Beyenburg

Nach Hochwasser: Bunte Regenschirme als Zeichen der Hoffnung

Im Inneren ihres Restaurants Landhaus Bilstein ist noch viel zu tun, die bunten Schirme an der Decke hat die Inhaberin geschenkt bekommen. Foto:
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Im Inneren ihres Restaurants Landhaus Bilstein ist noch viel zu tun, die bunten Schirme an der Decke hat die Inhaberin geschenkt bekommen.

Im Landhaus Bilstein in Beyenburg geht Inhaberin Christiane Schneider mit viel Unterstützung den aufwendigen Wiederaufbau an

Von Martin Lindner

Wuppertal. Im Außenbereich des Landhauses Bilstein in Beyenburg stehen bereits mehrere selbst gemachte kleine Bänke und Tische aus Holz, über dem Terrassendach hängt ein bunter Baldachin aus aufgespannten Regenschirmen, die Inhaberin Christiane Schneider als Spende von Bürgern erhalten hat. Insgesamt sind rund 200 Regenschirme bei ihr angekommen, sagt sie lächelnd.

Sie fiebert dem 2. September entgegen, der Tag, an dem die Außengastro auf dem Hof wieder eröffnet, solange drinnen weiter an den Hochwasserschäden gearbeitet wird. Die Toiletten im Restaurant, die für eine Bewirtung der Gäste Voraussetzung sind, wurden noch nicht fertiggestellt. „Wir geben Gas, aber das ist alles nicht so einfach bei einem alten Fachwerkhaus“, sagt sie. Die Fliesen und Toiletten seien schon da, jetzt müssten Installateur und Elektriker kommen.

„Da steckt mein Herzblut drin, das ist mein Baby.“

Gastronomin Christiane Schneider

Über einen Steg im Inneren erreichen die Gäste von draußen das stille Örtchen. Bis drinnen alles so aussieht wie vor der Flutkatastrophe, werde es aber voraussichtlich noch anderthalb Jahre dauern. 2004 hat Schneider das Landhaus übernommen. „Da steckt mein Herzblut drin, es ist mein Baby“, betont die Gastronomin. Die Außengastro soll donnerstags bis sonntags von 11.30 bis 21 Uhr geöffnet haben. An den anderen Tagen sollen maßgeblich die Bauarbeiten vonstattengehen.

„Ich hoffe, die Gäste werden Verständnis haben, dass noch nicht alles so aussieht wie vorher“, sagt sie. Einen Einblick haben die Beyenburger schon am vergangenen Wochenende beim „Tag der offenen Fenster“ erhalten. Intention war es, dass die Menschen einen Einblick vom Innenleben der Gebäude bekommen, die von außen her zumeist unversehrt aussehen, aber drinnen ein Bild der Zerstörung bieten. Damit verbunden ist ein Appell an die Hilfsbereitschaft der Leute. „Es ist wichtig, dass wir nicht vergessen werden“, sagt Schneider.

Zum Aktionstag hat sie zwei Stühle und einen Tisch aufgestellt, auf dem eine lilafarbene Hortensie in einer Vase steht, neben einer Flasche Roséwein, Teller und Besteck. Im Restaurant herrscht keine Sahara-Hitze mehr wie zuletzt noch. Die Trocknungsmaschinen laufen weiterhin, die große Maschine, die für die überwältigende Hitze sorgte, steckt unter einer Plane am Rand des Hofes. Am Anfang habe eine große Leere in ihrem Kopf geherrscht, sagt Schneider rückblickend. Nun macht die Verzweiflung aber immer mehr der Hoffnung Platz.

Nächste Woche kommt ein Imbisswagen aus Bremen, die Firma stellt ihn zunächst kostenfrei zur Verfügung, danach werden Sponsoren benötigt, so Schneider. Die Hütte für die Getränkerückgabe ist bereits aufgebaut, neben einem maroden Boot entsteht der Getränkestand. Das Finanzielle hat Schneider in die Hände ihres Steuerberaters und Wirtschaftsprüfers gelegt. „Ich habe nicht die Kraft, mich damit auseinanderzusetzen“, gibt sie offen zu. Welche Gelder ihr aus dem 30 Milliarden-Hilfsfonds zustehen, kann sie nicht abschätzen. Es seien auch sehr viele Menschen, die betroffen sind, weiß sie.

Immer wieder kommt der 75-jährige Remscheider Reinhard Zorn nach Beyenburg, um Schneider seine Hilfe anzubieten. „Ich kenne die Familie schon lange, im Waldgebiet in Beyenburg sind meine mittlerweile verstorbene Frau und ich gerne gewandert“, erzählt er. Der Rentner unterstützt die Wirtin beim Ausräumen, Saubermachen und hat die neuen Tische für die Außengatsro geschliffen. „Er ist ein toller Kerl“, lobt Schneider.

Überhaupt kämen so viele Menschen, die ihre Familie tatkräftig beim Wiederaufbau unterstützten – auch nach Wochen noch, sagt sie voller Dankbarkeit. Darin schließt sie Bezirksbürgermeister Andreas Bialas und den SPD-Bundestagsabgeordneten Helge Lindh mit ein. Die bunten Regenschirme, die das Terrassendach jetzt umspannen, seien auch ein Symbol dafür, dass man nicht allein im Regen stehe. „Alt-Beyenburg ist zu einer großen Familie geworden“, sagt Schneider.

Hintergrund

Imbisswagen: Der Speiseplan werde ein anderer sein als zu klassischen Restaurantzeiten. Es werde aber für jeden etwas dabei sein, neben Fleisch- werden auch vegetarische Gerichte angeboten. „Es soll nicht die typische Imbissbude sein, wir wollen etwas anderes ausprobieren. Aber auch Kaffee und Kuchen werden wir anbieten“, verspricht Christiane Schneider, die dann selber am Grill steht.

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