Einrichtung

Bergische VHS will verstaubtes Image loswerden

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Das Interesse an den VHS-Kursen war bereits in den ersten Jahren groß. Das zeigte sich auch beim Sommerfest im Jahre 1923.

WUPPERTAL/ SOLINGEN Die Einrichtung bietet seit 100 Jahren „Weiterbildung für alle“ in Wuppertal. Heute geht sie mit Solingen gemeinsame Wege.

Von Tanja Heil

Bildung für alle als Grundpfeiler der Demokratie: Das Anliegen der Volkshochschule (VHS) war bei ihrer Gründung so aktuell wie heute. Jetzt feiert die Bergische VHS ein Jubiläum. Die Wuppertaler Volkshochschule feiert ihr 100-jähriges Bestehen. Viele Grundsätze von damals sind geblieben, auch wenn sich die Institution immer wieder den Erfordernissen angepasst hat.

Die Wuppertaler und die Solinger VHS sind heute in einem Zweckverband vereint. Seit 2006 bieten die Einrichtungen der beiden Städte ein gemeinsames Programm.

Anna Lenker ist seit 1. September Pädagogische Leiterin. 

In Wuppertal geht die Geschichte der Bildungseinrichtung eigentlich sogar mehr als 100 Jahre zurück. Eine erste Volkshochschule wurde schon 1912 in Barmen durch liberale Bürger gegründet – damals als vierte in ganz Deutschland. Im gleichen Jahr wurde auch die Solinger Volkshochschule ins Leben gerufen. Der Erste Weltkrieg brachte den Unterricht jedoch zum Erliegen. Nach Kriegsende wurden wegen politischer Vorgaben deutschlandweit viele Bildungseinrichtungen ins Leben gerufen – darunter 1919 die VHS in Elberfeld und kurz darauf in Ronsdorf und Cronenberg.

„Damals galt Bildung als Schule der Demokratie“, erzählt Detlef Vonde, Bereichsleiter Politik und Geschichte der Bergischen VHS. Ein Kurs kostete 30 Pfennig, Arbeitslose erhielten freien Eintritt. Schon 1920 besuchten 5600 Wuppertaler die VHS-Kurse. Angeboten wurden neben Grundfertigkeiten wie Schreiben und Rechnen auch Technik, Physik, Gesundheitsbildung und kulturelle Themen.

Detlef Vonde leitet die Politische Runde.

Besonders beliebt waren in den 20er Jahren die Kurse von Hubert Tigges: Er hielt Vorträge über Europa und unternahm mit seinen meist jungen Kursteilnehmern Reisen in die Nachbarländer. Ihm lag die Völkerverständigung am Herzen. Das war den Nazis ein Dorn im Auge, und Tigges musste ab 1928 seine Reisen privat organisieren, die späteren Dr.-Tigges-Studienreisen.

In den 30er Jahren wurden die Kurse der VHS zunehmend nationalistisch ausgerichtet. Nach dem Krieg bediente die VHS dann den großen Hunger nach Kultur und Kommunikation. In den Wirtschaftswunderjahren wuchs die VHS.

„Wir machen auch viel Projektarbeit, die man nach außen nicht sieht.“
Anna Lenker, Pädagogische VHS-Leiterin

Heute werden jährlich rund 20 000 Kursplätze in Wuppertal vergeben. In Solingen besucht jeder zehnte der rund 160 000 Einwohner Angebote der VHS. „Wir reagieren sehr schnell auf Bedarfe und setzen Impulse“, betont VHS-Leiterin Anna Lenker. Sie ist davon überzeugt, dass auch in Zeiten von Internet und sozialen Medien das Lernen in persönlicher Atmosphäre sinnvoll ist. Vonde: „Die Leute wollen das sinnliche Erlebnis der Nähe.“

Den Fachbereichsleitern sei es wichtig, möglichst viele Menschen in Wuppertal und Solingen zu erreichen, tatsächliche „Weiterbildung für alle“ anzubieten. Dafür gehen sie immer wieder neue Wege: Neben Kursen über 14 Wochen gibt es jetzt auch in einigen Rubriken Power-Workshops mit wenigen Terminen.

Auch sonst versucht die VHS, Hürden abzubauen. Sie möchte verstärkt Kurse in den einzelnen Stadtteilen anbieten und sich vom verstaubten Image befreien. So legen die Mitarbeiter bei den Sprachkursen Wert auf gute Vorab-Beratung, um Anspruch und Fähigkeiten passgenau auf den Kurs abzustimmen.

BERGISCHE VHS

ZAHLEN 76 Festangestellte und rund 660 Honorarkräfte bieten ein umfassendes Programm an. Dafür bekommt die VHS knapp 6 Millionen Euro Zuschüsse. AUSSTELLUNG Vom 3. bis 5. Juli zeigt die VHS in der Auer Schulstraße 20 in Wuppertal zu ihrer Geschichte „Bildung für alle“. bergische-vhs.de

Zur regelmäßig in Wuppertal stattfindenden Politischen Runde kommen hochkarätige Gäste, die sonst selten im Bergischen Land zu hören sind. „Wir machen auch viel Projektarbeit, die man nach außen nicht so sieht“, betont Anna Lenker. So hat die VHS gerade eine Handreichung mit Argumenten gegen Stammtisch-Vorurteile herausgebracht. Außerdem holen jedes Jahr 600 bis 800 junge Menschen bei der VHS ihren Schulabschluss nach.

Für die Dozenten gibt es ein internes Fortbildungssystem, um die Qualität zu sichern. So möchte die Volkshochschule auch in Zeiten der Digitalisierung ein Zentrum für Austausch und Wissen bleiben.

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