Verkehrsrechnerraum

Sie berechnen den Verkehr von morgen

WUPPERTAL In Wuppertal soll bald künstliche Intelligenz die Grünphasen einteilen. Ein Besuch bei den Verkehrslenkern der Stadt.

Von Daniel Neukirchen

Im Verkehrsrechnerraum der Stadt summt es wie in einem Bienenstock. Ohne Klimaanlage würde sich der Raum mit den unzähligen Kabelsträngen, leuchtenden Lämpchen und Server-Einheiten innerhalb von wenigen Minuten auf 40 Grad aufheizen. Die Daten von 350 Ampel-Anlagen der Stadt laufen hier, in dem Verwaltungsgebäude an der Alexanderstraße 18, zusammen. Egal, ob in Cronenberg ein Kind auf den Knopf der Fußgängerampel drückt oder ein Auto in Elberfeld die Induktionsschleife vor einer Ampel auslöst. Den Rechnern entgeht nichts.

Die Menschen hinter den Computern sitzen im nächsten Raum. Software-Experte Frank Pledt-Renken und sein Abteilungsleiter Peter Scheib haben täglich die Daten im Blick, die der Straßenverkehr in einer lebhaften Großstadt wie Wuppertal ausspuckt. Pledt-Renken schaut gerade einmal mit ein paar Mausklicks bei der „214“ vorbei. Das ist die Nummer der Ampelanlage Bundesallee/Morianstraße/Döppersberg.

Verstärkt soll auf künstliche Intelligenz gesetzt werden

Auf mehreren Spuren bauen sich Balken auf, die für Grün- und Rotphasen stehen. Jede Anlage im Stadtgebiet hat ihre eigene Programmierung, die den optimalen Verkehrsfluss gewährleisten soll. Im Berufsverkehr gelten daher andere Zeiten als mitten in der Nacht. Und das 30 Köpfe starke Team der Verkehrstechnik hinterfragt immer wieder, ob eine Anpassung nötig ist, weil äußere Einflüsse – wie Baustellen oder der Ausfall der Schwebebahn – den Verkehrspuls der Stadt verändern.

Ausgetüftelt werden die Zeiten im Team von Verkehrsingenieur Robert Burmeister, der im Rathaus an der grünen Welle für die Stadt arbeitet. „Grüne Welle heißt nicht, dass ich überall mit 50 durchkomme“, stellt Abteilungsleiter Rolf-Peter Kalmbach fest. Es geht darum, dass die optimale gleichmäßige Geschwindigkeit für den Verkehr gefunden wird. Denn: „Bremsen und Gasgeben erhöht den Schadstoffausstoß“, sagt Kalmbach. Dass die Stadt selbst mit eigenen Experten die Ampelschaltungen programmiert, ist ungewöhnlich, wie Planer Burmeister feststellt. Dadurch kann Wuppertal innerhalb von wenigen Tagen auf ein neues Verkehrsszenario reagieren. „Andere Städte müssen da jedes Mal externe Verkehrsingenieure beauftragen. Aber das dauert Monate.“

Innerhalb der nächsten zwei Jahre wollen die Planer vermehrt auf künstliche Intelligenz setzen. „Wir sind hier in Wuppertal ganz vorne mit dabei“, sagt Abteilungsleiter Peter Scheib. Künftig will die Stadt nicht nur den Verkehrsfluss, sondern auch den Schadstoffausstoß in Echtzeit messen. „Ich glaube, dass wir damit die Grenzwerte einhalten können“, sagt Rolf-Peter Kalmbach.

Für das Projekt sollen rund 4,2 Millionen Euro an Fördermitteln vom Bund fließen.

PARKLEITSYSTEME

AUFGABE In Kürze will die Stadt sogar die Parkplätze an den Straßenrändern erfassen und Nutzer einer App zu den freien Flächen lotsen, um so den Suchverkehr auf den Straßen zu minimieren. Bislang liefert die Stadt Infos über freie Parkplätze online.

parkinfo.wuppertal.de

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