Neue Möglichkeiten

Das Von der Heydt-Museum wird digital

Anna Storm und Roland Mönig im Museum: Monets Blick auf das Meer hängt an der Wand und ist nun auch auf der Website anklickbar. Foto: Andreas Fischer
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Anna Storm und Roland Mönig im Museum: Monets Blick auf das Meer hängt an der Wand und ist nun auch auf der Website anklickbar.

Das Wuppertaler Haus am Turmhof macht seine Sammlung auch im Netz sichtbar.

Von Monika Werner-Staude

Wuppertal. Ein Museum wächst in den digitalen Raum, macht so endlich seinen ganzen Reichtum sichtbar. Und stellt sich für die Zukunft auf. Denn der analoge Spielort ist begrenzt und zu klein, um 2100 Gemälde, 400 Skulpturen, etwa 3000 Arbeiten auf Papier, Fotografien und außereuropäische Kunst und Kunsthandwerk zu präsentieren, die das Von der Heydt-Museum besitzt. Die es meistens wie in einem unterirdischen Stollensystem in verschiedenen Depots lagert. Am Freitag ging seine „Sammlung digital“ – am Anfang mit 800 Kunstwerken.

Bilder sind fast so etwas wie eine Währung geworden.

Roland Mönig, Museumsdirektor

Es geht ums Reinschnuppern, ums Kennenlernen einerseits und um Forschung, Austausch mit anderen Museen andererseits. Für den Onlinestart ausgewählt wurden vor allem Gemälde und Hauptwerke der Sammlung, einige repräsentative Grafiken, Plastiken und Fotos aus der Sammlung, erklärt Anna Storm, die wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Museum ist und den Hut bei der Digitalisierung aufhat.

Ihr zur Seite steht seit Januar 2021 Tatjana König, die die auf drei Jahre befristete Stelle für Digitalisierung innehat. So weiß Storm, dass als Nächstes die digitale Gemäldeerfassung vervollständigt wird, während die anderen Bereiche längere Zeit beanspruchen. Ein Ende ist nicht in Sicht, zumal die Sammlung stetig wächst.

Präsentiert werden die Werke auf der Website des Museums zunächst über eine zufällig generierte Bilderwolke, die Besucher in einem animierten Teaser-Slider anklicken können. Hinzu kommt die gezielte Suche nach Sammlungsschwerpunkten und nach konkreten Schlagworten. Am Kunstwerk selbst werden Informationen zu Künstlerin oder Künstler, Technik, Material, Inventarisierung, Reproduktion, Entstehungsjahr und mehr angeboten.

Zur digitalen Offensive gehört auch eine runderneuerte Website

Außerdem eröffnen sich weitere Möglichkeiten: So kann nach Kunst gesucht werden, die im selben Jahr entstand. Fast tausend Schlagworte seien dafür hinterlegt worden, erklärt Storm nicht ohne Stolz. Und es wurde intensiv recherchiert und digitalisiert: Mit Hilfe eines High-Tech-Scanners speziell für Kunstwerke, der eine Hochauflösung von 600 dpi ermöglicht, wurden bislang 10 000 Grafiken, Gemälde sowie Ausstellungsplakate in eine Datenbank überführt.

Die Provenienz, brandaktuelles Thema deutscher Museen, soll voraussichtlich im nächsten Jahr dazukommen und den Weg der Kunst in die Sammlung rekonstruieren.

Roland Mönig ist Herr der Bilder. Weil er Direktor des Museums am Turmhof ist, bildreich zu erklären vermag und an die Kraft der Bilder glaubt, deshalb gerne Maurizio Nannucci zitiert. Konkret dessen in neonblauen Lettern an eine Wand des Museumsfoyers aufgebrachten Spruch, der „It’s possible to image that all impossible images exists in the field of all possibilities“ behauptet. „Die Menschen kommunizieren heute über Bilder, Bilder sind fast so etwas wie eine Währung geworden.“

Und so freut er sich besonders, dass die gerade abgehängten und in die Kunstsammlungen Chemnitz gelieferten Expressionismus-Bilder digital in Wuppertal geblieben sind. Dass der Zufall dafür sorgt, dass die Sammlungskunst der 60er und 70er Jahre zeitgleich in eine analoge Ausstellung „Zero, Pop und Minimal“ (ab 10. April) und ins digitale Museum wandert, so gleich doppelt Dinge nach vorne rücken, die sonst nicht so häufig gesehen werden (können). „Wir extrahieren sozusagen gerade unsere Kunst aus dieser Zeit, die noch nie so gezeigt wurde, ins Analoge, so dass beide Bewegungen zusammenkommen.“

Die digitale Offensive des Von der Heydt-Museums begann vor zwei Jahren und legte in dieser kurzen Zeit eine immense Aufholjagd hin. Mit dem Ziel, „eine Sammlung von nationaler und internationaler Bedeutung dahin zu bringen, wo sie hingehört“, so Mönig, und von ihrer Abhängigkeit an zum Teil vergriffene Printprodukte zu lösen. „Wir stehen ja auch im Wettbewerb, werden im digitalen Raum gesucht“, betont der Direktor. Wenn man das Museum dort nicht finde, existiere es nicht.

Zur digitalen Offensive gehören auch neue digitale Angebote und eine runderneuerte Website, die nun immer häufiger und bewusst mit dem Begriff digital hinter verschiedenen Angeboten aufwarten und werben kann. Und die die im Museum aufgebaute Bilderbank überall sichtbar macht.

von-der-heydt-museum.de

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