Düsseldorf: Geheimnisvolle Guerilla-Kost

Der Gastgeber beim „Supper Club“, Monsieur Rebelote, bereitet einen der zwölf Gänge vor. Foto: Judith Michaelis

DÜSSELDORF Der „Rebelote Supper Club“ organisiert Zwölf-Gänge-Menüs für Abenteuerlustige.

Von Kristina Milicevic

Ein großes rotes „R“ aus Holz lehnt an einer Hauseingangstür irgendwo in Gerresheim. Daneben flimmert Kerzenlicht aus einer Laterne. „Bitte nicht vor 19.30 Uhr klingeln“, steht auf einem kleinen Notizzettel, den wieder das rote „R“ schmückt. Das Namensschild über der Klingel ist nicht lesbar.

Alles deutet auf eine Art geheimen Club hin. Ein junges Paar hat hierhin zum Essen eingeladen. In ihr gemütliches Haus, wo sie mit zwei Katzen und einem Hund zusammenwohnen. Es ist der „Rebelote Supper Club“, bei dem sich Fremde bei Fremden in der Wohnung zum Dinner treffen. Eine Art Guerilla-Restaurant.

„Rebelote“ heißt auf Französisch „das Gleiche noch einmal!“ Und so will das Gastgeber-Paar auch genannt werden: Madame und Monsieur Rebelote, die echten Namen bleiben geheim. Dabei kommen die beiden nicht einmal aus der Gastronomie, sondern aus der Werbebranche.

Diskretion ist beim „Supper Club“das oberste Gebot

Der „Supper Club“ lädt nicht ein oder macht Werbung, er muss gefunden werden – im Internet. Insider und Gourmets wissen von dem Club, andere erfahren von Freunden davon. Die Plätze am heimischen Esstisch sind jedoch begrenzt. „Aber zwölf Menschen kriegen wir unter und satt“, sagt Madame Rebelote, während im Hintergrund französische Chansons erklingen. „Wenn Menschen bei der Anmeldung zu viele Fragen stellen oder unsere Namen recherchieren, ist der Reiz weg“, sagt sie.

Der Trend der halblegalen Piratenrestaurants kommt aus Frankreich, ist in den Großstädten Europas längst Trend und nun auch in Düsseldorf angekommen. Es ist bereits der vierte „Supper Club“, den die Rebelotes bei sich ausrichten. In ihrer Küche haben sie zwei Tage lang ein feines Zwölf-Gänge-Menü nach Tapas-Art vorbereitet, teilweise mit frischen Zutaten aus ihrem Garten, die man auch schmeckt.

Viele der Gäste an diesem Abend kennen sich nicht, andere waren schon beim ersten Supper Club der Rebelotes dabei. So wie Daniela und Thomas – die vollen Namen der Gäste bleiben selbstverständlich auch geheim. Die beiden betreiben einen Gourmet-Blog im Internet. Und so wird auch schnell ein Foto der Entenleber auf süßer Birne getwittert. „Supper Club“ heißt auch: Essen mit Fremden – unterhalten wie mit alten Freunden. So reichen die Themen an diesem Abend vom Frauen-Fußball bis zur richtigen Hundeerziehung. Hauptthema bleibt aber das köstliche Essen, das die überraschend entspannten Gastgeber nach und nach servieren.

So haben sich die Rebelotes den Abend vorgestellt. „Hier kommen Menschen zusammen, die sonst vielleicht nie miteinander in Kontakt kommen würden“, sagt Monsieur Rebelote, „und was ist geselliger als Essen?“

Beobachtet man die Gäste, die sich vielleicht auch außerhalb des „Supper Clubs“ gut verstehen werden, fragt man sich auch: Was schweißt mehr zusammen, als ein gemeinsames (Gourmet-)Geheimnis?

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