Wetter

Darum regnet es im Bergischen Land so viel

Grauer Himmel und Regen an der Lacher Straße: Die Böden im Bergischen sind inzwischen wieder gut durchfeuchtet. Foto: Christian Beier
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Grauer Himmel und Regen gibt es im Bergischen recht häufig.

Meteorologe erklärt die Besonderheiten der Region.

Von Johanna Christoph, Corinna Hermanns und Jonas Meister

Wuppertal. Gewöhnlicher Regen tut der Natur gut, das steht wohl außer Frage. Menschen kann er aber auch einen Strich durch die Rechnung machen, wenn etwa Outdooraktivitäten geplant sind und diese dann wortwörtlich ins Wasser fallen.

In der Wahrnehmung mancher scheint es in Wuppertal auch verhältnismäßig oft zu regnen. Dies ist auch faktisch so und liegt zum Teil mit den Reliefstrukturen NRWs zusammen, so Thomas Kesseler-Lauterkorn, Diplommeteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD) und stellvertretender Leiter Regionales Klimabüro Essen.

„So sind in Nordrhein-Westfalen die höchsten mittleren jährlichen Niederschlagsmengen in den Höhenlagen des Bergischen Landes sowie des Sauer- und Siegerlandes zu finden“, sagt der Meteorologe. Das langjährige Mittel der Niederschlagssummen liegt im Talbereich und am (nord-)westlichen Rand von Wuppertal oftmals bei rund 1100 bis 1200 mm, auf den Südhöhen steigt es auf bis zu 1400 mm. Bei den Höhenlagen nördlich der Wupper sind dabei 1200 bis 1300 mm mittlerer Jahresniederschlag die Regel.

„Zwischen dem Niederschlag und der Höhenlage besteht ein klarer Zusammenhang. Die Mengen nehmen in allen Gebieten NRWs mit der Höhe zu, dabei treten jedoch deutliche Unterschiede zwischen Luv- und Leelagen auf“, erklärt Kesseler-Lauterkorn. Luv und Lee bezeichnen die Seiten eines Objekts in Bezug auf den Wind. Luv ist die dem Wind zugewandte Seite, Lee, die vom Wind abgewandte Seite. Die Zunahme der Regenmengen mit steigender Höhenlage werden vor allem durch stau und erzwungene Hebung der feuchtebeladenen Luftmassen verursacht, die an den Luvseiten mehr Niederschlag fallenlassen, so Kesseler-Lauterkorn weiter. Am eindrucksvollsten sei dieser Effekt im Bergischen Land zu beobachten.

Es gibt verstärkt längere Dürreperioden

„Tatsächlich ist nach Rasterdaten des DWD auch auf dem Stadtgebiet von Wuppertal ein deutliches Ansteigen der Regenmengen im Übergangsbereich von den Tallagen zu den Höhenlagen erkennen“, sagt der Meteorologe. Dies sei auf Staueffekte in Richtung der höheren Lagen, besonders in südlicher und südöstlicher Richtung, zurückzuführen.

An der DWD-Klimastation Wuppertal-Buchenhofen, die sich im Talbereich befindet, wird im langjährigen Mittel eine mittlere Niederschlagsmenge von rund 1125 mm (oder Liter pro Quadratmeter) verzeichnet, bezogen auf den Zeitraum 1991 bis 2020. Richtung Niederrhein ist es im Mittel dagegen trockener. In Krefeld an der Station Tönisvorst wird eine mittlere Jahressumme von 718 mm Niederschlag festgestellt (bezogen auf die Jahre 1991 bis 2020).

Insgesamt würde sich das Regenvorkommen jedoch weniger in der Menge ändern, sondern vielmehr in der Art und Weise, wie es regne. So sagt Falk Höffken, Teamleiter bei der Unteren Wasserbehörde Wuppertal: „Was wir und auch die Meteorologen in den letzten Jahren beobachtet haben, ist die Tatsache, dass sich die Niederschlagsverteilung in Wuppertal in den letzten Jahren verändert hat. So ist heute vor allem die Intensität des Regens anders“. Insgesamt würde es also seltener regnen, wenn es aber regnet, regnet es aber heftiger.

„Den klassischen Landregen, bei dem es gerade im Sommer teilweise tage- oder wochenlang konstant durchgeregnet hat, gibt es so eigentlich in unserer Stadt nicht mehr. Stattdessen verzeichnet die Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes in Buchenhofen in den letzten Jahren immer häufiger Starkregenereignisse.“

Laut Höffken sei es in der Tat so, dass das Klima in Wuppertal insgesamt trockener werde, da es verstärkt längere Dürreperioden gebe. Die sich häufenden Starkregenereignisse würden jedoch mit der schieren Menge, die dann abregnen würde, die Niederschlagsmenge der klassischen Landregenperioden aufwiegen, so Höffken. „Dadurch bleibt die gesamte Niederschlagsmenge pro Jahr im Durchschnitt der letzten Jahre heute in Wuppertal auch ziemlich gleich. Wobei es hier auch traditionell Jahre gibt, in denen es weniger oder mehr regnet.“

Der April-Niederschlag in Wuppertal lag in diesem Jahr über dem langjährigen Mittel. Um die mittlere Niederschlagsmenge im Jahr in Wuppertal von rund 1125 mm ins Verhältnis zu setzen: In der indischen Stadt Cherrapunji im Nordosten Indiens soll es den meisten Niederschlag geben. Dort fallen rund 12 000 mm Niederschlag im Jahr.

Hintergrund

Regen besteht aus Wasser, das als Dampf in Wolken gespeichert ist. Nach dem Kondensieren wird der Dampf zu Tropfen, die dann als Regen zur Erdoberfläche fallen. Mit Starkregen werden in der Meteorologie große Mengen an Regen bezeichnet, die in kurzer Zeit fallen. Starkregen kann von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden andauern.

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