Jubiläum

Besucher tauchen in vergangene Welten ein

Blick in die Ausstellung „Von Wunschzetteln und Theaterliebe – 100 Jahre Düsseldorfer Volksbühne“.
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Blick in die Ausstellung „Von Wunschzetteln und Theaterliebe – 100 Jahre Düsseldorfer Volksbühne“.

Ausstellung „100 Jahre Düsseldorfer Volksbühne“ läuft bis zum 12. Februar.

Von Stephan Eppinger

Düsseldorf. Die größte Besuchervereinigung NRWs wurde 1921 gegründet, coronabedingt ein Jahr verspätet feiern nun das Düsseldorfer Theatermuseum und „Kultur am Rhein – Düsseldorfer Volksbühne“ das Jubiläum gemeinsam. Das Kooperationsprojekt zeigt die Geschichte des Vereins nicht chronologisch, sondern legt den Fokus auf die Besonderheiten der Düsseldorfer Volksbühne. Kuratiert wurde die bis zum 12. Februar laufende Schau von der Theater-Medienkulturwissenschaftlerin und Kunsthistorikerin Christina Vollmert.

Die Volksbühnenbewegung hat ihren Ursprung in der Arbeiterbewegung des späten 19. Jahrhunderts. Auch den Arbeitern sollte die Teilnahme an Kultur ermöglicht werden, denn aufgrund der hohen Kartenpreise waren sie von Theater und Konzerten allzu oft ausgeschlossen. Die Volksbühnen bemühten sich deshalb mit ihren jeweiligen lokalen Ablegern um günstige Eintrittskarten, die allen Menschen den Zugang zu kulturellen Veranstaltungen ermöglichen sollten. Gleichzeitig gewannen sie dadurch auch an Einfluss auf das Programmangebot, da sie schließlich eine große Menge an Zuschauerinnen und Zuschauern repräsentierten.

Für Vollmert sind es die Mitglieder, die die Volksbühne auszeichnen: „In den Vorgesprächen zur Ausstellung mit Mitgliedern und Mitarbeitern kam eines immer wieder zum Ausdruck: Alle Beteiligten betonten stets den besonderen Gemeinschaftsaspekt der Volksbühne. So ist es nur richtig, die Mitglieder und das gemeinschaftliche Miteinander in den Fokus der Ausstellung zu stellen. Denn darin liegt ja auch die Wesensbestimmung aller darstellenden Künste: Ohne Publikum kann es keine Aufführungen geben. Als Zuschauer sind die Mitglieder der Volksbühne das tragende Element des Theatererlebnisses.“

In der Ausstellung begegnen die Besucher den Volksbühnenmitgliedern in Videointerviews, Fotoplanen vergangener Werbekampagnen und in Reproduktionen von Wunschzetteln. Über diese Wunschzettel geben die Mitglieder zu Beginn der Spielzeit an, welche Gattung sie bevorzugen und an welchen Tagen sie am liebsten Theater, Kleinkunst, Oper oder Konzert aufsuchen möchten.

Die Wünsche der Mitglieder vor den Theatern zu vertreten, ist Aufgabe der Geschäftsführung. Die 2020 verstorbene Friederike Wilms ist als Geschäftsführerin legendär gewesen: nicht nur wegen ihres Engagements für „ihre“ Zuschauer, sondern auch wegen ihrer exquisiten Garderobe. Einige Kleider, die sich Wilms gerne maßschneidern ließ, sind im Theatermuseum zu sehen.

Fotoalben bezeugen feuchtfröhliche Abendstunden

Langjähriger Vorsitzender der Volksbühne war Gerd Högener, der für die Landeshauptstadt zunächst ab 1965 als Kämmerer tätig war, diese Position später im Verbund mit dem Kulturdezernat ausführte und von 1976 bis 1987 als Oberstadtdirektor die Verwaltung führte. Unter seiner Leitung erlebte die Besuchervereinigung eine Hochphase, nicht nur wegen der hohen Mitgliederzahlen, sondern ebenso aufgrund ihres Einflusses auf die Düsseldorfer Kultur.

Bereits sein Vater Mathieu Högener, der an der Gründung 1921 beteiligt war, fungierte ab der Neugründung nach 1945 als Vorsitzender der Volksbühne. Ein Amt, das Gerd Högener 1961 von ihm übernahm. Högeners Einfluss innerhalb der Volksbühne, aber auch in Verwaltung und Politik, verdeutlichen Fotografien und Presseberichte. Diese Objekte illustrieren, inwiefern der Erfolg einer ehrenamtlich geführten Besuchervereinigung stark von den Menschen abhängt, die sich für sie engagieren und ihre Netzwerke für sie einsetzen.

Zum Abschluss führt die Ausstellung in die Kellerbar im Untergeschoss der Geschäftsstelle der Volksbühne in Oberkassel. Eine Fototapete mit Impressionen aus dieser Bar zusammen mit Möbeln der 50er und 60er Jahre aus dem Fundus des Düsseldorfer Schauspielhauses lässt die Besucher in eine vergangene Welt eintauchen, in der kulturpolitische Entscheidungen manchmal in kleiner Runde getroffen wurden, bevor sie im Kulturausschuss offiziell diskutiert wurden. Fotoalben bezeugen außerdem feuchtfröhliche Abendstunden, in denen immer das Netzwerk gepflegt und der Einfluss erweitert wurde.

Theatermuseum

Das Museum hat Dienstag bis Freitag jeweils von 13 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 13 bis 19 Uhr geöffnet. Tickets kosten vier Euro, zwei Euro ermäßigt.

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