Islandufer

Dieses Ufer hat Wuppertal an die Drogenszene verloren

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WUPPERTAL Nach zehn Jahren ist von der Vision Islandufer an der Wupper nicht viel geblieben. Sogar Heroin wird dort konsumiert. Und weder Stadt noch Polizei üben Druck aus.

Von Daniel Neukirchen

Ob die Planer des Islandufers heute manchmal wehmütig an ihre Vision von damals denken? Im Herbst 2008 wurde den Wuppertalern ein Filetstück an der Wupper übergeben: eine 200 Meter lange Promenade mit Treppen zum Stadtfluss. Die Umbaukosten in Höhe von 1,6 Millionen Euro übernahm zu 70 Prozent das Land NRW. Die Bürger nahmen jahrelange Sperrungen in Kauf.

Inzwischen ist der Treppenaufgang zwar für jedermann zugänglich, aber die meisten Passanten meiden den Bereich, so als würde noch heute ein unsichtbarer Bauzaun im Weg stehen. Vor dem vollgesprühten Naturstein treffen sich neben vereinzelten Jugendgruppen vor allem Mitglieder der Alkohol- und Drogenszene. Im Schutze der umliegenden Wupperbrücken wird auch Heroin konsumiert. Im Gras sind Bierflaschen noch die harmlosen Trittfallen.

Dajana Meier, Vorsitzende des Vereins Neue Ufer Wuppertal, ärgert sich über den Zustand am Islandufer: „Da möchte sich doch keiner mehr aufhalten.“ Sie sieht die Stadt in der Verantwortung. „Wir brauchen uns keine Gedanken mehr um Stadtplanung zu machen, wenn wir uns zu fein sind, die Sachen auch zu pflegen“, sagt sie. Das einzige Mittel sei aus ihrer Sicht Präsenz. „Es muss einfach nur eine Person geben, die nach dem Rechten sieht“, sagt Meier.

Nur punktuelle Kontrollen 

Die Stadt bestätigt, dass es bislang keine Schwerpunktkontrollen am Islandufer gibt. Ordnungsamtsleiter Carsten Vorsich sagt: „Mitarbeiter unseres Ordnungsdienstes schauen im Rahmen ihrer Streifengänge mit der Polizei auch am Islandufer nach dem Rechten.“ Dies könnten allerdings angesichts der Fülle der Aufgaben des Ordnungsdienstes nur „punktuelle Kontrollen“ sein.

Und Vorsich fügt hinzu: „Alkoholkonsum auf öffentlichen Plätzen ist nicht verboten, solange er nicht mit ordnungswidrigem Verhalten einhergeht, ebenso wenig wie der Aufenthalt auf diesen Plätzen.“ Mit dem generellen Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen seien zahlreiche Kommunen bereits vor dem Verwaltungsgericht gescheitert.

Beim Stichwort Drogenkonsum verweist die Stadt an die Polizei. Auch hier hört unsere Zeitung, dass nach „personellen Möglichkeiten“ kontrolliert wird. Im laufenden Jahr zählten die Ordnungshüter 50 Einsätze im Bereich der Island-Promenade. „Darunter fallen aber auch Unfälle, Streitigkeiten und Ruhestörungen“, erklärt Polizeisprecher Stefan Weiand. Die Zahl der registrierten Betäubungsmitteldelikte in dem Bereich ist extrem niedrig: In diesem Jahr schrieb die Polizei vier Anzeigen. 2017 keine einzige. Diese Daten zeigen: Für sichere Drogengeschäfte und -Konsum scheint der Sichtschutz der Brücken ein Garant zu sein. Da hilft es auch offenbar nichts, dass die Polizei, wie Weiand berichtet, auch die Ufer abgeht und gelegentlich in zivil vor Ort ist.

Vor der Eröffnung 2008 nahm man noch an, dass die Gastronomie vor Ort die nötige soziale Kontrolle schafft. Doch von der Terrasse des heutigen Island lässt sich das Treiben unten an der Wupper nicht einsehen. Spätestens 2011 platzte der Traum von der sozialen Kontrolle mit einem lauten Knall. Da weihten Sprayer den schönen neuen Naturstein ein und richteten einen Schaden in vierstelliger Höhe an. Heute kann sich jeder Schwebebahnfahrer davon überzeugen, dass die Graffiti dauerhaft die Optik am „gestalterischen Hauptelement“ des Islandufers dominieren sollten.

Thema ist vor Hintergrund der Döppersbergsanierung topaktuell 

Die Geschichte vom verlorenen Ufer ist vor dem Hintergrund der Döppersbergsanierung so aktuell wie nie zuvor. Am neuen Wupperpark-Ost will die Stadt dieses Mal den Spagat schaffen. Einerseits soll hier ein Platz an der Wupper mit Aufenthaltsqualität entstehen, andererseits steht bereits fest, dass die Süchtigeneinrichtung Café Cosa ihr Domizil vor Ort aufschlagen wird.

Die entscheidende Frage wird sein: Greift dieses Mal die soziale Kontrolle, weil es eben keine Rückzugsräume für die Drogenszene geben wird? Oder entsteht erneut – wie zuletzt am Kirchplatz – ein quasi rechtsfreier Nebentreffpunkt, der sich dem Einflussbereich der Sozialarbeit im Süchtigen-Café entzieht?

Ordnungsdezernent Matthias Nocke gab im Gespräch das Signal, dass es verwaltungsintern noch einmal Gespräche über die strategische Ausrichtung in Bezug auf einschlägige Treffpunkte der Szene geben wird. „Dabei werden wir an alle Aufenthaltsorte der Szene mitdenken“, so Nocke. Klar sei aus seiner Sicht, dass die Stadt nicht den Eindruck erwecken darf, dass der neue Wupperpark Ost das „neue Wohnzimmer“ der Drogenszene sein kann.

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