Clubs setzen auf Alternativen

Laut Corona-Schutzverordnung dürfen Clubs erst einmal nicht öffnen. Symbolfoto: Jens Büttner/dpa
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Laut Corona-Schutzverordnung dürfen Clubs erst einmal nicht öffnen. Symbolfoto: Jens Büttner/dpa

In der durch die Krise gebeutelten Branche werden neue Konzepte entwickelt

Von Juri Lietz

Wuppertal Die neueste Corona-Schutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen beschreibt es unmissverständlich: „Clubs, Diskotheken und ähnliche Einrichtungen bleiben geschlossen.“ Damit ändert sich nichts für die Clubs, die den gewohnten Betrieb nun seit einem halben Jahr ausgesetzt haben. Doch auch hier finden Betroffene Wege, sich über Wasser zu halten.

Nicolas Moll, Geschäftsführer des Clubs Mauke an der Elberfelder Schlossbleiche, sieht sich zwar von der Politik nicht ausreichend unterstützt: „Die Soforthilfeprogramme sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.“ Dennoch nutzt er mit seinem Team unkonventionelle Möglichkeiten. So hat es vergangene Woche eine Bus-Tour mit DJs gegeben; im Doppeldecker-Bus von Wuppertal Marketing wurde eine alternative Sightseeing-Tour veranstaltet. Eine Fahrt mit Musik brachte Einnahmen für die Mauke. Moll freut sich über solche Chancen, weiß aber: „Das holt den Club nicht zurück.“

Auch durch andere Aktionen, die pandemie-konform ins Leben gerufen wurden, sei die Clubkultur nicht zu ersetzen. Beispielsweise hatte die Mauke anlässlich des vierjährigen Bestehens ein Podcast-Streaming aus dem Heckinghauser Gaskessel gesendet.

Paolo Frisella, der den Kitchen Club leitet, hat mit dem Kitchen Beach an der B7 eine ganz andere Alternative auf die Beine gestellt. Hier konnte zwei Monate lang mit bis zu zehn Personen pro Gruppe bei Musik am aufgeschütteten Sandstrand entspannt oder Volleyball und Badminton gespielt werden. „Das hat uns über die Sommerzeit geholfen“, sagt Frisella. Wenn er an die nahe Zukunft denkt, sorgt er sich: „Der Aufwand wird für uns enorm sein.“ Dennoch empfindet er die Maßnahmen, die etwa den Kitchen Beach ermöglichten, als „Schritt in die richtige Richtung.“

Im Musikclub Loch in Elberfeld wurden in der Hochzeit des Coronavirus ebenfalls neue Ideen geboren. Via Internet konnte bei Lochfunk einem DJ und einem Maler zugeschaut und -gehört werden, Rollentausch der beiden Protagonisten inklusive. Eine weitere Option waren Musik-Diskussionsrunden, in denen die Gäste sich ähnlich einer Talkshow vor Online-Publikum austauschten. Doch auch Crowdfunding war zur Deckung der Fixkosten nötig, berichtet Geschäftsführer Maik Ollhoff: „Es ist nicht leicht, den Laden am Leben zu halten.“

Das Loch gehört nun zu den ersten Stätten seiner Art, die wieder geöffnet haben. Seit letztem Wochenende wird Musik und Kultur vor Ort geboten, erste Konzerte haben stattgefunden. In kleinen Sitzgruppen und mit Abstand kann Live-Musik gehört werden. „Das Programm verändert sich, es muss auch im Sitzen funktionieren“, erklärt Ollhoff.

Nicolas Moll hofft auf Hilfen vom Bund, der mit dem Programm „NeuStadtKultur“ Finanzspritzen geben will. Je nachdem, wie viel Geld bewilligt würde, möchte das Mauke-Team Ideen umsetzen. „Wir hätten gerne eine Visual Performance mit Musik im Gaskessel. Eine Traumvorstellung ist, mit einem Wagen auf dem Marktplatz Kulturprogramm anzubieten.“

Auch Maik Ollhoff hat weitere Ideen, will unter anderem die in der Krise entwickelten Formate live anbieten. Dazu sei Beistand seitens der kommunalen Politik nötig: „Wuppertal ist eine Kulturstadt, die immer von Clubkultur profitiert hat. Deswegen braucht es Unterstützung, die den notwendigen Mehraufwand puffern kann.“ Ollhoff plädiert für die breite Anerkennung der Branche. „Die Wichtigkeit der Clubs für die Menschen in der Stadt ist nicht zu unterschätzen.“

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