Bewährungsstrafe in Missbrauchsprozess

Velberter führte einen Kinderhilfsverein

Von Dirk Lotze

Velbert/Wuppertal Ein 60 Jahre alter, angeklagter Vater aus Velbert erhält in einem Prozess um Kindesmissbrauch ein Jahr und sechs Monate Bewährungsstrafe. Dieses Urteil fällte am Mittwoch das Landgericht Wuppertal. Der Mann hat gestanden, 2003 an einer Tochter sexuelle Handlungen vorgenommen zu haben. Bereits 2008 hatte ihn ein anderes Gericht wegen eines sexuellen Übergriffs auf eine Pflegetochter verurteilt. Es gibt eingestellte Verfahren zu Taten gegen weitere Mädchen. Sie würden die Strafe nicht wesentlich erhöhen, sollten sich die Vorwürfe erweisen.

Zeugen zufolge gründete und leitete der Mann über mehr als zehn Jahre einen regional tätigen Verein zur Unterstützung von Kindern. Während der gesamten Zeit sei eine Vorstandskollegin in seine kriminelle Vergangenheit eingeweiht gewesen. Diese Frau soll mindestens eine Tat des Mannes gekannt haben, Jahre bevor es zur Anzeige kam. In der aktuellen Verhandlung verhängte das Landgericht in Wuppertal ein Jahr und sechs Monate Freiheitsstrafe gegen den Angeklagten. Anzuwenden waren die Gesetze von 2003. Der Mann bleibt in Freiheit, wenn er 3000 Euro an den Kinderschutzbund zahlt.

Tochter verlässt empört den Gerichtssaal

Während der Urteilsverkündung verließ die heute 25 Jahre alte Tochter aufgebracht den Saal, nachdem sie dem Angeklagten einen Mittelfinger gezeigt hatte. Ein Bekannter folgte ihr. Er beschimpfte den Mann: „Du Stück Scheiße!“ Die Richterin ermahnte den Mann zur Ordnung. Laut Urteil verging sich der Mann an seiner Tochter im Allgäu während des Sommerurlaubs 2003. Beide waren am Tattag allein in der Familienunterkunft geblieben. Bei einer weiteren Tat später im damaligen Zuhause im Velberter Stadtteil Birth habe er einen Übergriff begonnen und abgebrochen, als andere Familienmitglieder heimkamen.

Es sind keine Übergriffe im Hilfsverein bekanntgeworden

Die Taten blieben zunächst unentdeckt. 2008 kam es zum Urteil wegen des Übergriffs auf die Pflegetochter. Die Eheleute trennten sich. Der heute 60-Jährige begann, mit einer Bekannten einen Kinderhilfs-Verein aufzubauen. Diese Frau sagte aus: Der Angeklagte habe ihr seine privaten Unterlagen zu seinem Prozess gegeben. Sie bestätigte, darin Hinweise auf einen Übergriff auf eine weitere Geschädigte gefunden zu habe. Diese Tat hatte der Mann vor Gericht nicht eingestanden; sie wurde laut Staatsanwaltschaft erst 2017 angezeigt. Die Zeugin sagte, der Angeklagte und sie hätten gemeinsam beschlossen, dass er sich bei der Vereinsarbeit um die Eltern und die Verwaltung kümmern sollte. Fazit der Zeugin: „Ich habe da kein Problem gesehen.“ Übergriffe in dem Hilfsverein sind nicht bekanntgeworden.

Die Tochter des Mannes sagte aus, sie habe ihn angezeigt, nachdem ihr die Tragweite der Missbrauchstaten und der Bezug zum Verein bewusstgeworden sei: „Ich finde, das ist keine Umgebung, in der man Kinder fördern kann.“ Sie sehe den Vater als Pädophilen und erläuterte: „Man kann sich in Therapie begeben, ohne Kinder angefasst zu haben. Man kann sagen: ,Halt, stopp, das ist nicht normal. Ich geh mal zum Arzt und lass das durchchecken’.“ Der Angeklagte kann gegen das Urteil Revision einlegen.

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