Bürgerbeteiligung

Der Laurentiusplatz bleibt autofrei

Der Versuch wird in den Alltag überführt, die Schilder der Fußgängerzone bleiben.
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Der Versuch wird in den Alltag überführt, die Schilder der Fußgängerzone bleiben.

Wuppertal. Als Ergebnis der Bürgerbeteiligung bleibt die Fußgängerzone im Luisenviertel in Wuppertal.

Von Anne Palka

85 Meter der Friedrich-Ebert-Straße wurden am Laurentiusplatz zur Fußgängerzone: ein einjähriger Verkehrsversuch. Vergangene Woche hat die Bezirksvertretung Elberfeld entschieden, dass dieser Versuch in den Alltag überführt wird. Die Fußgängerzone bleibt.

Das hatte die Stadtverwaltung den Politikern empfohlen, auf Grundlage der Bürgerbeteiligung mit zweimaliger Befragung von Anwohnern, Unternehmern im Luisenviertel und anderen Interessierten. Vor der Entscheidung führten die Bezirksvertreter eine längere Diskussion, mit dem Ergebnis, dass sie das Projekt weiterentwickeln wollen. Der Bezirksbürgermeister Thomas Kring (SPD) bezeichnete diesen Tagesordnungspunkt als Höhepunkt des Abends.

Vorschlag einer saisonalen Lösung wurde abgelehnt

„Ich will der Bezirksvertretung für den Mut danken, das in Angriff zu nehmen.“ Soufian Goudi (SPD) sagte zu den Ergebnissen der Bürgerbeteiligung: „Das kann sich sehen lassen. Das zeigt, dass die Menschen Interesse haben, Mobilität mitzugestalten. Anfangs hätte man sich das nicht vorstellen können, es gab doch Bedenken aus den anderen Fraktionen.“ Doch auch mit 85 Metern lasse sich das Mobilitätsverhalten ändern. „Wir sind stolz auf das Projekt.“ Die CDU-Fraktion sorgt sich jedoch um die Unternehmer. Ungefähr ein Drittel der Gewerbetreibenden gab bei der Befragung an, dass der Umsatz zurückgegangen sei. „Das ist bedenklich, denn das Luisenviertel lebt davon“, sagte Joachim Knorr. „Es ist wichtig, dass wir mit den Unternehmern im Gespräch bleiben und das Phänomen weiter beobachten.“

Unklar sei anhand der bisherigen Befragungen, wie hoch das Umsatzminus ist, in welcher Zeit es entstanden ist und was die Ursachen sind, welche Auswirkungen beispielsweise die Pandemie und die Inflation haben. „Wir schlagen vor, dass es in einem Jahr noch einmal eine Befragung gibt. Es wäre nicht in Ordnung, dass wir zwar einen hohen Freizeitwert haben, aber Existenzen riskiert werden. Dann machen wir das Luisenviertel kaputt.“

Die CDU schloss sich der Argumentation des fraktionslosen Bezirksvertreters Jürgen Möller an: Es solle einen Unterschied zwischen Sommer und Winter geben, die Sperrung für den Autoverkehr solle zwischen November und Mitte März aufgehoben werden, um den Unternehmern in dieser Zeit entgegenzukommen. Dieser Vorschlag wurde von Mitgliedern anderer Fraktionen kritisiert.

„So funktioniert Verkehrswende nicht. Das ist kein Wechselspiel von heute so, morgen so“, sagte Soufian Goudi. „Es hat lange gedauert, bis sich die Autofahrer daran gewöhnt haben, nicht mehr dort durchzufahren. Deshalb bin ich ganz klar gegen saisonalen Autoverkehr“, ergänzte Jan Hoffmann (Grüne). Und Matthias Nocke, der als Vertreter des Oberbürgermeisters an der Sitzung teilnahm, wies auf die Gastronomie und den Weihnachtsmarkt im Winter hin: „Auch in der kalten Jahreszeit wird der Platz bespielt.“

Thomas Kring ließ zuerst über den Vorschlag der Verwaltung abstimmen, die Fußgängerzone vollständig beizubehalten. SPD, Grüne, Linke und Freie Wähler stimmten zu, dagegen stimmten zwei Vertreter der CDU und zwei fraktionslose Bezirksvertreter, Ulrich Güldenagel (CDU) enthielt sich. Damit bleiben die 85 Meter der Friedrich-Ebert-Straße eine Fußgängerzone.

Im Oktober wollen die Bezirksvertreter erneut über das Projekt sprechen. Die SPD will überlegen, wie weitere Bereiche der Innenstadt und Quartiere autofrei gemacht werden können. Goudi: „Bei den nächsten Schritten mache ich mir jetzt keine Sorgen mehr.“

Auch die Linken wollen den Bereich ausweiten. Es gibt den Vorschlag, Taxen die Durchfahrt zu erlauben – nur, um Kunden zu Geschäften zu bringen oder abzuholen. Die Verkehrsführung im Umfeld des Laurentiusplatzes könnte überdacht werden, ebenso die Gestaltung des Platzes mit Grüninseln und Spielgeräten. Anke Woelky (Grüne): „Wir freuen uns, wenn das Projekt konzeptionell erweitert wird.“

Beteiligung

Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung hat die Stadt auf ihrer Internetseite veröffentlicht – in einer detaillierten Version und zusammengefasst.

wuppertal.de/laurentiusplatz

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