Bäume

Forstexperte: „Das hat Einfluss auf Hochwasser in Wuppertal“

Durch den Borkenkäfer sind in drei Jahren rund hundert Hektar an Wald in Wuppertal abgestorben. Foto: Andreas Fischer
+
Durch den Borkenkäfer sind in drei Jahren rund hundert Hektar an Wald in Wuppertal abgestorben.

Forstexperte Sebastian Rabe hat das Baumsterben im Blick

Von Martin Lindner

Wuppertal. Wald hat einen wichtigen Einfluss auf Hochwassersituationen, insbesondere im Falle einer Topographie wie in Wuppertal. Das erklärt Sebastian Rabe, Abteilungsleiter beim Ressort Grünflächen und Forsten der Stadt.

Zum einen nehme Waldboden sehr viel mehr Wasser auf als andere Nutzungsformen wie Landwirtschaft, Grünflächen und vor allem versiegelte Flächen. Zum anderen werde der Wasserabfluss durch Wald gebremst und so deutlich entzerrt, auch wenn der Boden bereits gesättigt ist. „Durch unsere regulären Baumfällungen fördern wir die Entwicklung eines stufigen Mischwaldes, was sich positiv auf den Hochwasserschutz auswirkt“, sagt der Forstexperte. Das heißt konkret, dass kleine und große Bäume mehrerer Arten nebeneinanderstehen.

In Wuppertal gibt es eher punktuelle Kahlflächen

Als ein Problem im Hinblick auf das Waldsterben sei der Borkenkäfer auszumachen. Aufgrund dieser Insekten sind in Wuppertal viele Bäume flächig abgestorben und mussten gefällt werden. Dabei, so sagt Rabe, hätte es für den Hochwasserschutz keinen nennenswerten Unterschied gemacht, ob man die Bäume stehen ließe oder fälle. „Diese Waldflächen mit vom Borkenkäfer abgestorbenen Fichten sind in ihrer Funktion zum Schutz vor Hochwasser deutlich eingeschränkt. Insofern hat das durch den Klimawandel verursachte Baumsterben, und nicht die dadurch notwendigen Fällungen, tatsächlich einen Einfluss auf die Entstehung von Hochwasser in Wuppertal.“ Um Bäume besser zu schützen, arbeitet die Stadt seit 30 Jahren daran, die Wälder auf die Veränderungen des Klimawandels hin vorzubereiten, so dass trotz Klimaveränderung dauerhaft stabile Wälder entstehen. Dieser Prozess sei allerdings sehr langwierig. Rabe schätzt, dass der Prozess noch gut 50 Jahre in Anspruch nehmen wird.

In Wuppertal habe es viele Nachkriegsaufforstungen gegeben, unter anderem weil Wälder großflächig wegen Reparationsleistungen oder von Menschen kahlgeschlagen wurden, die sich mit Feuer warmhalten mussten. So habe man in den zurückliegenden Jahrzehnten mit einer Baumart aufgeforstet, die nun auch alle gleich alt sind.

Bei der letzten Waldinventur 2013 bestand der Wuppertaler Stadtwald zu neun Prozent aus Fichten (142 Hektar). Hiervon sind in den vergangenen drei Jahren zwei Drittel, also rund hundert Hektar, durch den Borkenkäfer abgestorben, erklärt Rabe. Im Laufe des kommenden Jahres, so seine Einschätzung, wird auch der Rest den Käfern zum Opfer gefallen sein. Im Gegensatz zu Gegenden wie dem Sauerland, dem Harz oder dem Oberbergischen handelt es sich aber eher um viele kleinere Flächen. Während in anderen Gegenden ganze Landstriche nahezu flächig kahl sind, seien es in Wuppertal eher punktuelle Kahlflächen wie am Ehrenberg, am Böhler Weg oder hinter dem Grünen Zoo.

Ein stabiler Wald ist der wichtigste Faktor beim Hochwasserschutz

Auf die Frage, ob es Bäume gibt, die besonders geeignet sind, vor Hochwasser zu schützen, erwidert Rabe, dass der wichtigste Faktor ein stabiler Wald ist; die Baumart sei dann gar nicht mehr so entscheidend. „Grundsätzlich ist ein Mischwald mit einer durchmischten Altersstruktur stabiler und auch im konkreten Starkregenereignis besser als ein Wald aus einer Baumart eines Alters“, weiß der Forstexperte.

Lockerer, belebter und durchwurzelter Boden in einem naturnahen Waldökosystem speichert bis zu 200 Liter Wasser pro Kubikmeter Boden, erklärt Dirk Jansen, Geschäftsleiter beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband NRW. Die Situation in Wuppertal kann er nicht detailliert beurteilen, da ihm dazu noch der Überblick fehle. Für die ebenfalls vor kurzem vom Hochwasser betroffene Stadt Hagen, die kaum 30 Kilometer von Wuppertal entfernt liegt, und auch an anderen Orten, sei der Zusammenhang zwischen gerodeten Flächen und dem Hochwasser jedoch „offensichtlich“.

Ein Problem sieht er auch darin, dass Schadholz vielerorts mit großen, schweren Erntemaschinen abgeräumt wird, wodurch der Waldboden zusätzlich stark verdichtet werde. „Eine Fichtenplantage hat gegenüber einem standortgerechten Laubwald in Sachen Speicherfähigkeit des Wassers von vornherein schon Nachteile. Durch das Abräumen des Totholzes wird die Funktion als Wasserspeicher aber noch einmal verringert“, weiß Jansen. Er sieht nicht den Borkenkäfer als Problem, sondern waldbauliche Fehler der Vergangenheit und die aktuelle Form der Waldbewirtschaftung. Wuppertal rät er, um Hochwasserkatastrophen entgegenzuwirken, der Versiegelung von Flächen Einhalt zu gebieten, das Prinzip der Schwammstadt zu verfolgen, und Nutzforste zu standortgerechten Waldökosystemen zu entwickeln. „Nichtstun ist da die beste Option. Denn ohne forstwirtschaftliche Eingriffe wird sich über die natürliche Waldentwicklung ein standortgerechtes Waldökosystem entwickeln.“

Hintergrund

Schwammstadt: In einem gemeinsamen Antrag haben die Wuppertaler Ratsfraktionen von CDU und Grünen vorgeschlagen, Wuppertal zu einer Schwammstadt zu entwickeln. Das Konzept beinhaltet, anfallendes Regenwasser in Städten aufzunehmen, anstatt es zu kanalisieren und abzuleiten.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Baby-Biber in Beyenburg haben die Flut überlebt
Baby-Biber in Beyenburg haben die Flut überlebt
Baby-Biber in Beyenburg haben die Flut überlebt
Vermisste Remscheiderin ist heute ein Fall für „Aktenzeichen XY“
Vermisste Remscheiderin ist heute ein Fall für „Aktenzeichen XY“
Vermisste Remscheiderin ist heute ein Fall für „Aktenzeichen XY“
Kurioses Bild am Bahnhof Vohwinkel: Handläufe verschwinden im Boden
Kurioses Bild am Bahnhof Vohwinkel: Handläufe verschwinden im Boden
Kurioses Bild am Bahnhof Vohwinkel: Handläufe verschwinden im Boden
„Auch Schokolade kann bei Erkältung helfen“
„Auch Schokolade kann bei Erkältung helfen“
„Auch Schokolade kann bei Erkältung helfen“

Kommentare