Aralandia

Der neue Zoo-Kurator „flog“ schon Steinadler

Als neuer Kurator und Experte für Vögel hat Dominik Fischer ein besonderes Auge auf Aralandia. Foto: Andreas Fischer
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Als neuer Kurator und Experte für Vögel hat Dominik Fischer ein besonderes Auge auf Aralandia.

Wuppertal. Dominik Fischer ist Experte für Vögel und Zucht – mit Aralandia „passt das wie die Faust aufs Auge“, sagt Direktor Arne Lawrenz.

Von Manuel Praest

Wuppertal. Als Vierjähriger hatte er schon Susi, eine Turmfalken-Dame, auf dem Arm. „Und später bin ich dann Steinadler geflogen“, erzählt Dominik Fischer. Geflogen? So heißt das in der Falkner-Sprache, klärt der 38-Jährige mit einem Lächeln auf.

Tiere begleiten ihn sein ganzes Leben. Seine Familie betreibt in der Eifel die Greifvogelstation mit Wildfreigehege Hellenthal. Und seine Frau Luisa ist Tierärztin für Wildtiergesundheit beim Land. „Sie macht das, was ich mache – nur ohne Gehege.“ Er habe früh erfahren, „das Tierhaltung Verantwortung übernehmen bedeutet und ein 24/7 Job ist“, erzählt Fischer beim Bummel durch den Wuppertaler Zoo. Seit Dezember ist der seine berufliche Heimat als Kurator.

Es sei die „einzigartige Mischung in Wuppertal aus Medizin und Forschung, Zoo und Artenschutz“ gewesen, die ihn überzeugt habe. „Da ist von allem was dabei für mich“, sagt Fischer, der das Team um Direktor Arne Lawrenz lobt. „Wuppertal genießt in der Zooszene international einen sehr guten Ruf.“

Als Ort fürs Foto wählt er zu seiner Passion für Vögel passend Aralandia. Noch ist die Anlage für Besucher gesperrt, doch können die sich schon freuen. Zehn Hyazinth-Aras leben dort. Ein weiteres Weibchen kommt aus Rotterdam, befindet sich noch in Quarantäne. Dazu gesellen sich 18 Flamingos, 17 Sonnensittiche – und ein Zwerghirsch.

Er ist Experte für „alle Tiere ohne Haare“

„Aralandia ist eine bisher in Europa einzigartige Hochzeitsvoliere“, erklärt Fischer. Es sollen sich Paare finden für die Zucht, die dann an weitere Zoos weitergegeben werden können. Bisher führe der Mensch in vielen Zoos die Partnerwahl für die Tiere durch. Doch die Zwangsverpaarung erzeuge oft keine Harmonie bei den Tieren – und somit auch keinen Nachwuchs. „In Aralandia finden sich die Tiere selbst in der 1400 Quadratmeter großen Freifluganlage.“ Dazu zeigt eine Messstation, wo sich die Aras aufhalten und welche Tiere wie viel Zeit miteinander verbringen. Zumindest auf den ersten Blick wirkt es so, als hätten sich die ersten Pärchen schon gefunden.

Dass es beruflich „was mit Tieren“ werden würde, habe früh festgestanden, erzählt der ausgebildete Falkner und Jäger. Als Achtjähriger habe er mit seinem verletzten Steinadler beim Landtierarzt gesessen – der angesichts des Exoten ziemlich hilflos gewesen sei. „Das hat bei mir den Wunsch ausgelöst, später selbst helfen zu können.“

Übers Ehrenamt bei der freiwilligen Feuerwehr und Zivildienst als Rettungssanitäter gab es den ersten Kontakt zur Human- und Notfallmedizin. Am Ende wurden es aber die tierischen Patienten. Von 2003 bis 2009 studierte er an der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. „Da habe ich alle Kurse für Exoten, Zoo- und Wildtiere mitgenommen.“

Der Medizinzweig der Heimtier- und Exotenmedizin sei noch recht jung im Vergleich zur Pferde-, Rinder-, Hunde- oder Katzenmedizin, sagt Fischer. Das Besondere bei Exoten: „Man muss sich bei ihnen drauf einlassen, dass sie anders sind.“ Biologische Kenntnisse über die Tiere und Zusammenhänge sind entscheidend für das Verständnis – richtige Haltung, Fütterung und Pflege spielen eine ganz besondere Rolle. Zuletzt arbeitete Fischer fast zwölf Jahre an der Uni-Klinik für Vögel, Amphibien, Reptilien und Fische („Alle Tiere ohne Haare“) an der Justus-Liebig-Universität in Gießen als Oberarzt und Arbeitsgruppenleiter. Einen Job hätte er sich auch gut in der Lehre an der Uni vorstellen können – doch dann kam Wuppertal mit der für ihn spannenden Kombination an Aufgaben. Als Kurator kümmert er sich etwa um die Tiertransporte; auch in die Konzeption neuer Anlagen ist er eingebunden.

„Zoohaltung wie vor 40 Jahren ist nicht mehr möglich heute und das ist sehr gut so“, betont er. Ziel sei es, nicht mehr so viele Arten wir möglich, sondern seltene Arten gut und richtig zu halten, so Fischer, „nach dem Motto: Mehr Platz für weniger Tiere“.

Fischer: Wuppertaler sind Lokalpatrioten für ihren Zoo

Ein wichtiger Bereich ist aber eben auch die Zucht. Sein Chef ist voll des Lobes. „Ich bin megastolz, einen der kompetentesten Kollegen europaweit auf dem Gebiet der Reproduktion bei Vögeln bekommen zu haben“, sagt Direktor Arne Lawrenz. Mit Aralandia passe das „wie die Faust aufs Auge“. Insgesamt sei es eine knappe Entscheidung gewesen. „Es hatten sich sehr viele tolle Kolleginnen und Kollegen beworben“, so Lawrenz. Jetzt freue er sich auf die Arbeit mit Fischer, der sich in kürzester Zeit bestens eingeführt habe. Gerade der Bereich Forschung, „auch eins meiner Steckenpferde“, sei ein sehr zukunftsträchtiger.

Zoos seien „Spezialisten für das Management kleiner, bedrohter Populationen.“ Fischer wird Wuppertal da nach vorne bringen, ist der Direktor überzeugt. Im Wuppertaler Zoo war der neue Kurator übrigens das erste Mal mit einem Jahr. „Das haben mir meine Eltern erzählt“, sagt er und lacht. Beim Rundgang fängt ihn gleich ein Ehepaar ab. Ein „Fachgespräch“ entwickelt sich. Über Gaukler und Geier. „Die Wuppertaler sind schon Lokalpatrioten und sehr interessiert an ihren Tieren“, hat Fischer bereits gemerkt. Das Ehepaar hatte sich zum Beispiel bei ihm mal gemeldet, weil sie sich Sorgen um die Gaukler machten. Doch Fischer konnte beruhigen. „Die mussten nur für ein paar Tage umziehen.“

Für ihn wäre es schade, wenn der Zoo wegen Corona wieder schließen müsste. „Auch viele Tiere haben die Besucher vermisst“, ist er überzeugt. Er lobt die Einrichtung. „Die Hygieneauflagen werden konsequent eingehalten.“ Das sei immens wichtig, „damit die Betreuung der Tiere aufrechterhalten werden kann ohne Krankheitsfälle und Ausfälle in der Belegschaft“.

Was ihm noch gefällt in Wuppertal? Gerade die Topografie „ist sehr schön, aber eine Herausforderung“. Eine Teilnahme am Zoolauf könne er sich vorstellen, „aber nicht in der Spitzengruppe“, schmunzelt er: „Für mich gilt eher: Dabeisein ist alles.“

Hellenthal: Fischers Familie betreibt die Greifvogelstation Hellenthal gemeinsam mit der Familie Niesters – es ist eine der ältesten und größten Anlagen in Europa. In Hellenthal gelang der erste Zuchterfolg von Weißkopfseeadlern (1980). Beim Besuch von US-Präsident Ronald Reagan in Deutschland übergab Helmut Schmidt zwei Adler aus Hellenthal als Gastgeschenk.

Ausbildung: 2003 bis 2009 Studium in Hannover, Promotion über Aspergillose bei Falken, eine tödliche Atemwegserkrankung, die viele Zoo- und Wildvögel betreffen kann. Spezialisierungen und Prüfungen zum Fachtierarzt für Vögel, für Reptilien und für Zoo- und Gehegetiere. Europäische Weiterbildungskurse absolviert zum europäischen Fachtierarzt für Wildtiere.

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