Kulturelles Zentrum

Die Pina Bausch Foundation macht den Anfang

Das hellblaue Haus ist das neue Zuhause der Foundation: Salomon Bausch (Mitte), Uwe Schneidewind (r.) und Christian Baierl. Foto: Anna Schwartz
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Das hellblaue Haus ist das neue Zuhause der Foundation: Salomon Bausch (Mitte), Uwe Schneidewind (r.) und Christian Baierl.

Auf 10 000 Quadratmetern entsteht an der Wuppertaler Gewerbeschulstraße ein neues kulturelles Zentrum.

Von Monika Werner-Staude

Wuppertal. Oberbürgermeister Uwe Schneidewind will „die Zukunft der Innenstädte Barmen und Elberfeld neu denken“. Da kommt ein Projekt gerade recht, das in diesen Tagen die Pina Bausch Foundation nach Barmen bringt, „was gut zum Projekt Pina Bausch Zentrum in Elberfeld“ passe, freut sich Wuppertals OB.

Mitten im „Niemandsland“, 800 Meter von Fußgängerzone und Rathaus entfernt, soll auf 10 000 Quadratmetern an der Gewerbeschulstraße ein neues kulturelles Zentrum entstehen. Dahinter steckt die Renaissance Immobilien und Beteiligungen AG, die künstlerisches Arbeiten und Wohnen vereinen, zugleich einen neuen Treffpunkt für die Menschen schaffen will.

Die Situation der Pina Bausch Foundation ist beengt und auch klimatisch ungünstig für die sensiblen Archivgüter. Hinzukommt, dass die Stiftung mit ihren 15 Mitarbeitern auf drei Orte verteilt ist: Siegesstraße, Fingscheid und Riedel-Hallen. „Da musste sich dringend was ändern“, sagt Foundation-Vorstandsvorsitzender Salomon Bausch.

Umbauten kosteten rund eine halbe Million Euro

Markus Riedel machte Bausch vor einem Jahr auf das Vorhaben des Renaissance-Unternehmens aufmerksam. Der schaute sich vor Ort um und war direkt begeistert, „zumal sich hier ja auch mehr entwickeln soll, nicht nur im Bereich Tanz. Wir sind sehr am interdisziplinären Austausch interessiert“, freut sich Bausch auf die tolle Nachbarschaft. Sieht sich als Teil des gesamten Komplexes, denkt auch an gemeinsame Veranstaltungen.

Und auch an die fernere Zukunft, die die Foundation bekanntlich 2027 in das alte Schauspielhaus an der Kluse führen soll. Dort, wo das Pina Bausch Zentrum derzeit geplant wird. „Es ist wichtig, dass dann andere Orte mit kultureller Kraft bleiben“, sagt er, und Renaissance-Vorstand Christian Baierl bekräftigt: „Man sagt ja, dass die Energie der Bewohner bleibt, wenn sie gehen.“

Baierl empfindet zusammen mit seiner Frau, der Künstlerin Bianca Baierl, eine intensive Liebe für Kunst. Er will aber nicht nur deren Potenziale für die Stadtgesellschaft fördern und nutzen, sondern auch die Trennung von Wohnen und Arbeiten aufheben. Weshalb er an der Gewerbeschulstraße in Barmen, wo früher Textilien und bis vor kurzem noch Industrieglas hergestellt wurden, neben der Foundation auch eine Kunsthochschule (im Juni) und ein Tanzzentrum ansiedeln will. Ein Restaurant mit Innenhof plant, das „zum Begegnungsraum im Viertel werden soll“. In einem weiteren Schritt sollen Wohnungen folgen.

2018 hatte er den ehemaligen Fabrikkomplex Kaiser und Dicke (Hausnummern 74-78) erworben, dort 2019 der Ausstellung „Fabric of Art“ und ihren 51 Künstlern eine atmosphärisch besondere Location zur Verfügung gestellt. Schon damals das Gründerzeit-Gebäude Nr. 72 nebenan perspektivisch einbezogen. Es erworben, als Herberts Industrieglas mit Produktion und Büros auszog. Mittlerweile sitzt das Unternehmen auf Lichtscheid.

Im Spätsommer 2020 begannen an der Gewerbeschulstraße die Umbauten, die rund eine halbe Million Euro kosteten. Und bis heute noch nicht ganz beendet sind. Terrasse und ein neuer Eingangsbereich stehen noch auf der To-do-Liste. Bei den Arbeiten wurde auf Erhalt der Vergangenheit geachtet, keine Hochglanzsanierung erstrebt. Der Landschaftsverband Rheinland steuerte seine Expertise zur optimalen Lagerung der Archivalien bei.

Die beeindruckende Belüftungsanlage nimmt einen ganzen Raum ein. Das Land gewährte eine Förderung für Umzug und Ausstattung. Die Foundation mietet zu guten Konditionen, die die Beteiligten nicht beziffern wollen. Das Büroinventar ist schon da, das Archiv folgt sukzessive.

Die Kunsthochschule soll im Juni dieses Jahres einziehen

Coronabedingt ist Salomon Bausch derzeit noch ziemlich allein im Haus an der Gewerbeschulstraße, das in frischer hellblauer Farbe gestrichen wurde. Sieht nur hier und da mal einen Kollegen, der beim Umzug hilft oder einen Handwerker. Die Mitarbeiter sind im Homeoffice. 700 Quadratmeter und ein Untergeschoss werden gerade bezogen.

Das sei zwar insgesamt nicht unbedingt mehr Fläche. Die aber befinde sich unter einem Dach, und die auf vier Stockwerke verteilten Räume haben hohe Wände, erzählt Bausch. Was Zuwächsen im Archiv Rechnung trägt, Platz für Workshops (unter anderem zur Entwicklung des Pina Bausch Zentrums) bietet, für Ausstellungen, für Forschungsgäste und Besucher, die forschen wollen. Vereinzelt finden sich noch Möbel aus der Herberts-Zeit: Ein schwerer, hoher Planungstisch, der für Besprechungen genutzt werden soll. Ledersessel, die auf Besucher warten.

Derweil wird nebenan weiter renoviert, die Kunsthochschule soll im Juni dieses Jahres einziehen. Und Oberbürgermeister Uwe Schneidewind freut sich auf „ein Beispiel gebendes Projekt an einem systemrelevanten Punkt, das in die Stadtgesellschaft hinausstrahlt“.

Hintergrund

Das Textilwerk „Kaiser & Dicke“ wurde 1869 von Peter Kaiser und Friedrich Wilhelm Dicke an der Saarbrücker Straße gegründet. Später zog die Firma an die Gewerbeschulstraße um. 1976 endete die Handelstätigkeit von „Kaiser & Dicke“, die D. Lohsträter GmbH wurde gegründet. 2018 endete die Produktion der Bandweberei.

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