Sechste Generation

Besteckfabrik Mono feiert 125-jähriges Bestehen

Prokurist Ulrich Schlaf zeigt Besteck in der Schleiferei der Traditionsfirma Mono. Fotos: Mono
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Prokurist Ulrich Schlaf zeigt Besteck in der Schleiferei der Traditionsfirma Mono.

2006 hat das Mettmanner Traditionsunternehmen auch die Solinger Marke Pott übernommen.

Von Rabea Gruber

Mettmann. Der Name Mettmann steht nicht nur für das Neandertal, für Kalkabbau und bergische Architektur, sondern auch für Besteck. In sechster Generation fertigt die Familie Seibel in der Kreisstadt Besteck an, gekauft wird es von Design-Fans auf der ganzen Welt. In diesem Jahr feiert das Unternehmen sein 125-jähriges Bestehen. Und wären nicht Lockdown und pandemie-bedingte Auflagen gewesen, würde dieses Jubiläum groß gefeiert.

Angefangen hat alles mit der Britanniawarenfabrik W. Seibel. Wilhelm Seibel I. gründete sie im Juni 1895. 15 Jahre später war die Fabrik bereits auf 240 Mitarbeiter angewachsen, 1911 wurde das Zweigwerk im hessischen Ziegenhain, heute ein Stadtteil von Schwalmstadt, eröffnet. Der internationale Durchbruch folgte 1936. „Da haben wir das Besteck für die Olympischen Sommerspiele gestaltet“, berichtet Unternehmenssprecher Ulrich Schlaf.

In den 50er Jahren wandelte sic h die Branche grundlegend

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verbesserte sich die Auftragslage zunächst deutlich – so wuchs die Belegschaft auf 1000 Mitarbeiter. Dann folgte der Einbruch: „Durch den Anstieg der Importe ist die Firma fast zugrunde gegangen“, sagt Schlaf. Vor allem in Spanien und Japan saß starke Konkurrenz. Bis in die 60er Jahre schlossen 90 Prozent der deutschen Besteckfabriken.

Die Bestecke werden in der Mettmanner Fabrik von Hand gefertigt.

Dass die Firma Seibel keine von ihnen wurde, lag an einer bestimmten Entscheidung: Statt auf Massenproduktion habe man sich auf Design-Bestecke fokussiert. Mit der Besteckserie „Mono A“ des Designers Peter Raacke wurde das Unternehmen weltberühmt. 1984 wurde die „Mono“-Produktion aus Ziegenhain nach Mettmann verlegt. Seitdem hieß das Unternehmen Mono-Metallwarenfabrik Seibel, seit 2014 Mono.

2006 übernahm die Firma den Besteckhersteller Pott

Von Produktion über Versand bis Verwaltung sind heute alle Unternehmensbereiche auf rund 2000 Quadratmeter großen Betriebsgelände in Mettmann angesiedelt. „Aktuell beschäftigen wir 25 Mitarbeiter“, sagt der Unternehmenssprecher. Damit ist die Zahl in den vergangenen 15 Jahren deutlich gesunken: 2006 waren es noch 45 Mitarbeiter. In dem Jahr übernahm die Firma den Solinger Besteckhersteller Pott inklusive aller Mitarbeiter. Seitdem seien einige Kollegen in Rente gegangen, sagt Schlaf. Außerdem hätten nicht alle der ehemaligen Pott-Arbeiter mit nach Mettmann umziehen wollen.

Dass Design-Besteck eine Zukunft hat, davon sind die Firma und ihre Mitarbeiter überzeugt. „Wir haben viele Kunden im europäischen Ausland und in den USA“, berichtet der Firmensprecher. Bei Mono werde auch Nachwuchs ausgebildet, sowohl im kaufmännischen Bereich als auch in der Metalltechnik.

Wegen der Corona-Pandemie hat das Unternehmen in diesem Jahr allerdings keine neuen Auszubildenden gesucht. „Wir möchten nur ausbilden, wenn wir die Leute danach auch übernehmen können“, berichtet Schlaf. Im Moment sei die Lage zu unsicher: „Die Schließung des Einzelhandels im März hat auch uns getroffen, das mussten wir durch Kurzarbeit auffangen.“ Mittlerweile werde zwar wieder in Vollzeit gearbeitet, aber die nahe Zukunft sei stark an die Entwicklung im Einzelhandel geknüpft.

Ausfallen soll das Fest anlässlich des 125-jährigen Bestehens – Corona zum Trotz – nicht: Eine Feier entfällt zwar, aber noch bis zum Monatsende gibt es einen Jubiläumsverkauf.

Familienbetrieb

Das Logo des Unternehmens Seibel, ein vierblättriges Kleeblatt, steht für die vier Söhne des Firmengründers. Heute ist das Mettmanner Besteck nicht nur auf Tischen zu finden, sondern auch im Deutschen Klingenmuseum in Solingen. Wer in die USA reist, kann es auch im Metropolitan Museum of Art in New York bestaunen. Auch im Philadelphia Museum of Art sind Bestecke aus dem Hause Mono vertreten.

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