Anlaufpunkt

Die letzte Backstube in Beyenburg hat geschlossen

Christoph und Manuela Fries, im Hintergund stehen ihre langjährige Kunden Herbert und Nicole Jesinghaus.
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Christoph und Manuela Fries, im Hintergund stehen ihre langjährige Kunden Herbert und Nicole Jesinghaus.

Wuppertal. Der Vermieter braucht die Räume selbst. Aus dem Umzug in die Alte Schule wurde nichts.

Von Waltraut Rass

„Es sind schon einige Tränen geflossen“, berichtet Christoph Fries von „Christophs Backstube“. Am Donnerstag war die Bäckerei zum letzten Mal geöffnet. Der Vermieter des Hauses, in dem sich das Geschäft befindet, hatte schon lange Eigenbedarf angemeldet. „Ich habe die Bäckerei 2017 übernommen. Seit 2018 hat der Vermieter mir mitgeteilt, dass wir hier raus müssen“, so Fries. Der Vermieter habe aber immer wieder „noch ein Jahr“ verlängert, bis es dann eben nicht mehr ging. Die Backstube hätte es aufgrund der wirtschaftlichen Situation ohnehin nicht geschafft, nicht nur, weil keine Räumlichkeiten zu bekommen waren. Die Inflation und die Energiekrise hätten ihr Übriges getan. „Wir hätten wahrscheinlich sowieso schließen müssen“, vermutet Christoph Fries, die Fixkosten seien zu hoch, es habe keine Alternative gegeben.

Die Backstube hatte immer geöffnet und war ein Anlaufpunkt

Dennoch bleibt ein Wermutstropfen, denn eigentlich habe ihm die Stadt Wuppertal Ersatzräume in der Alten Schule versprochen. „Dort, in der Alten Schule, hätte es mehr Sitzplätze gegeben, dann hätten wir irgendwas reißen können“, ist sich Fries sicher, das sei jetzt jedoch vom Tisch. Er verliert nun seinen Arbeitsplatz und mit ihm seine drei Angestellten. Auch Beyenburg verliert etwas von seiner Geschichte: „Hier war schon ewig ein Bäcker drin, seit 1960“, erinnert sich Fries.

Die Bäckerei war beliebt in Beyenburg und die Kunden drücken ihr Bedauern über die Schließung auf vielfältige Weise aus, versichert Fries. Auch auf der Internetseite von „Christophs Backstube“ sind entsprechende Kommentare hinterlassen worden. So schreibt Linchen L.: „Leckeres Brot, gute Brötchen, schade, dass es hier bald keinen Bäcker mehr gibt, danke für eine gute Zeit. Ohne Euch rutscht dieses Dorf noch weiter zum ,Popo der Welt‘, und ist mehr mit Brettern zugenagelt, die Stadt sollte etwas tun.“

Die Backstube hatte sieben Tage die Woche geöffnet. Die Versorgung der Beyenburger mit frischen Backwaren wird sich künftig als schwierig gestalten. Im Stadtteil selbst gibt es keine Alternative. „Es sind 6,8 Kilometer zur nächsten Bäckerei“, sagt Fries. Die nächsten Möglichkeiten seien in Schwelm, Radevormwald oder Lüttringhausen. „Das ist alles ungefähr in einem Umkreis von sieben Kilometer“, weiß auch der Beyenburger Harald Bramstedt. „Das ist ein gutes Stück. Wir haben hier eine Reihe alter Menschen, die nicht mehr mobil sind“, gibt er zu bedenken. „Beyenburg ist verkehrsmäßig nicht so toll erschlossen, wer nicht motorisiert ist, hat ein Problem.“ Es fahren zwar Busse , aber wenn man die Busfahrzeiten bedenke, sei das schon sehr viel für ein paar Brötchen und ein Brot. „Jetzt gibt es in Beyenburg nur noch einen Kiosk mit Lotto-Annahmestelle, DHL-Shop und Reisebüro, eine Eisdiele, die im Winter zu hat, eine Apotheke, eine Sparkasse und einen Imbiss“, zählt Harald Bramstedt auf. „Früher gab es hier unheimlich viel“, erinnert er sich. Ihn wundert es, dass der Stadtteil von Wuppertal so abgehängt werde, denn: „So ganz klein ist Beyenburg auch nicht.“

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