Besucher reisen zurück ins Jahr 1218

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Großes Staunen: Der Herzog begrüßt diese Hamburger Familie, die von der Atmosphäre im Rittersaal beeindruckt ist. Foto: Roland Keusch

Lagerleben zur Zeit der Grafen von Berg: Wahre Bergische Ritterschaft bevölkert derzeit Schloss Burg.

Von Wolfgang Günther

Solingen. Seit gestern hat die Wahre Bergische Ritterschaft wieder ihr Lager auf Schloss Burg, der größten rekonstruierten Burg in Nordrhein-Westfalen, aufgeschlagen, und lädt kleine und große Besucher abermals zum Eintauchen in die Welt des Mittelalters ein. „Das Interesse ist heute sehr groß, schon vor der Öffnung um 10 Uhr standen an der Kasse viele Besucher an“, sagte gestern Marcel Bethke, Mitarbeiter des Schlossbauvereins.

Auf die Fahnen geschrieben hat sich die Bergische Ritterschaft die Zeit zwischen 1218 und 1225, als Schloss Burg an der Wupper, damals historisch noch „Neueburg“ genannt, unter der Herrschaft des Grafen Engelbert II. von Berg stand. Hier war im Mittelalter einer der wichtigsten Orte im Gebiet nördlich der Alpen.

Die Tage um Ostern markieren traditionell die erste Burgbelebung des Vereins „Wahre Bergische Ritterschaft“ auf Schloss Burg mit Männern in Rüstungen, Handwerkern, Köchen und Frauen mit überkommenem Handwerk. Neben den geschichtlichen Erlebnissen im Museum sorgen die Ritter mit ihrem Gefolge in ihrem Lager im Brunnenhof und auf der Nordterrasse bis Ostermontag für hautnahe Bekanntschaft der Besucher mit dem alltäglichen Leben auf einer Burg.

Dort wird an allen Tagen durchgehend gekocht, gewebt, von geschickten Handwerkern gearbeitet und auch in Zelten bei offenem Feuer übernachtet. „Wir haben uns auf die Eröffnung der Saison sehr gefreut, und sind begeistert über das schöne Frühlingswetter, es gab an Ostern auch schon mal einen halben Meter Schnee in der Nacht, das war weniger schön“, sagte gestern Ritter Michael von Upladingen. Er gibt an den vier Tagen regelmäßig den Besuchern ein Schwert in die Hand, unterrichtet im Brunnenhof im Schwertkampf und kann großen und kleinen Burgbesuchern viel über die Zeit des Mittelalters auf Schloss Burg erzählen.

Die mittelalterliche Tracht wird dabei vom Ritter über die heil- und naturkundigen Mägde bis hin zum Kleinkind getragen, und so kann man an diesen Tagen in ein Leben eintauchen, wie es sich früher vielleicht einmal auf Schloss Burg abgespielt hat. Zum Osterfest stehen dort selbstverständlich auch Osterbräuche im Vordergrund: Warum wurden zum Beispiel Eier gefärbt und vor allem wie?

Zehnjähriger lässt Besucher nur nach Erlaubnis des Grafen durch

Natürlich gehört zum Besuch auf Schloss Burg auch ein Rundgang durch das Museum. Nach dem Betrachten der historischen Gemälde im Rittersaal gab es gestern aber einen Halt in der Kemenate. Dort mussten alle Besucher erst einmal eine kurze Inspektion über sich ergehen lassen. Der Ritter Thorsten, Rollenname Graf von Criemenholl, schlüpfte zu dem Anlass in die Person des Schlossherrn Graf Engelbert, und unterzog alle Besucher einer peinlichen, aber lustigen Befragung.

Das Gebiet der Grafen von Berg zog sich in seiner Blütezeit vom Herzogtum Kleve bis vor die Tore Kölns. Und jede Familie aus diesem Gebiet musste dem Grafen seinen Tribut zollen, das prüfte Graf Engelbert zur Überraschung der Schlossbesucher anhand einer historischen Karte sehr genau. Als Abgabe konnte ein Apfel, eine Birne oder nur ein Bonbon dienen. Und wer nichts abgeben konnte, der kam halt mit einer humorvollen Bemerkung davon.

„Aber dann müssen sie auch noch an mir vorbei“, sagte gestern der junge Remscheider Robin Ertz. Der Zehnjährige ist bereits Mitglied bei der Wahren Bergischen Ritterschaft und ließ mit seiner Lanze nur jene Besucher passieren, denen von seinem Graf Engelbert der Durchgang gewährt wurde. Von der Burgbelebung und vom schönen Wetter profitierte gestern auch die Gastronomie sowie die Seilbahn in Burg.

Mehr Fotos: www.solinger-tageblatt.de

WEITERE TERMINE

ZEITEN Von heute bis Ostermontag ist das Museum Schloss Burg von 10 Uhr bis zusätzlich 18 Uhr geöffnet. Die nächsten Burgbelebungen der Wahren Bergischen Ritterschaft sind an den Wochenenden 6./7. Juli, 14./15. September, 28./29. September und 12./13. Oktober. Von Donnerstag, 30. Mai, bis Sonntag, 2. Juni, führen die Georgs-Ritter im Brunnenhof ihre Ritterspiele um 11, 14 und 16 Uhr auf. Weiterer Termin: 8. bis 10. Juni.

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