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Carlsplatz-Dach soll Anbaugebiet werden

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Der Carlsplatz wurde als Referenzstandort für den Gemüseanbau mitten in der Stadt ausgeguckt. Archivfoto: Golsch

Stadt Düsseldorf will prüfen, ob Obst und Gemüse angepflanzt werden können. Es gibt auch Bedenken gegen das „Vertical Farming“.

Von Alexander Schulte

Düsseldorf. Auf dem Carlsplatz soll bald nicht mehr nur frisches Obst und Gemüse verkauft werden. Sondern es soll dort auch angebaut werden – oben auf dem Dach des Wochenmarktes. Und so noch frischer sein als bisher. „Indoor Farming“ oder auch „Vertical Farming“ sind die Schlagworte. Die Idee hinter dieser Sonderform der urbanen Landwirtschaft ist, dass Großstädte ihre Versorgung zu einem höheren Anteil selbst sicherstellen und aufgrund von Platzmangel in die Höhe anbauen. Es geht also nicht wie beim „Urban Gardening“ eher um Lifestyle, sondern um die handfeste Produktion von Lebensmitteln.

In New York gibt es das, in Singapur, seit diesem Herbst auch in Oberhausen, auf dem Dach des Jobcenters. Ob dies in Düsseldorf möglich ist, soll eine Machbarkeitsstudie zeigen. Die kostet etwa 75 000 Euro, wobei die Stadt hofft, 50 000 Euro vom Bund im Rahmen des Programms „Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus“ erstattet zu bekommen.

Studie soll zeigen, was baulich und statisch machbar ist

Ein halbes Jahr lang hat die Stadt Vorarbeiten geleistet, sich insbesondere bei dem auf diesem Gebiet kundigen Fraunhofer Institut informiert. Als Referenzstandort wurde der Carlsplatz ausgesucht, und der dort Regie führende Marktverein ist auch einverstanden, eine Grundsatzvereinbarung liegt vor.

Heiner Röckrath, Geschäftsführer des Wochenmarktes, sagt: „Gut, wenn sich bei dem Thema etwas tut, auch wir wollen unseren ökologischen Fußabdruck verbessern.“ Den Markthändlern schwebe schon das Jahr 2020 zur Umsetzung vor. Röckrath ist allerdings skeptisch, wenn die ganz großen baulichen Lösungen mit mehrstöckigen Aufbauten auf dem Dach des Carlsplatzes ins Spiel gebracht werden: „Das muss jetzt genau eruiert werden, ich fürchte jedoch, dass dies schwierig wird.“ Womöglich gebe es pfiffige kleinere Varianten des Indoor-Gemüseanbaus – etwa unter dem Dach, befeuert von Solarenergie.

Umsetzung hängt auch davon ab, ob Projekt ökologisch sinnvoll ist

Was baulich und statisch geht, wird die Machbarkeitsstudie erweisen. Davon, ob auf dem Dach auf einer oder gar auf mehreren Ebenen Gewächshäuser und Hydrokulturen auf Basis der Kreislaufwirtschaft entstehen können, hängt auch davon ab, ob sich der Aufwand ökologisch lohnt. Eigentlich soll der höhere Stromverbrauch durch die künstliche Beleuchtung sowie die Energiekosten für die Umbauarbeiten durch Einsparungen bei den Transportkosten ausgeglichen werden, hofft Düsseldorfs Planungsdezernentin Cornelia Zuschke.

Befürworter von „Vertical Farming“ betonen zudem, dass durch die kontrollierten Umweltbedingungen konstante Ernten erreicht werden können. Zudem würden die Pflanzen durch die effektive Nährstoffzufuhr schneller wachsen. Dies – plus kontrollierte Wetterbedingungen – soll bei manchen Pflanzen bis zu 30 Ernten im Jahr ermöglichen, im Vergleich zu zwei bis drei in der Feldwirtschaft.

Kritiker verweisen auf den hohen Energieverbrauch, der beim Bau der „Farm“ und insbesondere durch die massive Beleuchtung anfällt. Landwirte, die sich durch diese neue Konkurrenz bedroht fühlen, verweisen zudem auf gesundheitliche Risiken einer Lebensmittelproduktion ohne Erde, in Reinräumen, abgekapselt von den Vorgängen der Natur, gesteuert von Computern und betreut von Robotern oder wenigen Menschen. Sie warnen vor Keimen, die sich – ähnlich wie in Krankenhäusern – früher oder später auch in den Gewächshäusern bilden würden. Außerdem fehlten den „künstlich“ erzeugten Pflanzen sekundäre Inhaltsstoffe (gegen Schädlinge), die für den Menschen wichtig seien.

VERTICAL FARMING

BEGRIFF Die vertikale Landwirtschaft oder „vertical farming“ (englisch) ist ein Begriff der Zukunftstechnologie, die eine tragfähige Landwirtschaft und Massenproduktion pflanzlicher und tierischer Erzeugnisse im Ballungsgebiet der Städte in mehrstöckigen Gebäuden (sogenannten Farmscrapers) ermöglichen soll. Sie ist damit eine Sonderform der urbanen Landwirtschaft.

ERNTE Basierend auf Kreislaufwirtschaft und Hydrokulturen unter Gewächshausbedingungen sollen in Gebäudekomplexen auf mehreren übereinander gelagerten Ebenen ganzjährig Früchte, Gemüse, essbare Speisepilze und Algen erzeugt und teilweise mehrmals pro Jahr geerntet werden.

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