Kuriose Prozesse

Kuriose Fälle vor dem Amtsgericht Wuppertal

Für die Entführung eines Welpen wurden sieben Monate Haft auf Bewährung ausgesprochen. Foto: gob
+
Für die Entführung eines Welpen wurden sieben Monate Haft auf Bewährung ausgesprochen.

Trotz Pandemie konnte der Betrieb aufrechterhalten werden.

Von Katharina Rüth

Wuppertal. Auch die Gerichte mussten sich wegen der Covid-19-Pandemie in ihrer Arbeit umstellen, Schutzmaßnahmen für Beschäftigte, Betroffene und Besucher ergreifen. Trotzdem liefen im Wuppertaler Justizzentrum, dessen Landgericht auch für Solingen und Remscheid zuständig ist, viele Verfahren weiter. Vor allem am Amtsgericht gab es einige Prozesse, die zum Schmunzeln anregen.

Stefan Spätgens, Direktor des Wuppertaler Amtsgerichts, betont, dass sich das Hygienekonzept, erarbeitet mit Land- und Arbeitsgericht, bewährt habe und ständig nachjustiert werde. Ein neues Raumkonzept wurde erarbeitet, um alle publikumsrelevanten Bereiche innerhalb des Eingangsbereichs im Erdgeschoss zu konzentrieren. Besucher müssen so den Bürobereich nicht mehr betreten. Vor den Verhandlungssälen gilt ein Einbahnstraßensystem, ohnehin besteht Maskenpflicht.

Die Digitalisierung habe „einen zusätzlichen Schub“ erfahren, so Spätgens. Durch Ausstattung der Beschäftigten mit mobilen Endgeräten sei mehr Homeoffice möglich, Bürger könnten Termine online buchen. Spätgens versichert: „Alle Anliegen der Bürgerinnen und Bürger konnten jederzeit erfüllt werden.“

Obwohl zeitweise nur die Hälfte der Beschäftigten im Haus war, habe sich der Bestand noch zu bearbeitender Verfahren nicht wesentlich erhöht. Im ersten Lockdown im Frühjahr wurden viele Verfahren vertagt, bei denen keine Eilbedürftigkeit bestand. Das ist auch jetzt wieder der Fall.

Dennoch konnten viele Verfahren stattfinden, darunter das gegen drei Diebe, die auf fette Beute in einer Bäckerei hofften. Tagsüber erkundeten sie das Geschäft, nachts kamen sie zurück, schleppten den 60-Kilo-Tresor auf die Straße, wo sie ihn in ein extra gemietetes Auto verfrachten wollten. Aber das alles blieb nicht unbemerkt, die Polizei stoppte die Aktion. Gelohnt hätte sich der Aufwand ohnehin nicht: 1500 Euro lagen im Safe. Ein Mann entkam, die beiden anderen wurden im Januar zu einer Haft- und einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Schwebebahnausstieg und teure Taxifahrt

Erfolglos blieb auch das Paar, das aus seiner Sicht nur das Wohl eines Labrador-Welpen im Sinn hatte: Sie hatten „Cooper“ an eine Wuppertaler Familie verkauft, glaubten ihn aber bald in falschen Händen, weil er etwa nicht aufs Sofa durfte. Gute Ratschläge wollten die Neu-Besitzer bald nicht mehr hören, die Verkäufer fürchteten Schlimmstes und passten das neue Frauchen beim Gassigehen ab. Der Hund sprang in ihr Auto, das Frauchen stießen sie weg und fuhren davon. Das Gericht widersprach der Ansicht der Vorbesitzer, sie könnten den Kaufvertrag wieder rückgängig machen. Für die Entführung – rechtlich gesehen ein Raub – und Körperverletzung gab’s im Februar als Strafe sieben Monate auf Bewährung und eine Geldauflage.

Große Aufmerksamkeit bekam der Mann (31), der bereits im Jahr 2019 bei einem längeren Halt der Schwebebahn am Bahnhof Werther Brücke kurzerhand das Fenster einschlug und ausstieg. Ein Video davon bekam im Internet viele Klicks. Seine Mitfahrer mussten dann auch aussteigen, die Schwebebahn anschließend in die Werkstatt. Diese „gemeinschädliche Sachbeschädigung“ wurde im Mai mit mehreren Einbrüchen vor Gericht verhandelt, der 31-Jährige zu 22 Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

Mit Bewährung kam ein 32-Jähriger davon, der mit den Stadtwerken auf ungewöhnliche Weise verhandeln wollte. Er war Kosten für Strom in seiner Wohnung und seinem Geschäft schuldig – rund 7000 Euro. Als ihm die Wuppertaler Stadtwerke mit Sperrung des Anschlusses drohten, drohte er, mit einer Bombe in die Zentrale zu kommen. Das wirkte nur kurzfristig. Vor Gericht gab es dafür und für Betrugstaten beim Schmuckverkauf 19 Monate auf Bewährung.

Geld schuldig blieb auch Ex-DSDS-Sänger Menowin Fröhlich. Der 33-Jährige hatte sich mit dem Taxi von Wuppertal nach Bochum und Dortmund fahren lassen – 167 Euro kostete das, er hatte aber kein Geld dabei, zahlte auch später nicht. Vor Gericht wurde es noch teurer: 4500 Euro Geldstrafe gab es im Oktober.

Mann darf Minister „rote Null“ und „Ministerdarsteller“ nennen

Geld war der Anlass für einen 45-Jährigen, den damaligen NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans zu beschimpfen. Der 45-Jährige klagte gegen die Rundfunkgebühren, wollte die Prozesskosten von der Steuer zurück. Im Streit mit dem Finanzamt darüber betitelte er den Minister in einem Schreiben als „rote Null“, die „als Genosse Finanzministerdarsteller dilettiert“. Das führte zu einer Anzeige und einer Verurteilung wegen Beleidigung, gegen die er bis vors Bundesverfassungsgericht zog. Das gab ihm Recht, das sei noch im Rahmen der Meinungsfreiheit hinzunehmen. Im November folgte das Amtsgericht und sprach den Mann frei.

Ein recht pikanter Prozess ist noch nicht entschieden: Ist es eines Karnevalsprinzen unwürdig, sich in Ornatsjacke, aber ansonsten unbekleidet abzulichten und das Foto weiterzugeben? Das Carneval Comitee Wuppertal fand ja, kündigte den Prinzenvertrag. Dagegen klagt der geschasste Prinz. Das Gericht muss urteilen, ob ein Kündigungsgrund vorliegt – am 22. Januar steht die Entscheidung an.

Teurer Chat

Noch in der Berufung ist der Fall eines 36-jährigen Mannes, der für mehr als 900 Euro erotische Gespräche im Internet führte. Das ist teuer, aber nicht verboten. Doch er nutzte fiktive Accounts und zahlte nie. Wegen dieser und weiterer Betrugstaten wollte das Amtsgericht ihn für insgesamt vier Jahre in Haft schicken. Dagegen hat er Berufung eingelegt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Die Vergessenen aus dem Morsbachtal
Die Vergessenen aus dem Morsbachtal
Die Vergessenen aus dem Morsbachtal
Video von Unfallgeschehen gemacht? Remscheidern droht Strafverfahren
Video von Unfallgeschehen gemacht? Remscheidern droht Strafverfahren
Video von Unfallgeschehen gemacht? Remscheidern droht Strafverfahren
Öffentlichkeitsfahndung nach unbekanntem Einbrecher
Öffentlichkeitsfahndung nach unbekanntem Einbrecher
Öffentlichkeitsfahndung nach unbekanntem Einbrecher
Düsseldorfs autofreies Ökodorf
Düsseldorfs autofreies Ökodorf
Düsseldorfs autofreies Ökodorf

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare