Kult

Quidditch: Mit Besen und Ball durch den Park

+
Auf den Spuren Harry Potters: Jasmin Joachim, Maja Krokow, Finn Dittmer und Johannes Klein-Peters. 

DÜSSELDORF Zweimal pro Woche trainieren die „Düsseldorf Dementors“ im Sternwartpark den Sport aus den Harry-Potter-Romanen.

Von Carolin Scholz

„Und wenn ein Klatscher sich entschied, einer Kanonenkugel gleich auf ihn zuzujagen, wich ihm Harry aus und Fred Weasley kam hinter ihm her gefegt. ‚Alles in Ordnung bei dir‘, konnte er noch rufen, bevor er den Klatscher wütend in Richtung Marcus Flinch schlug.“ – Schon das allererste Quidditch-Spiel, das im ersten Band der Harry-Potter-Reihe von Joanne K. Rowling beschrieben wurde, löste bei vielen Lesern und später bei Kino-Besuchern eine Faszination aus. Fliegende Bälle, verschiedene Positionen – und hoch in der Luft.

Diese Faszination hat es aus den hohen Lüften bei Hogwarts direkt in den Sternwartpark in Bilk geschafft. Denn dort trainiert schon seit November 2016 eine Gruppe junger Leute genau das: Quidditch. Nein, natürlich gibt es hier keine fliegenden Besen und natürlich auch keine jagenden Klatscher und keinen kleinen, goldenen Schnatz. Dafür aber viel Spaß und Zusammenhalt.

„Viele haben sicher über die Bücher und Filme zum Quidditch gefunden, aber sie bleiben wegen des Sports“, sagt Maja Korkow (27), die seit April 2017 dabei ist. Sie beschreibt Quidditch als eine Mischung aus Handball, Völkerball und Rugby. Aber wie funktioniert das denn? Zauberersport so ganz unter Muggeln?

Auf dem Platz stehen höchstens sieben Personen pro Team. Die spielen auf verschiedenen Positionen, alle haben einen Stock, den sie wie einen Besen zwischen die Beine klemmen müssen. Es gibt drei Jäger, erkennbar an einem weißen Stirnband und zwei Treiber mit schwarzem Stirnband. Außerdem einen Hüter und einen Sucher. So weit alles Zaubererkonform. Im Spiel gibt es drei Arten von Bällen, an jeder kurzen Seite stehen drei Ringe auf hohen Stangen: die Tore.

Einer der Bälle ist der Quaffel. Ziel der Jäger ist es, den Quaffel in einen der gegnerischen Ringe zu werfen und damit zehn Punkte für das eigene Konto zu holen. Der Hüter ist der Torwart, der versucht, das zu verhindern. Die Treiber versuchen währenddessen, den Jägern das Leben schwer zu machen und sie mit einer weiteren Art Bälle – den Klatschern – abzuwerfen. Ist ein Spieler getroffen, muss er einmal zu den Ringen seiner Mannschaft rennen und diese berühren – sich freilaufen also.

TERMIN UND KONTAKT

TREFFEN Die Dementors treffen sich immer montags und donnerstags ab 18.30 Uhr auf der Wiese im Sternwartpark, neue Mitspieler sind willkommen.

KONTAKT Die Düsseldorf Dementors haben eine Facebook-Seite.

facebook.com/DuesseldorfDementors

Der Sucher kommt erst ab der 18. Spielminute zum Einsatz. Dann taucht auch der goldene Schnatz auf. Der ist aber nicht wie in der Romanvorlage ein kleiner Ball mit Flügeln, sondern ein Mensch, der hinten im Hosenbund eine Socke mit einem Ball darin stecken hat. Ziel der Sucher ist es, diese Socke zu fangen, während sich der Schnatzläufer mit allen Mitteln dagegen wehrt. Ist der Socken-Schnatz gefangen, ist das Spiel beendet. Die Mannschaft, die ihn gefangen hat, bekommt 30 Punkt gutgeschrieben.

Richtig anstrengend scheint dieser Sport zu sein, blickt man in die Gesichter der Düsseldorfer Spieler, die sich den Namen „Düsseldorf Dementors“ gegeben haben. Mittlerweile ist es ein eingetragener Verein. Etwa 25 Personen sind hier Mitglied, zum Training kommen im Durchschnitt zehn bis zwölf. Ihnen gefällt, dass der Sport so abwechslungsreich ist. Man braucht Kondition, Überblick über das Geschehen und darf auch nicht zimperlich sein.

Ein Düsseldorfer war mit der Nationalmannschaft bei der WM

Quidditch ist Kontaktsport, blaue Flecken gehören dazu. Was ihnen auch gefällt, ist wie offen die Quidditch-Gemeinschaft ist. Ein Beispiel dafür nennt Finn (20), der seit März dabei ist. In den offiziellen Regeln steht, dass von den sieben Spielern auf dem Feld höchstens vier vom gleichen Geschlecht sein dürfen. „Ich als Transperson habe mich in diesem Umfeld sofort wohlgefühlt“, sagt er. Hier spielen alle zusammen, wer sich hier wie identifiziert, ist zweitrangig.

Diese Quidditch-Gemeinschaft ist übrigens nicht nur ein Haufen Harry-Potter-Fans. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland eine richtige Liga inklusive Dachverband. Und auch eine Nationalmannschaft, die bei der Weltmeisterschaft vertreten war.

Dabei war auch einer der Dementors. Johannes Klein-Peters (24) konnte sich qualifizieren und durfte mit nach Florenz fahren. „Das war auf jeden Fall ein Wahnsinns-Erlebnis“, sagt er, der hauptsächlich auf der Position des Jägers spielt, bei der WM aber auch als Sucher im Einsatz war. Früher hat er Handball gespielt; am Quidditch gefällt auch ihm die Vielseitigkeit des Spiels.

Einen richtigen Platz mit Licht im Winter würden sich die Dementors schon wünschen. Bisher läuft alles etwas provisorisch. Wenn es früh dunkel wird, müssen Baustellen-Strahler helfen. Gespielt wird aber trotzdem. Immer. Egal bei welchem Wetter. Denn – und da kommt in Maja Kurkow doch noch mal der Harry Potter-Fan durch – wie schon Gryffindor-Kapitän Oliver Wood im zweiten Band sagte: „Man kann Quidditch nicht absagen“.

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Nach Urteil: Stadt will mit Adolphe Binder reden

Nach Urteil: Stadt will mit Adolphe Binder reden

Die Wupper wird noch erlebbarer

Die Wupper wird noch erlebbarer

Schwerer Unfall in Wuppertal - Auto überschlägt sich

Schwerer Unfall in Wuppertal - Auto überschlägt sich

Im November soll die Trasse asphaltiert sein

Im November soll die Trasse asphaltiert sein

Versuchter Raub: 13-Jähriger in Wuppertal angegriffen - Täter flüchten

Versuchter Raub: 13-Jähriger in Wuppertal angegriffen - Täter flüchten

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren