Historisch

Bergische Museumsbahnen stehen im Depot

Die Museumsbahn „406“ ist zur Zeit die einzige auf den Schienen – allerdings nur für Wartungsarbeiten. Fotos: Moritz Alex
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Die Museumsbahn „406“ ist zur Zeit die einzige auf den Schienen – allerdings nur für Wartungsarbeiten. Fotos: Moritz Alex

Verein nutzt Zwangspause als Ideenschmiede und für Putz und Wartungsarbeiten. Dabei achten alle genau auf die Abstandsregeln.

Von Jutta Schreiber-Lenz

Derzeit steht nur die „406“ der orange Arbeitswagen auf den Schienen, die den Berg hinauf Richtung Cronenberg führen. Vollgepackt mit dem nötigen Equipment für die Streckenwartung wie Kettensäge, Weichenbesen oder Gleisbau-Werkzeug ist er der einzige Betriebswagen auf dem Gelände der Bergischen Museumsbahnen (BMB), der regelmäßig bewegt wird. Eigentlich hätte am 12. April mit dem ersten Fahrtag die Saison beginnen sollen. Aber die Corona-Krise hat auch hier die Besucher ausgesperrt.

Weder können Fahrgäste in den historischen Wagen den waldigen Hang bis zur Endhaltestelle Möschenborn hinauffahren, noch sich im Museum an den gut 40 „Oldies“ erfreuen, die dort zu besichtigen sind. „Wir können nicht wie andere Straßenbahnen oder bei Bussen Plexiglasscheiben um den Fahrer befestigen und außerdem verkaufen wir ja auch unsere Fahrkarten durch einen Schaffner, der bei den historischen Bahnen als zweiter Mann unabdingbar ist“, erläutert Sven Ekert, der im Verein Jugendvertreter und Medien-Ansprechpartner ist, das Problem der nicht einhaltbaren Distanz. „Es hilft nichts, wir müssen warten bis die strengen Regeln zur Virenbekämpfung aufgehoben werden können.“

Im Depot der „Bergischen Museumsbahnen“ wird die Corona-Krise genutzt, die Bahnen wieder herzurichten.

Die rund 30 aktiven Vereinsmitglieder machen in diesen Tagen und Wochen aus der Not eine Tugend und putzen und warten den Bestand, was das Zeug hält. Dabei gelten strenge Abstandsregelungen: Mehr als fünf Personen dürften nicht mehr zusammen arbeiten, damit die erforderliche räumliche Distanz eingehalten werden kann. „Wir haben uns da ein bisschen umstrukturiert, natürlich auch mit Blick auf die Aktiven, die aufgrund ihres höheren Lebensalters in die sogenannte Risikogruppe gehören“, sagt Georg Kemper vom Vereinsvorstand. Als kleinster deutscher Straßenbahnbetrieb unterliegen die Bergischen Museumsbahnen der Aufsicht der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB), deren Anforderungen der Verein auch in Corona-Zeiten umsetzt, um danach wieder für seine Gäste da sein zu können.

Der „Elberfelder“ bekommt frische Lackierung

Fremdfirmen haben in den letzten Wochen wichtige Arbeiten wie zum Beispiel Spurmessungen an den elektrischen Anlagen durchgeführt und erfolgreich abgeschlossen. Außerdem steht derzeit der „Elberfelder“ im Fokus der laufenden Sanierungsarbeiten. Er bekommt gerade eine frische Lackierung, damit er seinen Fans in neuer Pracht zur Verfügung steht, wenn es nach Corona endlich wieder losgeht. Nicht nur der Ausfall der Fahrtage ist für die Bergischen Museumsbahnen bitter, auch die beliebten Hochzeitsfahrten mussten vorerst abgesagt werden. Auch hinter dem jährlichen Straßenbahn-Fest zu Pfingsten steht noch ein dickes Fragezeichen. „Wir hoffen“, sagen Kemper und Ekert wie aus einem Munde.

Planmäßig verläuft die Instandsetzung des historischen Triebwagens „342“, Baujahr 1952, von den Vestischen Straßenbahnen. Die Arbeiten werden von Fachfirmen in Süddeutschland und Österreich durchgeführt. Nach der Rückkehr des Wagens in den nächsten Monaten verfügen die BMB dann über einen weiteren einsatzfähigen Oldtimer für Fahrten auf der eigenen Museumsstrecke. Die Besucher können sich dann von einer besonderen Farbgebung des „Grünen Fisches“ überraschen lassen. „Zwei bis dato noch eingesetzte baugleiche Fahrzeuge in Österreich wurden jüngst ausgemustert. Erst damit konnte die Sanierung des seit langem im Depot stehenden Wagen 342 der Museumsbahnen angegangen werden.“ Bei Oldtimern gebe es immer das Problem, an Ersatzteile heranzukommen“, erläutert Ekert. „Nun macht man sozusagen aus drei Oldies einen fahrtauglichen.“

Generell gelte es beim Verein der Bergischen Museumsbahnen schlichtweg durchzuhalten, sagt Ekert. „So allmählich hat sich die anfängliche Schockstarre gelöst und wir entwickeln durch die fehlende Hektik des Routinebetriebs Zukunfts- und Verbesserungsideen.“

STRECKENFÜHRUNG

FAHRTEN Von April bis Oktober fahren normalerweise jeweils am zweiten und vierten Samstag im Monat die historischen Straßenbahnen auf der Strecke von der Kohlfurter Brücke bis nach Cronenberg: Fünf Haltestellen liegen an den Gleisen, auf denen alle 30 Minuten eine Straßenbahn fährt. Zusätzlich gibt es Anfang Dezember die Nikolaus-Fahrt.

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