Geschichte

Digitalisierung: US-Firma hilft Stadtarchiv

Modesto Rodriguez scannt Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden im Wuppertaler Stadtarchiv am Haspel ein. Foto: Andreas Fischer
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Modesto Rodriguez scannt Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden im Wuppertaler Stadtarchiv am Haspel ein.

Unterlagen zu Wuppertaler Familiengeschichten werden eingescannt.

Von Martin Hagemeyer

Wuppertal. Familienforschung ist zum Trend geworden, und das trifft sich mit einem ganz anderen Thema der Zeit: der Digitalisierung. Das Wuppertaler Stadtarchiv ist beim Zusammenführen von beidem nun mitten dabei: Große Bestände werden seit Sommer am Haspel systematisch eingescannt und digital zugänglich gemacht. Partner ist ein nicht-kommerzielles Unternehmen aus den USA, Family Search. Es geht um große Dimensionen. Weltweit arbeitet man mit mehr als 10 000 Archiven in rund 100 Ländern zusammen und organisiert die Erfassung ihrer historischen Materialien. Spezialisten, aber auch Privatpersonen wie engagierte Rentner machen mit und überführen enorme Dokumentenmengen per Scan ins Digitalzeitalter.

Thomas Hengst, verantwortlich für den Bereich Zentraleuropa, ist zusammen mit Tobias Megner an den Haspel gekommen und macht sich ein Bild vom aktuellen Stand. „Es stecken viele Geschichten hinter den familiären Verbindungen“, nennt er einen Grund, warum Genealogie für ihn so spannend sei – und so unterstützenswert. Und zum Digitalisierungsprojekt, von dem Barmen eine von vielen Stationen ist: „Das Erlebnis von Forschen und Finden soll schöner werden.“ Unter den vielfältigen Dokumenten des Archivs sind fürs Projekt derzeit drei interessant: Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden. Wie Archivleiter Thorsten Dette erklärt, gibt es jeweils Fristen, ab denen diese Urkunden aufgenommen werden können: 110 Jahre nach Geburt, 80 nach der Hochzeit und 30 Jahre nach dem Tod. Ein gesonderter Fall sind die sogenannten Beischreibungen, Informationen etwa über Beruf oder auch Todesart, für die weitere rechtliche Vorgaben gelten.

Konkret bedeutet das alles viel Arbeit. Alberto Villot und Modesto Rodríguez, die fürs Barmer Projekt erstmals ein Team bilden, sind eigens aus Spanien ins Tal gekommen. Seit August sind sie unermüdlich dabei, die Archivalien einzupflegen. Dickleibige Bände mit Ledereinband liegen in Stapeln auf dem Tisch; einer ist vorm Computer aufgeschlagen, die aktuelle Doppelseite mit schnörkeliger Handschrift ist auch am Bildschirm zu sehen. Auslöser per kurzem Fingertipp. Umblättern.

Service ist allgemein zugänglich und kostenfrei

Villot ist einer derjenigen Mitarbeiter des Digitalisierungsprojekts, die bei Spezialfirmen der Branche angestellt sind, und in deren Auftrag kann es nach Wuppertal demnächst auch wieder ganz anderswohin gehen. Family Search ist nicht kommerziell orientiert und finanziert sich über Spenden. Sein Hintergrund ist ein religiöser: Man gehört zur „Kirche Jesu Christi der Heiligen der letzten Tage“, denen eine Verbindung zwischen Lebenden und Verstorbenen über den Tod hinweg wichtig ist. Zusammen führen und Beziehungen aufzeigen will man freilich unabhängig vom weltanschaulichen Kontext. Der Service ist allgemein zugänglich, kostenlos anmelden kann sich jeder.

Schutz

Aus archivarischer Sicht ist ein großer Vorteil der digitalen Erfassung, dass die alten Unterlagen so geschützt werden: Es kann dem oft empfindlichen Material schaden, wenn es zum Beispiel von vielen Händen durchblättert wird – eine Gefahr, die am Bildschirm entfällt.

www.familysearch.org

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