Entsorgung

Corona: 2000 Tonnen mehr Müll in Wuppertal

Die Corona-Krise hat Wuppertals Müllcontainer überlaufen lassen.
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Die Corona-Krise hat Wuppertals Müllcontainer überlaufen lassen.

Es fällt mehr Verpackungs- und Hygienemüll an – und die Papierkörbe in der City laufen über.

Von Daniel Neukirchen

Wuppertal. Die Corona-Krise hat Wuppertals Müllcontainer überlaufen lassen. Zwischen März und Mai gab es nach den Zahlen des Abfallentsorgers AWG beim Restmüll eine Steigerung von sechs Prozent im Jahresvergleich, in der Gelben Tonne landete fünf Prozent mehr Inhalt. Den massivsten Anstieg gab es beim Sperrmüll, wo das Aufkommen um 20 Prozent gestiegen ist. Zusammengerechnet ergeben sich so 2000 Tonnen mehr Müll, den die Haushalte in der Corona-Krise produziert haben.

Dominic Steffens, Abteilungsleiter der AWG, überrascht das nicht: „Viele Mahlzeiten, die im Lockdown nicht in Restaurants oder Kantinen verzehrt wurden, sind zu Hause gekocht worden. Die Leute haben ja nicht gehungert.“ Zudem habe das gesteigerte Bedürfnis an Hygiene die Mülltonnen gefüllt: Einweg-Masken, Wegwerfhandschuhe und Einmal-Wischtücher wurden zu Alltagsgegenständen. „Die wenigsten Menschen haben mit dem Baumwolltuch ihre Flächen gewischt“, sagt Steffens.

Viele Menschen haben zu Hause mehr Müll produziert

Die Folge: Häufiger als normal liefen vor den privaten Haushalten die Müllcontainer über, auch weil einfach mehr Menschen zu Hause Müll verursachten als beispielsweise bei der Arbeit. Deshalb, so Steffens hätten sich auch mehr Menschen bei der AWG gemeldet und Probleme mit überquellenden Behältern und wilden Müllkippen gemeldet. Er gibt auch zu bedenken, dass die Masse des Mülls privater Haushalte stärker als sechs Prozent gestiegen sein muss, denn viel gewerblicher Abfall – etwa aus der Gastronomie – fiel komplett weg, wird aber zur Restmüll-Menge hinzugerechnet.

Die Müllwerker kamen den Bürgern bei dieser Masse von Unrat entgegen und nahmen auch Abfall neben den Tonnen mit, der nicht in den offiziellen Beistellsäcken verpackt war.

Szenenwechsel: In der Elberfelder City steckt wieder einmal eine Pizza-Schachtel quer in dem Abfalleimer am Neumarkt. Andere Passanten haben daher ihre Trinkbecher und Pommesschalen daneben gestellt, die mit ein bisschen Pech der Wind schneller mitnimmt als es die Straßenreinigung kann. Ayse Celik (22) drückt ihren To-Go-Becher mit angewidertem Blick an dem Pizzakarton vorbei. Sie sagt: „Das ist echt nicht schön. Hier laufen die Papierkörbe ständig über.“

Müllkörbe quellen über – Take-away ist überall angesagt

Die Müllkörbe sprechen eine deutliche Sprache: Die Menschen sind wieder sehr viel draußen unterwegs. Der Eigenbetrieb Straßenreinigung (ESW) stellt ein hohes Aufkommen von sperrigen Bechern und Verpackungsmüll fest, weil sich noch immer sehr viele Menschen ihr Essen einpacken lassen, statt es im Restaurant oder Café zu verspeisen. „Diese Verpackung ist manchmal so voluminös, dass die Papierkörbe voll wirken, obwohl eigentlich noch Platz wäre“, sagt Carsten Melech von der ESW-Betriebsaufsicht.

Dabei leere sein Team bereits so viel, wie es geht. „Am Döppersberg haben wir ja extra große Mülleimer aufstellen lassen – die leeren wir vier Mal am Tag.“ Am Kirch- und am Laurentiusplatz sitzen jetzt an schönen Tagen immer Leute und konsumieren Essen und Getränke in Wegwerf-Verpackung. Die AWG hat reagiert und an diesen Stellen extra Behälter aufgestellt.

Besonders negativ fallen laut Melech die Fast-Food-Liebhaber auf, die nach dem „Drive-in“ ihre Mülltüten traditionell gerne auf Grünstreifen und am Straßenrand aus dem Auto fallen lassen.

Auch das Ressort Grünflächen und Forsten bemerkt den Vermüllungstrend – der leider auch in der Natur in den vergangenen Monaten massiv zugenommen hat. Sebastian Rabe, Abteilungsleiter im Ressort Grünflächen und Forsten, berichtet: „Da viele Bereiche gesperrt waren, sind mehr Menschen in Grünflächen und Wälder geströmt und haben dort für ein höheres Müllaufkommen gesorgt.“ Die Stadt schätze, dass sich das Aufkommen etwas mehr als verdoppelt hat.

Recyclinghöfe: Abstand halten fällt bei manchen Kunden schwer

Zu fast chaotischen Verhältnissen hat der Umstand gesorgt, dass sehr viele Leute die ausgedehnte Zeit zu Hause genutzt haben, um auszumisten oder zu renovieren. So lässt sich laut Dominic Steffens der massive Anstieg beim Sperrmüll in den vergangenen drei Monaten um 782 auf mehr als 4769 Tonnen im Jahresvergleich erklären.

Nachdem Ende März die Geschäfte schon geschlossen hatten, lief der Betrieb auf den Recyclinghöfen zunächst noch weiter – bis alle Beteiligten erkennen mussten, dass der Betrieb angesichts des großen Ansturms und der fortschreitenden Pandemie nicht mehr zu gewährleisten ist.

Inzwischen wurde der Betrieb an allen sechs Standorten wieder aufgenommen, allerdings mit Zugangsbeschränkungen und klaren Abstandsregeln. In der Praxis sei das manchmal schwer durchzuhalten, gerade wenn ältere Kunden schwere sperrige Gegenstände bringen und diese selbst gar nicht aus dem Auto heben können.

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Papier: Überraschend hat die AWG in der Corona-Krise sechs Prozent weniger Papier eingesammelt. Eine Erklärung dafür gibt es bisher nicht. Es sei durchaus viel Papp-Verpackungsmüll angefallen, weil die Leute viel online eingekauft haben. Allerdings wurden große Kartons oft fälschlicherweise zum Sperrmüll gestellt.

Gewerbe: Viele Gewerbebetriebe mussten ihren Betrieb zeitweise einstellen – das glich das erhöhte Müllaufkommen der Privaten etwas aus. Mehr als 100 Betriebe meldeten sich in der Corona-Zeit ab. Inzwischen ist etwa die Hälfte wieder in Betrieb.

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