Düsseldorfer leiden unter Mieterhöhungen

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Immer mehr Düsseldorfer können die steigenden Mieten nicht mehr zahlen. 

DÜSSELDORF Aktuell steigen die Mieten um bis zu 40 Prozent. Die Beratungszahlen beim Mieterverein steigen stark.

Von Alexander Esch

Düsseldorf. Obwohl die Mieten in der Stadt bei neuen Verträgen zuletzt statistisch gesehen nicht mehr so stark stiegen und sogar stagnierten, haben immer mehr Düsseldorfer Probleme mit Mieterhöhungen. Das zeigen Zahlen des Mietervereins, die unserer Redaktion vorliegen. Demnach wurde der Verein im Jahr 2009 noch in 1800 Fällen beratend tätig. 2015 war die Zahl schon auf 2323 gestiegen, 2017 lag sie bei 2647. Das ist ein Anstieg von fast 50 Prozent in neun Jahren.

Ein zunehmendes Problem in Düsseldorf wie in anderen Großstädten: besonders große Sprünge nach Modernisierungen, wie Hans-Jochem Witzke, erster Vorsitzender des Mietervereins in Düsseldorf, sagt. Elf Prozent der Kosten dürfen auf die Jahresmiete aufgeschlagen werden, die Bundesregierung will die mögliche Umlage aktuell nach unten korrigieren.

Die LEG kündigte Mietern, eine Vielzahl von Prozessen folgte

Ein Beispiel für Modernisierungen und extreme Mieterhöhungen ist eine Siedlung in Hassels. Im Paket kauften und verkauften Immobiliengesellschaften die Siedlungen an der Fürstenberger und Potsdamer Straße mit 1500 Wohnungen. Die LEG als aktueller Eigentümer setzte die Erhöhungen durch, kündigte Mietern, eine Vielzahl von Prozessen folgte. In einem ähnlich gelagerten Fall berät der Mieterverein jetzt Mieter einer Siedlung in Unterrath Am Schneisbroich mit 122 Parteien.

Laut Michaelo Damerow, Geschäftsführer des Mietervereins, steigen die Mieten dort nach dem noch bis März laufenden Einbau von Wärmedämmung, Fenstern und Türen sowie erneuerungsbedürftigen Heizungen von rund 320 Euro auf 450 Euro. Damit steht eine Erhöhung von 40 Prozent im Raum. „Hier leben viele Witwen und Rentner, das wird die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit vieler Bewohner übersteigen.“ Der Mieterverein zielt hier wie so oft auf die unklare Definition von Modernisierung im Unterschied zur Instandhaltung, die nicht umgelegt werden darf. Laut Damerow sind hier von der LEG gerade einmal 7,6 Prozent von einer Investitionssumme von fast zwei Millionen Euro als Instandhaltung deklariert.

Die LEG äußerte sich schriftlich auf Anfrage unserer Redaktion. Sprecherin Judith-Maria Gillies erklärte, dass die Miete durchschnittlich von 4,95 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter auf voraussichtlich 6,56 Euro steige. „Damit liegt die Miete auch nach der Modernisierung noch weit unter Marktniveau.“ Die LEG wolle ihre „treuen Mieter halten“, deshalb modernisiere man „mit Augenmaß“. Es gebe „keine Luxusmodernisierungen“, sondern Sanierungen, die den Wohnkomfort erhöhten.

Der grundsätzliche Standpunkt des Mietervereins ist hier sehr klar. „Modernisierungen sollten gar nicht auf die Mieter umgelegt werden können, da der Vermieter den Wert seines Objektes erhöht.“

Uni-Professor warnt vor Fachkräftemangel

Welche Auswirkungen die Kombination auf Modernisierung und kräftiger Mieterhöhung hat, weiß auch Thomas Salmen. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Caritas Düsseldorf ist als Rechtsanwalt immer öfter als Beistand für betroffene Mieter gefragt. „Das ist eine große seelische Belastung für die Menschen.“ Salmen sieht generell verheerende Auswirkungen der hohen Mieten in der Stadt. „Ein zunehmendes Problem wird etwa der Fachkräftemangel. Aber Azubis können sich keine Wohnung in Düsseldorf leisten.“

Das sieht auch Soziologe Reinhold Knopp, Professor an der Hochschule Düsseldorf, so. Neben den Azubis zögen auch immer weniger Studenten nach Düsseldorf. Es werde auch immer schwerer, Wohnungslosen eine Chance zu geben. Für Salmen wie Knopp ist die Politik gefragt. „Sie muss öffentliche Mittel für den Bau günstigen Wohnraums bereitstellen.“ Knopp geht noch weiter. „Man muss sogar über einen Mieterhöhungsstopp nachdenken.“ Sie solle nur mit der Inflationsrate steigen dürfen. Wenn Investoren zu diesen Bedingungen nicht mehr bauen wollten, solle das die städtische Wohnungsgesellschaft in noch viel größerem Maße übernehmen, „und dafür sogar Schulden machen. Wohnen ist ein Menschenrecht.“

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