Innenstadt

Brücken: Es besteht Sanierungsbedarf

Die Autobahnbrücke, die unter der die Uellendahler Straße verläuft, ist in einem schlechten Zustand. Archivfoto:
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Die Autobahnbrücke, die unter der die Uellendahler Straße verläuft, ist in einem schlechten Zustand.

Wuppertal. Verkehrsexperten erwarten in den nächsten Jahren Probleme in der Wuppertaler Innenstadt.

Von Jonas Meister

Die Bestandsliste der Bundesanstalt für Straßenwesen (Bast) zeigt, dass es in Wuppertal 73 Brücken an Autobahnen gibt. In welchem Zustand sie sich befinden, zeigt das Programm „Fokus: Brücken“ der Bast. Eine Auswertung dieser Daten durch die Redaktion zeigt, dass sich die Bauwerke im Tal, anders als viele andere in Deutschland, nach Expertenansicht nicht in einem „katastrophalen Zustand“ befinden. Trotzdem ist Sanierungsbedarf da und könnte in den nächsten Jahren zu einer massiven Verkehrsbelastung der Innenstadt führen.

Neben dem bekannten „Sorgenkind“, der Schwelmetal-Brücke, gibt es einen weiteren Grenzfall: die Brücke Uellendahler Straße. So wird eine der zentralen Brücken im Verlauf der Autobahn A 46 durch die Stadt, die auch eine von 15 Wuppertaler Brücken der höchsten Traglaststufe ist, aktuell mit einem Wert von 3,4 benotet und befindet sich damit in einem „nicht ausreichenden Bauwerkszustand“. Ab 3,5 ist ein „ungenügender Bauwerkszustand“ und damit die schlechteste von sechs Zustandsnoten erreicht. Die bekam im Tal nur die Schwelmetal-Brücke, die 2006 teilerneuert wurde.

Wie es mit der A 46-Brücke über der Uellendahler Straße weitergeht, würde der Elberfelder Bezirksbürgermeister Thomas Kring (SPD) gern wissen: „Aus meiner Sicht wird es eine Riesenherausforderung, die A 46 während des Baus durchgängig befahrbar zu halten. Wie das funktionieren soll, dafür fehlt mir aktuell die Fantasie.“

Eine mögliche Sperrung würde aus Sicht von Kring für eine „große Verkehrsbelastung“ auf der Uellendahler Straße sorgen, da dort der „Raumbedarf für die zusätzlichen Fahrzeuge“ einfach nicht vorhanden sei. Weitere Auswirkungen sieht der Verkehrsexperte des ADAC Nordrhein, Roman Suthold: „Durch die besondere Tallage konzentriert sich der Verkehr in Wuppertal sehr stark auf bestimmte Streckenabschnitte. Baustellen oder Sperrungen auf der Stadtautobahn A 46 haben unmittelbar negative Folgen für die innerstädtische Verkehrslage. Der Verkehr staut sich dann vor allem auf der B 7. Wer sich im Wuppertaler Stadtgebiet auskennt, weicht möglicherweise noch auf Nebenstraßen aus, so dass auch hier das Verkehrsaufkommen zunimmt.“

Zustand vieler Brücken in NRW ist katastrophal

Wie es mit der Sanierung der A 46 in Wuppertal, die bis 2026 etwa 60 Millionen Euro kosten soll, weiter geht, ist fraglich. Nach der Übernahme der Aufgaben von Straßen NRW durch die Autobahn GmbH zum 1. Januar 2021 wurden bislang keine neuen Projektpläne vorgelegt. Nach dem Abschluss der Arbeiten am Westring steht demnächst der Umbau des Sonnborner Kreuzes an, bevor es überhaupt in den dritten Bauabschnitt Elberfeld geht. Dort war für das „Brückenbauwerk Uellendahler Straße“, das aus dem Jahr 1969 stammt und nach den neuesten Verkehrsdaten aus 2020 täglich von mehr als 84 000 Autos und 10 000 Lkw befahren wird, ursprünglich vorgesehen, die Brücke ab 2021 halbseitig neu zu bauen. So sollte die Hälfte in Fahrtrichtung Dortmund bis 2023 und im Anschluss die Hälfte in Fahrtrichtung Düsseldorf bis 2025 ersetzt werden.

Angesichts des Sanierungsstaus rund um die insgesamt 28 000 Brücken im Bereich Autobahnen bundesweit ist es fraglich, ob und wie dieser Zeitplan in Wuppertal eingehalten werden kann. Insgesamt soll ein „langfristig angelegtes Modernisierungsprogramm verfolgt werden. Die Arbeiten dazu laufen konzentriert entlang priorisierter Routen im Brückenmodernisierungsnetz“, erklärt Jasmina Matera von der Autobahn GmbH. Hier könnten in Wuppertal dann auch sieben weitere Brücken in den Fokus rücken. Sie bekamen nämlich ebenfalls eine Note von 3,0 und verfügen damit über einen „nicht ausreichenden Bauwerkszustand“, darunter etwa die Brücke Ittertaler Straße in Vohwinkel, der gesamte Sonnborner Knoten und die Brücke der Autobahnausfahrt Wichlinghausen.

Dass die Lage in Wuppertal zwar nicht aussichtslos ist, sich aber dennoch verschärft, ist ein Trend, den der ADAC-Experte im gesamten Bundesland beobachtet: „Der Zustand der Brücken in NRW ist katastrophal“, sagt Roman Suthold. So seien viele Autobahnbrücken, auch in Nordrhein-Westfalen, in den 60er und 70er Jahren gebaut worden. Schon damals habe man Prognosen aufgestellt, wie viel Verkehr in Zukunft über die Brücken fahren wird. Suthold: „Beim Bau der Brücken ist man noch von einer Lebensdauer von rund 80 Jahren ausgegangen. Der Lkw-Verkehr hat in den letzten Jahrzehnten aber enorm zugenommen. Und ein 40-Tonner belastet eine Brücke so sehr wie 60 000 Autos. Für die heutige Verkehrslast sind die Brücken nicht konzipiert worden, deswegen kommt es immer wieder zu Problemen.“ Und genau die bekommt man im Tal jetzt etwa an der Uellendahler Straße zu spüren.

Zustand

40 Brücken, die Mehrheit der 73 Brücken, auf, über oder unter denen in Wuppertal Autobahnen herführen, attestiert die Bundesanstalt mindestens eine Note von 2,4 und damit einen „befriedigenden Zustand“. Die Brücken am Damaschkeweg (1,7) und an der Wüstenhofer Straße (1,6) in Elberfeld sowie die Brücke Clausenstraße (1,6) in Barmen sind in einem „guten Zustand“.

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