Ein Denkmal der Moderne

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1973 wurde der Wuppertaler Sparkassenturm bezogen, in der 16. Etage gab es bis ins Jahr 1983 noch ein Restaurant. Foto: Andreas Fischer

Der Wuppertaler Sparkassenturm ist architektonisch bedeutend. Er steht unter Denkmalschutz.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Er ist eine Landmarke, der Turm der Stadtsparkasse. Auch wenn manch einer die Nase über den „Betonklotz“ rümpft, ist der doch prägend für die Stadtsilhouette. Und Symbol einer selbstbewussten Bankwirtschaft im Tal. Am 14. Mai 1969, vor 50 Jahren und 40 Jahre nach der Stadtgründung wurde der Grundstein gelegt.

Nötig geworden war der Neubau, weil das bisherige Domizil an der Schloßbleiche zu klein geworden war. Begonnen hat die 1822 gegründete Sparkasse Elberfeld, älteste Sparkasse im Rheinland, mit einem Kontor im Elberfelder Rathaus an der Ecke Turmhof/Burgstraße. Sie zog 1842 mit in den Rathausneubau, in dem heute das Von der Heydt-Museum untergebracht ist. 1909 erhielt sie ein eigenes repräsentatives Gebäude an der Schloßbleiche – dort, wo heute das City-Center steht. Auch dieses Haus war eines der modernsten und fortschrittlichsten Bankgebäude in Deutschland.

Nach dem Krieg wurde das Thalia-Theater wieder aufgebaut

Der Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg brachte auch der Stadtsparkasse – inzwischen Wuppertal – gute Geschäfte. Das Haus an der Schloßbleiche hatte nicht mehr genug Platz für alle Beschäftigten, also wurde ein Neubau geplant, der den Anforderungen der Zeit gerecht werden sollte.

Standort sollte das Islandufer sein – direkt gegenüber dem bisherigen Sitz. Dort stand seit 1906 das überregional bekannte und berühmte Varieté Thalia-Theater, in dem Stars wie Josephine Baker, Hans Albers, Louis Armstrong, Peter Alexander und Zarah Leander aufgetreten waren. Nach der Stadtgründung 1929 hatte das Thalia seine Hochzeit, Direktor Robert Riemer kombinierte Varieté mit Kino, täglich gab es zwei bis drei Vorstellungen.

Nach dem Krieg wurde das stark beschädigte Theater neu aufgebaut, hieß wegen der weißen Fassade „Weißes Haus am Islandufer“. Einige Jahre lief der Betrieb noch gut, dann sanken die Zuschauerzahlen. Als die Stadt über ein neues Schauspielhaus diskutierte, galt das Thalia als Option. Lange wurde gerungen, 1962 beschloss der Rat einen Neubau an der Kluse. Möglich wurde der durch den Verkauf des Thalia an die Stadtsparkasse. Bis das Theater abgerissen wurde, dauerte es noch fünf Jahre, Udo Jürgens, Rex Gildo und The Who traten noch auf. 1967 kam die Abrissbirne. Und ab 1969 wuchs der neue Turm in die Höhe. Gebaut nach einem Entwurf des Architekten Paul Schneider-Esleben, der ein besonderes Verfahren anwendete: Zunächst wurde der innere Kern mit Treppen und Aufzugschächten erbaut, dann die Etagen von oben nach unten daran angehängt. Ein Verfahren, das die Brüder Rasch, zwei Wuppertaler Architekten, in den 1920er Jahren theoretisch entwickelt hatten. Vorteil: In den Räumen sind keine Stützen nötig. Vom „skulpturalen Charakter“ des Bauwerks ist in der Würdigung des Gebäudes als Denkmal die Rede – denn seit 2015 ist es unter Denkmalschutz gestellt. Es sei ein „Kunstwerk, das bis heute seine funktionale und ästhetische Gültigkeit bewahrt hat“. Und: „Zudem zeugt es von der Entschlossenheit, mit der die Stadt Wuppertal – und mit ihr Architekten und Städteplaner – dem stark kriegszerstörten Wuppertal ein zeitgemäßes, von der Aufbruchstimmung der Nachkriegsmoderne geprägtes Stadtbild zu verleihen suchten; dies vermochte auch den Abriss des noch erhaltenen Thalia-Theaters von 1906 zu rechtfertigen.“

Bei der Sparkasse ist man stolz, dass der Turm inzwischen Denkmal ist. „Wir empfinden das als Auszeichnung“, sagte der damalige Sprecher Jürgen Harmke. Sparkassenchef Gunther Wölfges weist auf einen weiteren Aspekt hin: „Mit seinen 75 Metern Höhe ist er sogar das höchste Gebäude in Wuppertal.“ Er schwärmt: „Die Aussicht aus der 19. Etage ist daher fantastisch. Wuppertal soweit das Auge reicht. Ein toller Anblick.“ Er lädt ein, diesen Panoramablick zu genießen, zum Beispiel, wenn bei „Wuppertal 24h live“ die 19. Etage geöffnet ist.

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