Bethesda-Krankenhaus

Einblicke in die Arbeit auf der Corona-Intensivstation

Für den Fall, dass immer mehr Patienten mit Covid-19 auf die Intensivstation müssen, stehen Betten mit Beatmungsgeräten bereit. Fotos: Martin Lindner
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Für den Fall, dass immer mehr Patienten mit Covid-19 auf die Intensivstation müssen, stehen Betten mit Beatmungsgeräten bereit.

Das Wuppertaler Bethesda-Krankenhaus zeigt, wie Patienten mit Covid-19 versorgt werden.

Von Martin Lindner

Wuppertal. In den 35 Jahren seiner Zeit als pflegerischer Leiter der Intensivstation am Agaplesion Bethesda Krankenhaus hat Reinhard Neeb noch nie eine Herausforderung wie die Corona-Pandemie erlebt.

Prof. Bernd Sanner, Reinhard Neeb, Sabine Frische-Geisler und Dr. Sandra Koziarek (v.l.) auf der Intensivstation des Agaplesion Bethesda Krankenhauses.

Aktuell behandelt die Klinik im Norden der Bergischen Metropole 27 Corona-Patienten, fünf von ihnen liegen im Koma auf der Intensivstation und werden durch einen Schlauch im Hals beatmet.

„Die Arbeitsabläufe haben sich verändert“, beschreibt Neeb. „Corona dominiert unseren Tag, wir tragen die ganze Zeit über Schutzmasken und achten auf Sicherheitsabstände.“ Bevor Pfleger oder Ärzte ein Zimmer betreten, in dem Corona-Patienten liegen, müssen sie sich die komplette Schutzmontur überstreifen, inklusive Haarhaube und Visier als Schutz für die Augen – durch die Bindehaut könnte das Virus SARS-CoV-2 nämlich auch eindringen. Dann geht es in eine Schleuse, von der die Corona-Zimmer abzweigen.

In diesen Räumen herrscht Unterdruck: Das bedeutet, dass die Luft angesaugt wird, damit die Viren sich nicht verbreiten.

Ein Schild weist auf umfangreiche Schutzmaßnahmen hin.

Wenn die Corona-Patienten stabil sind, verbringt eine Pflegefachkraft insgesamt zwei bis drei Stunden pro Schicht bei einem von ihnen; wenn der Verlauf instabil ist, kann ein Patient die Fachkraft auch die komplette Schicht über in Atem halten.

Auf zwei Corona-Patienten kommt im Bethesda Wuppertal im Schnitt eine Pflegefachkraft. „Man kann nicht schnell von einem Patientenzimmer ins andere“, verdeutlicht Neeb. Aber langsam stelle sich Routine ein.

„Hygienedemos“ können Hotspots für Ansteckungen sein

Bilder von sogenannten Hygiene-Demonstrationen, bei denen die Teilnehmer Abstands- und Hygieneregeln in den Wind schlagen und auch keine Masken tragen, machen ihn wütend. „Von uns im Krankenhaus wird hoher Einsatz gefordert, wenn man dann so etwas sieht, belastet das einen“, spricht Neeb offen aus.

Ebenso Dr. Sandra Koziarek, Funktionsoberärztin der Intensivstation, erklärt, dass diese Demos „Hotspots“ für Infektionen sind. Die Menschen würden eine Ansteckung bewusst provozieren.

Ein Pfleger zieht sich den Schutzkittel an, bevor er zu den Corona-Patienten hineingeht.

„Das führt zu keinem guten Ergebnis“, befürchtet die 47-Jährige. Dass viele Menschen die Pandemie verharmlosen, darüber kann die Ärztin nur den Kopf schütteln. „Die Zahlen sind keine Lüge“, betont sie. Ärzte wie sie und die Pflegefachkräfte stehen der tödlichen Krankheit jeden Tag aufs Neue gegenüber.

Covid-19 führt nicht ausschließlich bei älteren Menschen zu schweren Krankheitsverläufen. Der jüngste Patient, der mit dem Virus auf der Intensivstation des Bethesda Krankenhauses lag, war 32 Jahre alt. Die Betreuung aller Patienten auf der Intensivstation sei „sehr intensiv“, sagt Sabine Frische-Geisler, stellvertretende Pflegeleiterin. Die 54-Jährige ist seit 29 Jahren auf der Intensivstation des Bethesda tätig. Mit den Komapatienten Kontakt zu halten, sei „super wichtig“, hebt sie hervor. Sie würde ihnen auch jeden Handschlag erklären, den sie tut.

Für Notfälle stehen ausreichend Personal und Apparate bereit

Alle zwei Stunden müssen die Patienten, die im Koma liegen, gedreht werden. Bei schweren Lungenerkrankungen, wie mit Covid-19, kommen spezielle Lagerungstechniken zum Einsatz. Die Pflege sei „hochaufwendig“, so Frische-Geisler, die Krankheitsverläufe seien schwankend. „In einem Moment sind die Vitalwerte gut, im nächsten haben wir beim selben Patienten eine kritische Situation.“

Sollte die Coronawelle noch heftiger über Wuppertal hereinbrechen, ist die Intensivstation des Bethesda vorbereitet. „Wir haben Möglichkeiten, um zu erweitern“, informiert Prof. Bernd Sanner, Ärztlicher Direktor. Es stünden genügend Personal und Apparate bereit, um flexibel reagieren zu können. Dennoch wünscht er sich dringend, dass sich die Menschen an die geltenden Abstands- und Hygieneregeln halten.

Unverständnis über die Situation für Schüler

Unendlich sind die Ressourcen der Klinik nämlich nicht. Kein Verständnis habe er, wenn er volle Schulbusse sehe; auch hätte die Klassengröße in Schulen schon längst reduziert werden müssen, richtet er als Kritik an die Haustür der Politik. Die momentane Situation sei anders als im Frühjahr, als die Dynamik der Krankheit noch nicht erfassbar war und Engpässe an Material, wie Schläuchen und Schutzkleidung, sowie Medikamenten herrschte. Mittlerweile gebe es auch weniger Ausfälle von Mitarbeitern, die in Quarantäne müssen. Um überdies die Gefahr von Ansteckungen im Krankenhaus zu minimieren, wird bei jedem neuen Patienten ein Antigen-Schnelltest gemacht.

Prof. Sanner weiß, dass viele Menschen, die ernste Beschwerden haben, aus Angst vor Corona dem Krankenhaus fernbleiben. Er appelliert aber, die Klinik aufzusuchen und sich behandeln zu lassen. Die Schutzvorkehrungen in allen Häusern böten einen hohen Standard, die Gefahr einer Ansteckung sei gering. „Eher steckt man sich im Supermarkt oder Bus an“, weiß der Chefarzt.

Besuchsverbot

Für viele Patienten in Krankenhäusern ist das Besuchsverbot eine zusätzliche psychische Belastung. Um ihnen den Kontakt zu ihren Angehörigen zu ermöglichen, können sie am Bethesda digitale Kanäle nutzen – auch zu Koma-Patienten, mit denen keine Kommunikation möglich ist. Von einem Großspender bekommt das Bethesda Tablet-PCs für jedes Bett der Intensivstation; die Geräte sind bereits gekauft.

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