Corona: Särge stapeln sich im Krematorium

Neben dem Krematorium in Wuppertal hat das THW Zelte aufgestellt, die als Reserve für die Unterbringung für zu verbrennende Särge gedacht sind. Noch sind sie allerdings leer. Foto: Tim Oelbermann
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Neben dem Krematorium in Wuppertal hat das THW Zelte aufgestellt, die als Reserve für die Unterbringung für zu verbrennende Särge gedacht sind. Noch sind sie allerdings leer. Foto: Tim Oelbermann

Technisches Hilfswerk muss Zelte in Wuppertal aufstellen – dort werden auch Solinger Tote verbrannt

Von Philipp Müller

Wuppertal An Neujahr erschreckte die Meldung, dass das Technische Hilfswerk (THW) neben dem Wuppertaler Krematorium Zelte aufgestellt hat, in denen Särge bis zu ihrer Verbrennung zwischengelagert werden können. Ulrike Ludwigs, Geschäftsführerin, der Bergisches Krematorium GmbH, erklärt auf Nachfrage unserer Redaktion: „Die Zelte sind nicht mit Särgen bestückt.“ Der Krisenstab der Stadt Wuppertal habe die präventive Aufstellung der Zelte durch das THW begleitet. Die Stadt Wuppertal hatte am Silvestertag die Maßnahme als dringend begründet und erklärt: „Bedingt durch die Feiertage und die durch die Corona-Pandemie hohe Zahl von Toten in den Städten der Umgebung, ist das private Krematorium auf diese Zwischenlösung angewiesen.“

„Wir hoffen, die Zelte nicht benutzen zu müssen.“

Ulrike Ludwigs, Geschäftsführerin, des Bergischen Krematoriums

Das Krematorium in Wuppertal ist schlicht über das Normalmaß hinaus ausgelastet. Deshalb sind alle Flächen, wo die Särge bis zur Verbrennung aufbewahrt werden, belegt. Um zusätzliche Flächen zu schaffen, hat die Stadt das Technische Hilfswerk gebeten, auf dem Gelände des Krematoriums Zelte aufzustellen, um dort die Särge abstellen zu können. Das Gelände ist mit einem Sichtschutz abgehängt worden. Die Dauer der Maßnahme ist aktuell unbegrenzt. Die Feuerwehr Wuppertal koordinierte die Maßnahmen.

Das Bergische Krematorium liegt an der Stadtgrenze zwischen Wuppertal und Solingen an der Straße Westring. Kunden sind dort auch Bestattungsunternehmen aus der gesamten Region. So zählt das Krematorium neun Kunden aus Remscheid und acht aus Solingen auf. Das Krematorium besteht seit 2008 und hat sich zur Aufgabe gemacht, „Verstorbenen, die sich für eine Einäscherung entschieden haben, einen würdigen Abschied von ihrem irdischen Leben zu gewährleisten.“ Genau das werde auch in der jetzigen Situation gewährleistet, versichert Ulrike Ludwigs: „Das Bergische Krematorium möchte ausdrücklich betonen, dass selbst unter diesen erschwerten Bedingungen der respekt- und pietätvolle Umgang der uns anvertrauten Verstorbenen weiterhin in gewohnter Weise gewährleistet ist und hofft, dass die Zelte auch nicht benutzt werden müssen“.

Klaus Luchtenberg, Bestattungsunternehmer aus Solingen, kennt die Situation und setzt auch darauf, dass die Zelte nicht benötigt würden. Jedoch verweist er auch auf den Umstand, dass er und seine Kollegen seit fünf bis sechs Wochen eine erheblich steigende Zahl an Todesfällen zu betreuen hätten. Darunter auch viele, die an den Folgen einer Covid-19-Erkrankung verstorben seien. Das sei auch psychisch für alle Beteiligten eine schwierige Zeit.

Luchtenberg verweist auch darauf, dass im Spätherbst und Winter die Zahl der Sterbefälle immer höher als im Jahresschnitt liege. Daher sei die Vorsichtsmaßnahme der Aufstellung des Zeltes gerechtfertigt. So meldete die Stadt Remscheid seit dem 10. November allein 67 Tote im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion, Solingen verzeichnete 78 Corona-Sterbefälle im gleichen Zeitraum. Und Wuppertals Sozialdezernent Stefan Kühn machte deutlich: Selbst wenn die Zahl der Neuinfektionen zurückgehen würde, müssten wir uns noch auf weiter hohe Todesfallzahlen einstellen. Denn zwischen Ansteckung, Erkrankung, Behandlung und schließlich Sterben vergehe Zeit. Zudem ist ein deutlicher Rückgang der Neuinfektionen derzeit noch nicht erkennbar.

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