Bildung

Wuppertaler protestieren gegen Prüfungen: „Kindern wird ihr Leben verbaut“

Auf der Friedrich-Bayer Realschule machen in diesem Jahr 150 Schüler ihren Abschluss.
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Auf der Friedrich-Bayer Realschule machen in diesem Jahr 150 Schüler ihren Abschluss.

Wuppertal. Zeugnis kann Türöffner oder Stolperfalle sein.

Von Martin Lindner

Wuppertal „Unseren Kindern wird ihr weiteres Leben verbaut“, findet Anja Bäumers deutliche Worte angesichts der Pläne aus dem nordrhein-westfälischen Bildungsministerium, die Abschlussprüfungen der 10er Klassen landeseinheitlich durchzuführen. Die Elternvertreterin der Friedrich-Bayer-Realschule in Wuppertal sagt, dass dieses Zeugnis Türöffner oder Stolperfalle sein kann. Durch Corona sei es für Schulabgänger schwierig wie lange nicht mehr, einen Fuß in einen Betrieb zu bekommen, überdies seien Lehrstellen rückläufig.

„Die Schüler stehen unter immensem Druck, sie haben Angst“, weiß Bäumers. Anstatt ihnen zu helfen, werde ihnen von Bildungsministerin Yvonne Gebauer „Steine in den Weg gelegt“. Die Eltern seien felsenfest davon ausgegangen, dass es in diesem Jahr alles so ablaufen würde wie im Vorjahr, als die Schüler eine von den Fachlehrern ihrer Schule aufgestellte Abschlussprüfung schreiben durften. „Denn die Bedingungen haben sich ja noch verschlechtert“, hebt Bäumers hervor.

Der vorherige Jahrgang, so verdeutlicht sie, war von dem pandemiebedingten Schulausfall circa vier Wochen betroffen. „Unsere Kinder sind über 52 Wochen davon betroffen.“ Die Schüler mussten sich ihren Prüfungsstoff selber einteilen, Themen in Eigenregie erarbeiten, sich über Youtube-Videos Lernstoff angeeignet. „Das alles kann man aber nicht im Rahmen von einheitlichen Prüfungen abfragen“, erläutert Bäumers. Voraussetzung für eine landeseinheitliche Prüfung sei eine landeseinheitliche Beschulung, betont sie. Davon könne in der Corona-Pandemie keine Rede sein.

„In jeder Stadt und jedem Landkreis wurden die Schüler unterschiedlich beschult“, stellt sie das Problem dar. Das fing schon im Kleinen an, als mit Beginn der Pandemie nicht jeder Schüler über ein Laptop oder Tablet verfügte. Die technischen Mittel seien in Wuppertal mit zeitlicher Verzögerung angeschafft worden, hält Bäumers der Politik zugute. Danach aber seien die Server regelmäßig zusammengebrochen.

„Die Schüler stehen unter immensem Druck.“

Anja Bäumers

Von anderen Schulen weiß sie, dass der vorgesehene Lernstoff nicht einmal zur Hälfte geschafft wurde. Schon auf der Friedrich-Bayer-Realschule zeige sich ein sehr divergentes Bild hinsichtlich Lernumfeld und Prüfungsvorbereitung.

Bäumers will mit anderen Eltern für die rund 150 Schüler kämpfen, die auf der Friedrich-Bayer-Realschule in die Abschlussklasse gehen. Die Elternvertreterin hofft, dass andere Bürger sich dem Protest anschließen und eine Online-Petition unterschreiben, die laut der Plattform von Schülerin Letizia Brill eingerichtet wurde. Die Schüler seien damit überfordert, wenn die Abschlussprüfungen in nahezu üblicher Form geschrieben würden, sagt sie. „Zum einen fehlt individuelle Förderung, die kaum bis gar nicht möglich ist, zum anderen dauert es deutlich länger, die Themen durchzubekommen. Wir fühlen uns unsicher und unvorbereitet“, so Brill.

Die Petition braucht 29 000 Unterzeichner, um das Quorum zu erreichen und ans Bildungsministerium übergeben zu werden.

openpetition.de/petition/online/keine-zap-zp-2021

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