Bei der IG Bergisches Bier trifft Tradition auf Moderne

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Dürfen ihr Bier jederzeit selbst zapfen: David Oppermann (vorne) und Lars Nähle. Foto: Anna Schwartz

Viermal im Jahr kosten die Mitglieder ihre neuesten Bierkreationen aus Wuppertal.

Von Stephanie Licciardi

Wuppertal. Goldgelb, dunkelbraun oder hellbraun, versehen mit der obligatorischen weißen Schaumkrone, schwebt das Glas vorsichtig aus der Hand von David Oppermann auf die Theke. Kurz vor dem ersten Schluck hält der Gast inne, genießt den Anblick des perfekt gezapften Bieres, nimmt einen tiefen Zug: aah, höchster Genuss, und das „made in Wuppertal“.

Bei der Interessengemeinschaft (IG) Bergisches Bier dreht sich beim viermal im Jahr stattfindenden Stammtisch alles um das Nationalgetränk. Vorsitzender Lars Nähle: „Wir möchten die Kunst des bergischen Bierbrauens sowie Traditionsbiere aus Wuppertal wieder beleben und erhalten.“

Die IG setzt nicht nur auf Moderne und ein Lifestyle-Getränk, sondern auch auf Altbewährtes. Denn das Bierbrauen hat eine lange Tradition in Wuppertal. So wurde anno 1764 nicht nur das weltbekannte Kölsch gar in Barmen erfunden, auch Marken wie Bremme oder Wicküler sind vielen Menschen noch ein Begriff. Im Bierlabor in den Räumen des Vereinsheimes der Studentenverbindung „C.St.V. Unitas Hildburghausen zu Wuppertal“ lassen Lars Nähle und David Oppermann ihrem Ideenreichtum freien Lauf. „Wir probieren gerne und viel aus“, erzählt Nähle. Von Stark- bis hin zum Lager- und einem würzigen Weihnachtsbier mit Kardamom und Zimt entstehen in Eigenproduktion die „kühlen Blonden“ beziehungsweise „Brünetten“. Hoch im Kurs der Interessengemeinschaft ist das Phönix, das in Erinnerung an die ehemalige Phönix Brauerei entstand. „Wir orientieren uns dabei an alten Rezepten“, verrät Lars Nähle.

Die vereinseigene Anlage fasst etwa 50 Liter Flüssigkeit. In dem dazu bestens geeigneten Talsperrenwasser des Bergischen Landes, wird zunächst das Malz ausgekocht, aus dem die sogenannte Treber entsteht. Diese Rückstände, etwa 30 Kilogramm auf 50 Liter, werden nicht etwa weggeworfen, wie Nähle betont, sondern zur Wiederverwertung aufbewahrt. Große Brauereien würden die Malzrückstände an landwirtschaftliche Betriebe weiterverkaufen. „Treber eignet sich sehr gut als Tierfutter oder Brennmaterial“, sagt Nähle.

Malzrückstände könnten in Pizzen verarbeitet werden

Zur Zeit seien Pizzen aus Treberteig im Gespräch mit Bistros im Luisenviertel. „Die Rückstände sind ja zuckerfrei und daher auf jeden Fall ess- und wiederverwertbar.“

Überhaupt setzen die Selfmade-Brauer auf Nachhaltigkeit. So konstruierte Maschinenbauingenieur David Oppermann eine Anlage ohne Pumpen. Dadurch werde der Stromverbrauch reduziert und Innovationen vorangetrieben.

Als Konkurrenz zu anderen Brauhäusern verstehen sich die Mitglieder der IG nicht. Nähle: „Die IG möchte ein Stück Identität nach Wuppertal zurückholen, Netzwerke knüpfen und weiterhin an Veranstaltungen wie dem Langen Tisch teilnehmen.“

Um die Menschen jeder Alters- und Zielgruppe in die traditionsreiche Bierbraukunst einzuführen, bietet die IG ihre „Biererlebnisse“ an. „Natürlich hoffen wir, dass unsere Stadt wieder zu einem Standort wird“, fasst der Vorsitzende zusammen.

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