Konjunktur

Abschwung trifft alle Wirtschaftszweige

Entwicklung des Geschäftslageindex im IHK-Bezirk
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Entwicklung des Geschäftslageindex im IHK-Bezirk.

IHK-Konjunkturumfrage zeigt: Krise wirkt sich noch nicht auf den Arbeitsmarkt aus.

Von Manuel Böhnke

Bergisches Land. Der Großteil der Wirtschaft in der Region befindet sich in einer „dunklen Phase“. Für Henner Pasch, den Präsidenten der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), ergeben sich daraus zwei Fragen: Wie lange dauert diese Periode an? Und was gibt als Licht am Ende des Tunnels Anlass zur Hoffnung? Beides vermochte der Solinger Unternehmer nicht zu beantworten. „Mit einem Ausblick tun wir uns schwer“, sagte er am Montag. In Wuppertal stellte die Kammer die Ergebnisse ihrer aktuellen Konjunkturumfrage vor.

Die Erhebung zeichnet ein trübes Bild, vor allem die Aussichten für das kommende Jahr sind schlecht. Gegenwärtig bezeichnen 30 Prozent der Unternehmen im bergischen Städtedreieck ihre Geschäftslage als gut, in 24 Prozent der Fälle ist sie schlecht. Aus der Differenz der Werte ergibt sich ein Geschäftslagenindex von sechs. Zum Vergleich: Vor einem Jahr lag er bei 20, Anfang 2022 bei 16. Das Resultat ist jedoch nicht mit dem coronabedingten Knick von vor zweieinhalb Jahren zu vergleichen: Im Frühjahr 2020 brach der Index von 16 auf -35 ein.

Die Auswertung zeigt kommunale Unterschiede. Demnach beurteilen die Firmen in Remscheid die aktuelle Geschäftslage etwas negativer als die Wuppertaler und Solinger. Das führt die Kammer vor allem auf die Skepsis des verarbeitenden Gewerbes in der kleinsten bergischen Großstadt zurück, unter anderem der Werkzeugindustrie.

Die Industrie zählt zu den Wirtschaftszweigen, die mit dem größten konjunkturellen Gegenwind zu kämpfen haben. Und das, obwohl viele Firmen laut IHK-Angaben noch ein „komfortables Auftragspolster“ vorweisen können. Dass dennoch 60 Prozent damit rechnen, dass sich ihre Geschäftslage in absehbarer Zeit verschlechtern wird, liegt vor allem an den immens gestiegenen Energiepreisen.

Auf die reagieren die von der Kammer befragten Betriebe unterschiedlich. 61 Prozent geben die Mehrkosten zum Großteil an ihre Kunden weiter. Das sei vor allem für Firmen mit eigenen Markenprodukten eine Option. Für Zulieferer bestehe diese Möglichkeit nur bedingt. 31 Prozent investieren in Energieeffizienz, 16 reduzieren ihr Angebot, neun weichen auf andere Energieträger aus, vier verlagern die Produktion. Problematisch aus IHK-Sicht: Verständlicherweise genieße das Eindämmen der gestiegenen Kosten derzeit Priorität. Das gehe zulasten von Investitionen in Innovationen. Die brauche es aber, um gegenüber kostengünstigeren Standorten wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wann kommt der rettende Strohhalm?

Henner Pasch, IHK-Präsident

Nicht nur die Industrie hat zu kämpfen. „Der Einzelhandel gehört derzeit zu den größten Verlierern des Abschwungs“, erklärte Henner Pasch. Die Branche habe unter der Corona-Pandemie arg gelitten, befand sich auf dem Weg der Besserung und spürt nun, dass viele Kunden angesichts der hohen Inflation zurückhaltend konsumieren. „Da fehlt eine Perspektive, weil niemand sagen kann, wie sich das Weihnachtsgeschäft entwickelt“, betonte Pasch. Deshalb sei die unternehmerische Sorge bei den Händlern am größten – elf Prozent berichten von drohender Insolvenz.

Etwas positiver, jedoch ebenfalls verhalten blicken das Verkehrsgewerbe und die Dienstleistungswirtschaft in die Zukunft. Darunter fällt auch das Hotel- und Gaststättengewerbe. Die Branche verzeichnete zwar nach dem Ende der Corona-Maßnahmen einen Aufwärtstrend, doch inzwischen dominieren auch hier Sorgen – vor Konsumzurückhaltung sowie steigenden Kosten und Corona-Zahlen.

Nicht signifikant wirkt sich die schwierige Wirtschaftslage auf den Arbeitsmarkt aus. „Der Fachkräftemangel ist so drastisch, dass die Unternehmen an die Schmerzgrenze gehen, um ihre Leute zu halten“, erklärte Henner Pasch. Wenn sich der konjunkturelle Abwärtstrend fortsetze, sei jedoch damit zu rechnen, dass auch Arbeits- und Ausbildungsmarkt darunter leiden. Der IHK-Präsident hofft, dass es nicht so weit kommt: „Wann kommt der rettende Strohhalm?“

Umfrage

362 Unternehmen mit etwa 16 800 Beschäftigten haben sich an der Konjunkturumfrage der Bergischen Industrie- und Handelskammer im Herbst 2022 beteiligt. Wegen des Cyberangriffs auf die Kammer fand die Erhebung analog statt. Die Betriebe machten ihre Angaben, bevor die Bundesregierung die Gaspreisbremse angekündigt hatte .

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