Hundesportart „Obedience“

WM-Qualifikationslauf: Die hohe Schule des Gehorsams

Christine Hahn und Border Collie Flash starteten bei der WM in Dänemark für das Deutsche Team.
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Christine Hahn und Border Collie Flash starteten bei der WM in Dänemark für das Deutsche Team.

Wuppertal. Der HSC Wuppertal hat zum WM-Qualifikationslauf in der Hundesportart „Obedience“ geladen.

Von Martin Juhre

Die Border-Collie-Hündin Sisu beobachtet gespannt, wie die Helferin acht Holzklötzchen im Gras von Ring 1 auslegt. Ihr Mensch, Carlotta Bohne, sieht das nicht. Sie steht mit dem Rücken zum Geschehen. Carlotta (17) und Sisu (3) gehören zu den 22 Teilnehmer-Teams, die zum zweiten WM-Qualifikationslauf im Obedience nach Wuppertal gekommen sind. Ausrichter ist der HSC Wuppertal auf Linde. Acht verschiedene Prüfungsteile gilt es zu meistern. Für Sisu ist jetzt die Geruchsunterscheidung dran.

Eines der Hölzer hat Carlotta für ein paar Sekunden in der Hand gehabt. Sisu soll es herausfinden. Steward Michaela Fischer gibt das Zeichen für Carlotta zum Umdrehen. Und die Leistungsrichterin Silke Heemann sieht, wie Sisu auf ein Zeichen von Carlotta losfliegt. Die Hundenase geht über die Hölzer, bei einem geht sofort ein Ruck durch die Hündin. Sie nimmt das Teil auf und bringt es freudestrahlend. Alles richtig gemacht. Carlotta ist amtierende Jugendmeisterin und jüngste Starterin des Tages. Sisu ist der jüngste Hund im Wettbewerb. Beide werden am Ende auf dem 12. Platz landen.

Obedience gilt als die hohe Schule des Gehorsams. Da kommt es auf feinste Nuancen an. Auch Carmen Meier hat genau zugesehen. Sie ist als Zuschauerin da und selbst im Obedience unterwegs. „Wann hat man schon die Chance, Obedience auf diesem Niveau zu sehen?“, fragt sie. „Hier kommen die Besten der Besten her.“ Bianka Lendel stimmt ihr zu. „Da hat man einfach Spaß. Und man kann mit den Leuten fachsimpeln.“ 

Ich bin eine Erbsenzählerin. Das ist gut für diesen Sport.“

Christine Hahn

Christine Hahn, beim HSC zuständig für Basisausbildung und Obedience, schaut nicht nur zu. Sie ist mit Border Collie Flash gestartet und liegt zurzeit in Führung. Bei der WM dieses Jahr in Dänemark gehörte sie zum Deutschen Team. Jetzt will sie die Karte zur WM 2023 in Spanien lösen. Was sie an diesem Sport schätzt? „Die Genauigkeit“, sagt sie. „Ich bin auch im normalen Leben sehr durchorganisiert. Ich bin eine Erbsenzählerin. Das ist gut für diesen Sport. Im Wettkampf gebe ich alles, egal, was passiert.“ Da sei man wie in einer Blase, nur man selbst und der Hund. Wichtig sei der Einklang, die Harmonie. „Dann ist es auch egal, wenn mal eine Übung schiefgeht.“ 

Das Prüfungsprogramm ist vielfältig. Da gibt es das Abrufen aus der Entfernung. Auf Zuruf muss der Hund aus dem schnellen Reinkommen erst ins Sitz, dann ins Platz. Bei der Freifolge, mit Richtungswechseln auf Zuruf des Stewards, ist auch das Rückwärtslaufen von Mensch und Hund gefragt. Oder der Steward zeigt auf einer Tafel an, welche Position der Hund auf Zuruf seines entfernt stehenden Menschen einnehmen soll: Sitz, Steh, Platz, Steh, Sitz … könnte es dann heißen. 

In Ring 2 sind gerade Shauna Wenzel und Border Collie Ellie unterwegs. Wenzel schickt Ellie vor, die flitzt zwischen zwei Hürden durch, an zwei Apporteln vorbei, um fünf eng beieinanderstehende Pylonen herum. Das soll der Hund so eng wie möglich machen – ohne eine Pylone umzuwerfen. Auch Ellie ist begeistert bei der Sache. Ein Ruf, und die Hündin wirft sich ins Platz. Steward Freia Röhring weist ein Apportel und eine Hürde an. Wenzel gibt die Information an Ellie weiter. Ellie nimmt das richtige Apportel auf, biegt zur richtigen Hürde ab, setzt darüber und präsentiert Wenzel das Apportel. Wenzel nimmt es, Ende des Übungsteils. Richter Jan Brücker sortiert seine Punkteanzeigen. Und Shauna Wenzel, die eben noch die Ruhe selbst schien, reißt jubelnd die Arme hoch. Sie belegt am Ende des Tages den dritten Platz. 

Während die Hunde arbeiten, ist es mucksmäuschenstill auf dem Platz. Außer der Regen prasselt mal wieder auf das Vordach des Vereinsheims. Ist ein Übungsteil geschafft, wird kurz applaudiert. Mehr Applaus gibt es bei der Siegerehrung. Alle kommen nach vorne. Auch Christine Hahn. Als letzte. Sie hat die Führung gehalten und ist Tagessiegerin. Vielleicht klappt es ja mit Spanien. Das Wetter kann da jedenfalls nur besser sein.

Obedience-WM

Insgesamt gibt es sechs Qualifikationsläufe. Die besten drei Punktergebnisse eines Teams gehen dabei in die Wertung ein. Die besten sechs Teams fahren 2023 zur Obedience-WM nach Spanien. Obedience entstand 1949 in England. Die erste Weltmeisterschaft wurde 1989 in Dänemark ausgetragen. 2002 nahm Deutschland zum ersten Mal an einer Weltmeisterschaft teil.

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