Analyse

So besetzt Wuppertal Spitzenpositionen

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Andreas Feicht, Chef der Wuppertaler Stadtwerke, wechselt ins Bundeswirtschaftsministerium.

WUPPERTAL Durch den Abschied von WSW-Chef Andreas Feicht kommt ein nicht immer erfolgreicher Mechanismus in Gang.

Von Lothar Leuschen

Die Nachricht kam überraschend. Andreas Feicht, Vorstandsvorsitzender der Wuppertaler Stadtwerke (WSW), wird Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Diese Information wirft sehr kurzfristig die Frage nach der Nachfolge auf. Denn Feicht tritt seinen Staatsdienst bereits am 1. Februar an.

Solche Entwicklungen sind auch in Wuppertal mit gewissen Risiken verbunden. Denn wenn in einer Kommune Spitzenposten zu vergeben sind, dann reden auch Politiker und Stadtverwalter mit. Im Falle des Stadtwerke-Vorstands ist zunächst der politisch besetzte Aufsichtsrat gefragt. Ihm sitzt der SPD-Landtagsabgeordnete Dietmar Bell vor, und auch Stadtdirektor sowie Kämmerer Johannes Slawig ist in dem Gremium vertreten.

Gerhard Finckh ist nur noch bis April dieses Jahres Direktor des renommierten Von der Heydt-Museums. 

Dessen Angaben zufolge wird sich zunächst ein Unterausschuss des Aufsichtsrates mit der Personalie beschäftigen. Gleichzeitig soll eine externe Personalberatung eingeschaltet werden. Wenn sich der Aufsichtsrat für einen Kandidaten entschieden hat, muss der Finanzausschuss des Stadtrates der Auswahl noch seinen Segen geben. Johannes Slawig propagiert „Gründlichkeit vor Geschwindigkeit“ als Grundregel des Verfahrens.

Das hat Sinn. Denn gerade die Stadt Wuppertal ist ein gebranntes Kind, was die Auswahl von wichtigen Funktionsträgern angeht. Prominentestes Beispiel dafür ist der ehemalige Dezernent für Bürgerbeteiligung und das Management der Unternehmensbeteiligung, die Wuppertal sein Eigen nennt. Diese Auswahl hat sich vor ein paar Jahren binnen kürzester Zeit als Fehlgriff erwiesen. Nun streiten der abberufene Dezernent und die Stadt Wuppertal vor Gericht darüber, ob der Mann wieder Arbeiten darf. Bezahlt wird er allerdings auch ohne Anwesenheit. Ihm stehen etwa 70 Prozent seiner Bezüge zu, bis im Jahr 2023 seine eigentliche Amtszeit endet.

In dieser Personalie hat es kein professionelles Verfahren gegeben. Der Mann ist im Prinzip aus zwei Gründen ausgewählt worden: Die SPD im Stadtrat hatte das Vorschlagsrecht, der Mann ist Genosse und Rechtsanwalt. Dass das allein für konstruktive Verwaltungsarbeit nicht ausreicht, hat sich schnell herausgestellt.

Gelungen ist hingegen die Neubesetzung der Schauspiel-Intendanz. Auch die war nötig geworden, weil sich die zunächst auserkorene Person letztlich als nicht passend herausgestellt hat. Wie üblich in Wuppertal erfolgte die vorzeitige Trennung mit öffentlichem Gezeter und reichlich Geld. Dafür ist die Nachfolge ein Volltreffer. Unter Thomas Braus nimmt das verhältnismäßig kleine Ensemble stetig Fahrt auf.

Die Qualität der Auswahlverfahren ist fraglich

Wie dramatisch sich Fehlentscheidungen auswirken können, erlebt derzeit das Pina-Bausch-Ensemble. Dessen Intendantin ist bereits nach wenigen Monaten in Ungnade gefallen, weil die Chemie zwischen Verwaltern und Intendanz nicht stimmte und weil zwischen Schein und Sein große Lücken klaffen sollen. Dass sich ähnliche Schwierigkeiten bei vorherigen Stationen der Intendantin erst nach deren rechtlich nicht haltbaren Kündigung bekannt geworden sind, wirft ein entlarvendes Licht auf die Qualität des Auswahlverfahrens.

Schwierig stellt sich die Suche nach einem neuen Direktor für das Von der Heydt-Museums dar. Der äußerst erfolgreiche, international vernetzte Gerhard Finckh wird den Posten im April frei machen. Wer ihm nachfolgt, ist offen. Das hat auch mit Kommunikationsfehlern zu tun. Dem scheidenden Direktor aus Kostengründen die letzte große Ausstellung zu verweigern und das auch noch so zu veröffentlichen, ist keine gute Werbung für ein Museum.

ANDREAS FEICHT

WECHSEL Wuppertals Stadtwerke-Chef Andreas Feicht (47) wird Staatssekretär in der Bundesregierung. Im Ministerium von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) soll Feicht künftig für die Energiepolitik zuständig sein.

Ob die zuständigen Stellen in Wuppertal aus den kostspieligen Fehlentscheidungen der jüngeren Vergangenheit die notwendigen Konsequenzen ziehen können, wird sich einerseits an der Nachfolge von Andreas Feicht zeigen, sehr wahrscheinlich aber mehr noch in der Suche nach einem Ersatz für den abberufenen Bürgerbeteiligungsdezernenten. Hier kommen die Ratsparteien ins Spiel. Dezernentenstellen werden üblicherweise nach Parteibuch besetzt. So war es beim erfolglosen Bürgerbeteiliger, so ist es bei den vier verbliebenen Dezernenten ebenfalls gewesen. Gesucht wird jetzt ein Volljurist oder ein Mensch mit der Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst. Welches Parteibuch er haben muss, steht noch ebenso wenig fest wie die Antwort auf die Frage, ob es auch ein Mann sein darf.

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