Projekt

„Brandhaus Wuppertal“ soll Ort der Kunst werden

„Wuppertal funktional“ war Samuel Treindls (l.) erstes Kunstprojekt vor dem Brandhaus. Foto: Roman Mensing
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„Wuppertal funktional“ war Samuel Treindls (l.) erstes Kunstprojekt vor dem Brandhaus.

Künstler Samuel Treindl hat sich in die „Insel in der Stadt“ zwischen Schule, Wohnhäusern und Schwebebahn verliebt

Von Monika Werner-Staude

Wuppertal. Nach jahrelangem Stillstand und Verfall steht das Brandhaus Unterdörnen in Wuppertal vor einer neuen Zukunft. Treibende Kraft ist Samuel Treindl, der sich in Stadt und Haus verliebt hat. Ein Haus mit supertoller Lage, „eine Insel mitten in der Stadt“ zwischen Gesamtschule, Baumarkt, Wohnhäusern und Schwebebahn. Dass die Immobilie seit Jahren in schlechtem Zustand ist, stört ihn nicht. Er sieht das Potenzial.

Seit Dezember gehört es ihm, gerade hat der Künstler eine erste Veranstaltung, Workshops unter dem Titel „Wuppertal funktional“, mit Wuppertaler Bürgern gemacht – vor dem Haus natürlich, das noch nicht betreten werden darf. Die Stadt kennt das vier Stockwerke hohe Backsteingebäude, das zuletzt, 2018, auch noch brannte, immer wieder unter Vandalismus litt. Seit 2013 wird das Schrottimmobilien-Kataster geführt, seitdem steht das Haus auf der Liste.

1898 tauchte das ehemalige Lagergebäude erstmals in den städtischen Registern auf, gehörte einst der Firma Straube und wurde später von der Firma Narath für Farben und Lacke genutzt. Auch ein Großhandel für Chemikalien ließ sich einige Zeit darin nieder. Seit Jahren ist es aber ein Ärgernis, eine Ruine. Eine Herausforderung für jeden, der sich seiner annimmt, heißt es aus der Verwaltung, die Samuel Treindl entsprechend Respekt zollt.

Der aus Süddeutschland stammende Künstler entdeckte es, als er auf der Suche war. In einer wunderschönen Stadt, die er von Projekten her kannte, die „dynamisch, in Bewegung“ sei, nicht „fertig wie Münster“, wo er seit Jahren ein Atelier hat. Ein Standort für die Produktion von Kunst in Kooperation mit anderen, ohne feste Vorgaben oder feste Partner. „Ich arbeite in wechselnden Formationen je nach Projekt.“ Treindls Kunst ist spartenübergreifend, wirkt in den öffentlichen Raum.

In den letzten fünf Jahren hat sich der Wunsch nach Neuem intensiviert, in dieser Zeit habe er auch mobil gearbeitet. Schließlich hätten sich „Ort und Künstler gegenseitig gefunden“, was besser sei, weil er nun einen Ort zum Drucken mit Holz und anderen Materialien, für Ausstellungen und für vier Ateliers mit geschätzten 70 Quadratmetern Fläche und etwa 3,30 Meter hohen Wänden habe, die er hier einrichten will.

Erstes temporäres Projekt hat schon stattgefunden

Ein gutes halbes Jahr ist der gelernte Handwerker, Diplomdesigner und studierte Künstler (Meisterschüler an der Kunstakademie Münster) nun in Wuppertal. Bevor er das Gebäude mit seinem Seitenbau, dem überdachten Vorplatz und dem Innenhof auf dem länglich zur Straße Unterdörnen zulaufenden Grundstück kaufte, hat er geprüft und die Bausubstanz für gut befunden.

Nun rettet er ein Gebäude, das einen weiteren Winter nicht mehr überstanden hätte und abgerissen worden wäre, ist er sicher. Zwei Jahre sei da Wasser durchgelaufen. Mittlerweile ist das Dach abgedeckt, das Gebäude entrümpelt, Sicherungsmaßnahmen wurden durchgeführt, damit nichts zu den Nachbarn runterfällt, eine neue Stromversorgung gelegt. Treindl hat erste Sprossenfenster mit ihrem grünen Rahmen wiederhergestellt. Er macht viel selbst, die Familie unterstütze ihn, erzählt er. Einen Architekten hat er hinzugezogen, denn es muss nicht nur viel hergerichtet, sondern auch geplant und genehmigt werden.

Wann genau all das vollbracht sein wird, weiß er nicht. Fragt im Gegenteil, ob man das jemals sei und überhaupt sein wolle. Und richtet den Blick in die Zukunft, auf ein Bild, das zeigt, wie die Dinge aussehen werden, nicht wie sie sind. Er übernimmt Begriff und Bild ins Logo: Das „Brandhaus Wuppertal“ stellt er aus roten Rechtecken her, die an die Backsteine und zugleich an die Fensterwaben erinnern, in deren Mitte ein geöffnetes, grünes Fenster eingelassen ist. Zum Betreten einlädt.

An einem der letzten September-Wochenenden startete die erste Aktion. Spartenübergreifend mit der Schmuckdesignerin Vera Aldejohann und dem Klass-Büro für Gestaltung aus Hamburg. Auf selbst gebauten und bedruckten Tischen und Bänken. Nicht in Konkurrenz zur Freien Szene oder den vorhandenen Kultureinrichtungen in Wuppertal, deren Arbeit Treindl schätzt. Er will temporäre Projekte umsetzen, in den Stadtraum gehen. Durchaus nachhaltig, was die Nutzung der Materialien, aber auch die Wiederherrichtung des Gebäudes angeht. Es werde weitergehen, weitere Projekte werden folgen, ein Prozess, den er für andere öffnen will zu einem Haus, in dem zusammengearbeitet wird. „Die Leute kommen vorbei, wir müssen nur das Tor öffnen“, schwärmt er. „Ich bin überzeugt, dass das ein gutes Projekt wird, es gibt viel Energie.“

www.brandhaus-wuppertal.de

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