Interview

Betrüger rufen aus der Türkei an

Wolf-Tilman Baumert ist Oberstaatsanwalt in Wuppertal.
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Wolf-Tilman Baumert ist Oberstaatsanwalt in Wuppertal.

Interview zu den Ermittlungen im Fall „Falsche Polizisten“

Die Fragen stellte Katharina Rüth

Wuppertal. Am Wuppertaler Landgericht läuft derzeit ein Verfahren gegen drei Männer aus Norddeutschland, die auch einem Wuppertaler viel Geld abgenommen haben. Über die Ermittlungen berichtet Wolf-Tilman Baumert, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Wie sind Sie auf die Täter gekommen?

Wolf-Tilman Baumert: Die „EG Recall“ des LKA Schleswig-Holstein hatte erste Erkenntnisse bezüglich der nun vor Gericht stehenden Tätergruppe erlangt und diese gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Kiel verfolgt. Aufgrund der örtlichen Zuständigkeit wurde ein Teil der Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft Wuppertal abgegeben. Die hierhin mitgeteilten Informationen führten zu den hiesigen Ermittlungen.

Wie liefen die Ermittlungen – es gab wohl eine Telefonüberwachung?

Baumert: Es wurden umfangreiche Ermittlungen geführt. Unter anderen erfolgte auch eine Telefonüberwachung. Im Zuge des Verfahrens konnte dann ein Tatnachweis gegen die Angeklagten erbracht werden. Dies gelang teilweise auch durch Vernehmungserkenntnisse und die Auswertung aufgefundener Beweisstücke. Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass ich unsere Arbeitsweise nicht zu detailliert darstellen möchte.

„Genau kann dies niemand sagen, da manche Fälle aus Scham gar nicht angezeigt werden.“

Wolf-Tilman Baumert über die Dunkelziffer

Wie haben Ihnen die Angeklagten geholfen?

Baumert: Die Angeklagten haben teilweise Angaben gemacht, die natürlich durch weitere Ermittlungen überprüft worden sind. Soweit sich aus den Angaben Hinweise auf weitere Täter ergeben haben, wird dem selbstverständlich nachgegangen. Derzeit gibt es mehrere Verfahren wegen dieser Betrugsmasche, auch gegen die mutmaßlichen Hinterleute der hier verhandelten Taten.

Welche anderen Behörden bzw. Länder sind involviert?

Baumert: Wir arbeiten hier sehr eng mit den Kollegen aus Schleswig-Holstein, insbesondere mit der dort bei dem LKA ansässigen „EG Recall“ zusammen. Hierbei handelt es sich um eine Spezialeinheit, die ausschließlich wegen der Telefonbetrugsmasche „falsche Polizisten“ ermittelt. In der Türkei werden parallel ebenfalls Ermittlungen geführt.

Warum läuft das Verfahren in Wuppertal?

Baumert: Hier kam es zu der schwersten Tat der jetzt angeklagten Tätergruppe. Mit dem „Deliktsschwerpunkt“ haben wir die Ermittlungen gegen die jetzt angeklagten Personen übernommen.

Wie viele solche Fälle gibt es?

Baumert: Genau kann dies niemand sagen, da manche Fälle aus Scham gar nicht angezeigt werden. Man wird davon ausgehen müssen, dass es bundesweit pro Jahr eine dreistellige Anzahl von vollendeten Taten geben dürfte. Die Zahl der erfolglosen Anrufe dürfte noch sehr viel höher sein.

Wie gelingt es, an die Täter heranzukommen?

Baumert: Hierzu möchte ich aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben machen. Besonders erfolgreich können wir arbeiten, wenn angerufene Opfer uns zeitnah verständigen und wir bei der geplanten Geldübergabe zugreifen können.

Arbeiten die Tätergruppen unabhängig voneinander oder gibt es Verbindungen?

Baumert: Entwickelt wurde die „Masche“ von in die Türkei abgeschobenen Straftätern, die aufgrund ihrer Kenntnisse der deutschen Sprache gerne als Anrufer – sogenannte Keiler – eingesetzt werden. Jedenfalls zum Teil dürften die Taten von sogenannten „Clans“ organisiert und betrieben werden. Wir gehen davon aus, dass es mehrere unabhängig voneinander tätige Tätergruppen gibt. Die Callcenter dürften im Wesentlichen in der Türkei, den Großräumen Istanbul und Izmir, liegen.

Rund um den Prozess

Neben dem aktuellen Prozess steht demnächst ein weiteres Verfahren an. Das haben die Ermittler einem geistesgegenwärtigen Opfer zu verdanken. Der 76-Jährige wurde von einem angeblichen Enkel angerufen, der 25 000 Euro brauchte. Wenig später meldete sich ein angeblicher Polizist des LKA, der behauptete, dem ersten Anrufer auf der Spur zu sein. Dem Täter solle eine Falle gestellt und die Wertsachen als Köder auf der Straße abgelegt werden. Der Angerufene durchschaute den Trick und informierte die echte Polizei.

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