip. Etwa wenn sie beim Bäcker schon seit Jahren ein Stoffsäckchen über die Theke reicht für das Brot. Heute näht sie viele dieser hübschen Säcke, die in zwei Unverpackt-Läden verkauft werden, und in denen sich das Brot länger frisch halte.

Apropos Unverpackt-Läden. Für Andrea Rathmacher war es ein Segen, als der erste — die „Flinse“ in Flingern in Düsseldorf — 2018 eröffnete. „Die gab es ja längst in anderen Städten, ich habe darauf ungeduldig gewartet“, sagt sie. Heute gibt es vier davon in der Landeshauptstadt. Dort kauft sie unverpackte Haferflocken, Nudeln, Mehl, Zucker, Rosinen und Trockenfrüchte in mitgebrachten Dosen und Gläsern. Und auch Schokolade und Gummibärchen, wie Oskar ergänzt.

Eingekauft wird auch im Bio-Supermarkt und auf dem Bauernmarkt. Doch selbst dort sei sie vor Jahren noch belächelt worden, als sie eigene Behälter mitbrachte. Rathmacher fällt noch heute auf, dass dies nicht viele Kunden tun.

UNVERPACKT

EINKAUFEN OHNE MÜLL Unverpackt-Läden gibt es in zwischen auch in der Region.

WERMELSKIRCHEN Krämerladen, Kölner Str. 46, geöffnet seit Juni

LEICHLINGEN AS – Der Unverpacktladen, Marktstraße, geöffnet seit September.

WUPPERTAL Ohne Wenn & Aber, Barmen, Eröffnung geplant für Herbst/Winter, 40 000 Euro Startkapital sind per Crowdfunding bereits erreicht.

RADEVORMWALD Ausgewogen – unverpackt, Blumenstraße 7, Eröffnung im Spätherbst geplant, gerade ist unter www.startnext.de eine Crowdfundingaktion gestartet um Startkapital zu sammeln.

Dass die Einkäufe für sie aufwendiger sind und natürlich auch teurer als im Discounter, sei eben „der Luxus, den wir uns leisten“. Dafür geht die Familie nur selten aus essen. Geärgert hat sie sich mal, als auch in einem Bio-Supermarkt der Käse Scheibe für Scheibe mit Plastikfolien abgetrennt wurde. „Man muss diese Dinge aber einfach auch ansprechen, nur dann bewegt sich etwas.“ Belächelt wurde sie früher auch im Freundeskreis: Zu Festen im Freien brachte sie stets Gläser, Teller und Besteck mit, während die anderen Wegwerfgeschirr nutzten. Doch auch hier ändert sich etwas: Im Elternbrief zum letzten Schulfest stand die Bitte, auf Plastikbesteck und -teller zu verzichten. Da die Familie weder Getränke in Tetrapacks noch Konservendosen kauft, Joghurt, Hafer- und Sojatrunk selbst herstellt, fällt nur alle paar Wochen eine winzige Menge an Plastikabfällen für die Gelbe Tonne an. Kompromisse mache sie nur für die Kinder. So, wenn ein begehrtes Spielzeug eben nur in der Plastikverpackung zu haben ist oder bei den Fußballbildern, die in Alutütchen stecken.

Nur die Bahn ist noch keine Alternative

Joghurt, Nudelteig und Saucen, all dies selber zu machen, koste viel Zeit. „Aber es macht dafür großen Spaß“, sagt Rathmacher. Sie stöbert außerdem leidenschaftlich gerne im Sperrmüll und auf Trödelmärkten. Zum Transport hat sie schon vor Jahren ein Lastenfahrrad angeschafft. Ein Auto besitzt die Familie aber auch noch – viele Fahrten seien mit der Bahn einfach zu anstrengend oder dauern zu lange.

Ihr nachhaltiges Leben betrachtet Andrea Rathmacher schlichtweg als „Spende an die Umwelt“. Was sie bei allem Verpackungsverzicht am meisten vermisst? „Das ist die Kokosmilch, weil es die nur in Dosen gibt und weil mir die beim Selbermachen noch nicht so gut gelungen ist.“ Doch auch da tüftelt sie an einer Lösung.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Unbekannte rammen Wuppertaler Wohnhaus und flüchten
Unbekannte rammen Wuppertaler Wohnhaus und flüchten
Wuppertal: Schwebebahn fährt nach Weichenstörung wieder
Wuppertal: Schwebebahn fährt nach Weichenstörung wieder
Bußgeld: Wenige Katzen sind gechipt
Bußgeld: Wenige Katzen sind gechipt
DOC: Streit mit Wuppertal schwelt weiter
DOC: Streit mit Wuppertal schwelt weiter

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren