Buch

Persönliche Erinnerungen: So war es, 1936 bis 1957 in Wuppertal zu leben

Seine eigenen Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg vergleicht Karl Schütrumpf mit dem derzeitigen Leid der Menschen in der Ukraine.
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Seine eigenen Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg vergleicht Karl Schütrumpf mit dem derzeitigen Leid der Menschen in der Ukraine.

Der Wuppertaler Karl Schütrumpf hat ein Buch über den Zweiten Weltkrieg geschrieben. Es ist ihm wichtig, Erinnerungen zu bewahren: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, versteht die Gegenwart nur unzulänglich.“

Von Caroline Büsgen

Wuppertal. Der in Barmen geborene Karl Schütrumpf lebt in dem Bewusstsein, mit 86 Jahren zu den Zeitzeugen zu gehören, die noch um die negative Entwicklung von Staat und Gesellschaft hin zum Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg wissen, deren Erlebnisse aus der Kriegskindheit und Nachkriegsjugend bis heute ihre Sicht auf das Land und die Gesellschaft prägen.

Karl Schütrumpf beschreibt die Motivation zu seinem Buch „Kriegs- und Jugendzeit – Mein Leben in den Jahren von 1936 bis 1957“ damit, dass sich die nachfolgenden Generationen keine Vorstellung davon machen könnten, wie man damals leben musste. Der Autor zieht Parallelen zu der Lebenssituation der Menschen in der Ukraine.

Seine Kriegs- und Nachkriegserlebnisse hätten ihn so sehr geprägt, dass er sich Erlebtes und Erlittenes hätte von der Seele schreiben müssen, erzählt er und will sein Buch nicht nur als Geschichtenbuch, sondern auch als Geschichtsbuch verstanden wissen. Immer schon sei er als Chronist an der Geschichte und Politik der Vergangenheit interessiert gewesen, und seine Auffassung ist: „Wer die Vergangenheit nicht kennt, versteht die Gegenwart nur unzulänglich.“

Bereits das Vorwort ist ein leidenschaftlicher Appell an die Menschen, sich für Demokratie und freiheitliches Denken einzusetzen. Karl Schütrumpf mahnt Wachsamkeit an und kritisiert rechtsradikale Tendenzen, wie sie gegenwärtig wieder zu beobachten seien.

Die Erinnerungen des Autors sind bebildert. Familienfotos, Eindrücke von ausgebrannten Häuserfassaden nach Bombenangriffen auf Wuppertal, auch das Fachwerkhaus der Familie Schütrumpf, das nach dem Krieg noch eine Zeit lang als Notunterkunft gedient hatte, bevor es nur noch abgerissen werden konnte, ist auf Bildern zu sehen.

Mit der „Tornax“ fuhren die Lehrlinge an die Bever

Auch einen kleinen Ausflug in die Lehrlingswelt des Schreiner-Handwerks ermöglicht der Autor seinen Lesern, amüsiert sich heute darüber, wie er als Lehrling an seinem ersten Arbeitstag veräppelt wurde, und die Besuche der Berufsschule für das Schreinerhandwerk in Elberfeld thematisiert Schütrumpf, der heute mit seiner zweiten Frau im münsterländischen Enningerloh lebt, ebenfalls.

Der Lehrlingsfreundschaft zu Helmut, der sich von dem Geld, das er als Betriebsschreiner verdiente, eine „Tornax“ kaufte, ein Motorrad eines Langerfelder Herstellers, mit dem die jungen Männer oft zum Baden an die Bevertalsperre fuhren, widmet der Verfasser in seinen Erinnerungen eine Textpassage. Als Schütrumpf schließlich das neue Auto der Familie, einen hellblauen Ford Taunus „im amerikanischen Ponton-Stil“, beschreibt und von einem fünf Mark teuren Strafzettel berichtet, hat der Leser das Gefühl, in das Wuppertal der 50er Jahre zurückversetzt worden zu sein.

Im Nachwort reflektiert er seine Recherche, führt Erzählungen der Familie und Überlieferungen durch die Eltern sowie die vielen Bilder aus Familienalben als Material an, mit dem er gearbeitet hat. Insbesondere an die Kriegsjahre habe er selbst nur schwache Erinnerungen, aber mit dem Beginn der Schulzeit habe er die Ereignisse in vollem Bewusstsein erlebt.

„Die Erlebnisse dieser Zeit mit ständigen Ängsten, Hunger und Entbehrungen haben mein späteres Leben stark geprägt“, heißt es im Nachwort des Buches, und diese Feststellung ist verbunden mit dem dringenden Wunsch, dass die Menschen solche Erfahrungen nicht noch einmal machen müssten.

Nach dem Besuch der Schule in Elberfeld und später der Fachhochschule Detmold hat er seine Heimatstadt aus beruflichen Gründen verlassen, aber bis heute hat er noch Kontakt in die Leibuschstraße und zu dem Haus, dessen Ruine auf einem der Bilder zu sehen ist.

Karl Schütrumpf war drei Jahrzehnte in leitender Stellung in der Möbelindustrie tätig. Dann machte er sich als Handelsagent in der Möbelbranche selbstständig. Seit 2003 ist er im Ruhestand. Danach erst hat er die Zeit gefunden, seine Gedanken und Erinnerungen zu notieren und den nachfolgenden Generationen das Leben von Kindern und Jugendlichen im Wuppertal der Kriegs- und Nachkriegszeit nahezubringen.

Das Buch

Das Buch mit dem Titel „Kriegs- und Jugendjahre – Mein Leben in den Jahren von 1936 bis 1957“ ist im Agenda Verlag in Münster erschienen. Es hat die ISBN 978-3-89688-671-2 , kostet 19,90 Euro und ist im örtlichen Buchhandel erhältlich.

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