Ausrichtung in Wuppertal

Buga 2031: Im Sommer entscheidet der Stadtrat

Die Hängebrücke, die Kaiser- und Königshöhe verbinden soll, könnte ein Höhepunkt der Buga sein. Entwurf: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten
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Die Hängebrücke, die Kaiser- und Königshöhe verbinden soll, könnte ein Höhepunkt der Buga sein.

Gesellschaft hat Ausrichtung für Wuppertal reserviert – Skepsis bei CDU und Grünen.

Von Manuel Praest

Wuppertal. Wenn Wuppertal will, bekommt die Stadt 2031 die Bundesgartenschau. Doch Mitte dieses Jahres muss dafür die Bewerbung stehen. Die Verwaltung will möglichst noch vor der Sommerpause dem Rat eine Vorlage zur Diskussion stellen. Gerade Grüne und CDU bleiben aber skeptisch – vor allem bei der Frage der Finanzierung.

Es habe bereits vor Weihnachten Gespräche mit dem neuen Oberbürgermeister Uwe Schneidewind gegeben. Von einer echten Deadline will Jochen Sandner, Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG), nicht sprechen. Beide Seiten seien sich aber einig, „dass bis Ende des zweiten Quartals die Bewerbung mit Ratsbeschluss auf den Weg gebracht werden soll“. Wenn es die erste Ratssitzung nach der Sommerpause werde, sei das auch noch in Ordnung.

Und wenn es noch länger dauert? „Diese Frage stellt sich für uns nicht“, so Sandner. Man habe Wuppertal verbindlich das Vorrecht für 2031 eingeräumt. Mitte des Jahres seien es noch ziemlich genau zehn Jahre bis zur Buga. „Ein sinnvoller Vorlauf“. Es werde viel Zeit für die Vorbereitung gebraucht, der Aufwand sei immens. „Das ist keine einfache Blümchenschau“. Bei Rostock, das für 2025 für Schwerin eingesprungen war, merke man jetzt, wie knapp die Zeit bemessen sei.

In diese Bredouille will Wuppertal gar nicht kommen, betont Uwe Schneidewind. Die Ausrichtung einer Buga sei ein umfangreicher Beteiligungsprozess, der seine Zeit brauche. Auch die BGS benötige eine Sicherheit. Im Sommer soll der Rat deshalb die Entscheidungsvorlage haben, betont der OB. Zum einen müssten dafür noch einige inhaltliche Fragen hinsichtlich des Konzeptes geklärt werden. Zum anderen gehe es natürlich um die Finanzierung. Die Corona-Krise und deren Folgen für den Haushalt seien ein wichtiger Punkt. Die Stadt dürfe sich finanziell auf keinen Fall übernehmen.

Um welche Summen es geht, könne noch nicht genau beziffert werden. In der ersten Machbarkeitsstudie von 2018 war von rund 71 Millionen Euro die Rede, verteilt auf den Zeitraum von 2018 bis 2032, mit Schwerpunkt im Jahr 2027. Die Studie werde fortgeschrieben, so dass im Sommer eine belastbare Zahl vorliege, so Schneidewind. „Dann auch als Grundlage für eine politische Beschlussfassung.“

Doch nicht nur die Kosten sind zu klären. Ein wichtiger Punkt zudem: die Konzeption der Flächen. Anfang des vergangenen Jahres war durchgesickert, dass die Stadt möglicherweise für die Zugänge zur Buga auf ein Areal am Bahnhof Vohwinkel angewiesen sein könnte, das aktuell der Clees-Gruppe gehört. Gespräche seien zuletzt nicht mehr konkretisiert worden. Laut OB versuche die Stadt aber so zu planen, „dass das Konzept am Ende eben nicht an einem Grundstück hängt“.

Während sich sein Vorgänger Andreas Mucke stets als entschiedener Verfechter einer Buga präsentierte, ist Schneidewind zurückhaltender. Für eine Stadt wie Wuppertal sei es wichtig, „dass wir Dekadenprojekte haben, die deutlich zeigen, in welcher Aufbruchstimmung die Stadt ist“. Die Buga habe dafür Potenzial. „Wir dürfen darüber aber nicht leichtsinnig werden.“ Es gehe nun darum, in den nächsten Monaten gemeinsam mit dem Rat zu prüfen. „Ist die Buga das Großprojekt, das wir umsetzen wollen?“

SPD sieht Buga und Tanzzentrum nicht im Wettbewerb miteinander

Schließlich hat Wuppertal mit dem Pina-Bausch-Zentrum ein zweites vor der Brust, das schon deutlich weiter ist, betont der OB. Und das zum Beispiel auch mit einer Aufwertung des Elberfelder Zentrums einhergehen würde. Die Buga, so war öfter von Kritikern zu hören, spiele sich vor allem nur im Westen der Stadt ab. „Das Pina-Bausch-Zentrum darf als Projekt nicht ins Straucheln kommen“, so Schneidewind, die Buga müsse damit gut abgeglichen werden.

Beide Projekte „stehen nicht im Wettbewerb zueinander“, sagt SPD-Chef Servet Köksal. Es sei Aufgabe der Verwaltung, die Machbarkeit von beiden anzustreben. Von der Bundesgartenschau werde Wuppertal profitieren, sei er überzeugt, sowohl in touristischer Hinsicht, dem Image und der Stadtentwicklung.

Die Frage nach dem möglichen Schlüsselgrundstück im Besitz der Clees-Gruppe müsse aber auf jeden Fall geklärt werden, ebenso wie weitere Punkte. „Spätestens im April erwarte ich von der Verwaltung einen Zwischenstand, damit wir in der Sitzung danach einen Grundsatzbeschluss fassen können“, so Köksal. Die Verwaltung müsse sich auf konkrete Projekte konzentrieren wie die Buga und nicht auf theoretische Konzepte.

Die Stadt müsse bei der Bewerbung „in die Pötte kommen“, erklärt Paul Yves Ramette, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Weil eine Vorlage bislang fehle, gebe es aber noch keine ganz abgestimmte Meinung, räumt er ein. Wichtig sei, dass das Projekt, wenn es zustimmungsfähig sei, „einen ökologischen Charakter hat“. Eine Buga dürfe nicht nur mit dem Auto erfahrbar sein. Zudem sei eine Bundesgartenschau ein „großer finanzieller Happen“.

Eine Buga sei ein tolles Projekt, wenn es den Stadtentwicklungszielen dient, sagt Ludger Kineke, CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat. Aber es gebe einige Punkte für Wuppertal, die zu hinterfragen seien, etwa die Konzentration auf den Westen der Stadt oder die Nutzung großer landwirtschaftlicher Flächen.

Bevor Dinge zu weit getrieben werden, müsse man im Vorfeld klären, „wo man Veränderungen vornehmen kann, damit das Projekt besser zu unseren Vorstellungen von moderner Stadtentwicklung passt“.

Peter Vaupel, Vorsitzender des Stadtverbandes der Bürgervereine, spricht von einer „Gnadenfrist“ der DBG für Wuppertal bis Sommer. „Diesen wichtigen Termin sollten wir nicht verstreichen lassen, sonst haben wir keine Chance mehr“, erklärt Vaupel. Er wolle nun auch noch einmal die Gespräche mit den Parteien, insbesondere der CDU suchen. Diese habe im vergangenen Sommer „bei uns einige Fragen ausgelöst“, sagt Vaupel und erinnert noch einmal an den Beschluss der Bürgervereine, die sich klar für eine Buga ausgesprochen hätten.

Auch Alt-OB Peter Jung (CDU) bekräftigte noch einmal, dass er hinter dem Projekt stehe, „das Wuppertal weiterbringen würde“.

Buga

Konzept: Für die Buga haben die Stadt und ihre Partner bereits einige Ideen erarbeitet. Höhepunkte könnten eine Hängebrücke, die Kaiser- und Königshöhe verbinden soll, und eine Seilbahn über dem Zoo werden.

Flächen: Kritik war aus Reihen der Bauernschaften laut geworden. Grundsätzlich sei man nicht gegen eine Buga. Dass dafür aber viele landwirtschaftlich genutzte Flächen umgewidmet werden sollen, gefällt nicht allen.

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